Atelier in den Reinbeckhallen in Berlin-Oberschöneweide


Das Studio der Künstlerin Jorinde Voigt in den Reinbeckhallen vermittelt eine sehr konzentrierte Atmosphäre – dank des konzeptionell konsequenten Ausbaus durch die Architekten Grubert Verhülsdonk.


Text: Hoetzel, Dagmar, Berlin


    Die Ateliers im südlichen Hallenschiff der Reinbeckhalle orientieren sich zur Spree mit ihrem breiten, grünen Uferbereich. Das Studio von Jorinde Voigt erstreckt sich über fünf Gebäudeabschnitte.
    Foto: Marcus Ebener

    Die Ateliers im südlichen Hallenschiff der Reinbeckhalle orientieren sich zur Spree mit ihrem breiten, grünen Uferbereich. Das Studio von Jorinde Voigt erstreckt sich über fünf Gebäudeabschnitte.

    Foto: Marcus Ebener

    Groß genug, um einerseits die Industriearchitektur erfahrbar zu lassen und ande­rerseits in ein vielfältiges Raumgebilde einzubauen.
    Foto: Marcus Ebener

    Groß genug, um einerseits die Industriearchitektur erfahrbar zu lassen und ande­rerseits in ein vielfältiges Raumgebilde einzubauen.

    Foto: Marcus Ebener

    Die Häuser sind in konventioneller Holzständerbauweise erstellt, ...
    Foto: Marcus Ebener

    Die Häuser sind in konventioneller Holzständerbauweise erstellt, ...

    Foto: Marcus Ebener

    ... mit Lehmbauplatten belegt und einem anthrazit eingefärbten Oberputz beschichtet.
    Foto: Marcus Ebener

    ... mit Lehmbauplatten belegt und einem anthrazit eingefärbten Oberputz beschichtet.

    Foto: Marcus Ebener

    Dem gegenüber sind die Innenräume farbig, ...
    Foto: Amanda Holmes

    Dem gegenüber sind die Innenräume farbig, ...

    Foto: Amanda Holmes

    ... das feine Messing der Schiebetüren kontrastiert mit dem handwerklichen Lehmputz.
    Foto: Marcus Ebener

    ... das feine Messing der Schiebetüren kontrastiert mit dem handwerklichen Lehmputz.

    Foto: Marcus Ebener

    Der geflieste Boden, das besondere Licht direkt unter dem Sheddach und die Pflanzen erzeugen auf der Dachterrasse eine ganz besondere Atmosphäre.
    Foto: Marcus Ebener

    Der geflieste Boden, das besondere Licht direkt unter dem Sheddach und die Pflanzen erzeugen auf der Dachterrasse eine ganz besondere Atmosphäre.

    Foto: Marcus Ebener

    Die Nutzung wird im hinteren Bereich des Studios zunehmend privater.
    Foto: Marcus Ebener

    Die Nutzung wird im hinteren Bereich des Studios zunehmend privater.

    Foto: Marcus Ebener

    In der letzten Einheit befinden sich Küche ...
    Foto: Marcus Ebener

    In der letzten Einheit befinden sich Küche ...

    Foto: Marcus Ebener

    ... und Bad.
    Foto: Marcus Ebener

    ... und Bad.

    Foto: Marcus Ebener

„Wir wollten die Atmosphäre der Industriehalle erfahrbar lassen“, erläutert Architekt Daniel Verhülsdonk. Und dann seien sie ziemlich schnell zu einem Haus-im-Haus-Konzept gekommen. Oder vielmehr zu einem kleinen Dorf im Haus.
Jorinde Voigt hat in dem südlichen Hallenschiff der Reinbeckhallen fünf Teileinheiten erworben mit rund 540 Quadratmeter Grundfläche. Zum breiten Grünraum am Spreeufer öffnet sich ihr Bereich über eine Länge von rund 40 Metern mit raumhohen Verglasungen und großen Toren. Der Eingang zum Studio liegt an der Schmalseite, an der Straße zwischen Reinbeck- und Spreehalle, gesäumt von Pflanzen in großen Kübeln. Man betritt das Studio direkt in einen großen Raum, 12 Meter hoch, 250 Quadratmeter groß – genannt „Open Space“. Oder eben ein Dorfplatz: zwei rechtwinklig zueinanderstehende zweigeschossige Häuser mit Fassaden mit immer gleich großen, 2,50 x 2,50 Meter messenden Öffnungen als Fenster oder Türen ausgebildet, und Dächern, die sich an der Geometrie des Industriehallendaches orientieren, mit einer Schattenfuge von diesem abgesetzt. Eine breite Treppe, zweigeteilt in breitere und höhere Stufen zum Sitzen und solche zum Gehen, führt zwischen den beiden Häusern nach oben, teilt sich, erschließt auf der einen Seite eine Art Balkon, führt auf der anderen Seite versteckt entlang der Trennwand zur benachbarten Halle auf eine weitere Dachterrasse, einen Wintergarten, und dann weiter in die hinteren Bereiche.
Zwei Häuser also, das eine alleinstehende für Büro und Besprechung, das andere mit Räumen, die für alles mögliche genutzt werden können und Anbauten, deren Nutzung zum hinteren Bereich hin immer privater werden. Die beiden Häuser sind jeweils an einer Seite an die Bestandswände angebaut. Im rückwärtigen Teil spielen sie sich durch die dort verlaufenden Treppen frei. In der letzten Einheit gibt es ein großes Kaminzimmer im Erdgeschoss, darüber eine Küche und ein Bad. Das wäre der Wohnbereich. Aber – es gab wenig nutzungsspezifische Anforderungen, kein präzises Raumprogramm. Es gibt eine Abfolge von Räumen auf verschiedenen Ebenen, die wohl je nach Projekt, Lust und Laune genutzt werden. Ein Überschwang an Raum, jeder einzelne sehr präzise architektonisch ausformuliert und dennoch nutzungsoffen. Man könnte fast meinen, die umgebende weitläufige Industriearchitektur, die in weiten Teilen noch auf eine inhaltliche Neubestimmung wartet, habe Pate gestanden: Großzügige Räume, die Gelegenheiten bieten für Ungeplantes, Spontanes, Experimentelles. Oder ein begehbares Bühnenbild. Der Open Space, der Eingangsbereich oder Dorfplatz, wirkt wie eine Bühne und wird unterschiedlich genutzt für Ausstellungen oder Vorträge, für Essen an einer langen Tafel oder als Arbeitsraum im Atelierbetrieb. Gäste und Mitarbeiter belagern die Treppe, Balkone, Dachterrassen, verfolgen aus den Fenstern das Geschehen. Boden und Wände sind anthrazit-schwarz, durch die Öffnungen blitzen Farbflächen der dahinterliegenden Räume und das Messing, mit dem die Schiebetüren verkleidet sind. Die Ein-, Durch- und Ausblicke sind vielfältig – innerhalb der Halle und nach außen zum Grünraum ergeben sich immer neue Perspektiven.

Natürliche Materialien und bitte kein Weiß

Die Vorgabe in der Farbgebung seitens der Bauherrin war klar: Kein bisschen weiß sollte zu sehen sein und der Boden schwarz – zur Erdung. Das Farbkonzept ist dann in der Zusammenarbeit von Architekt und Bauherrin vor Ort entstanden. Die Farben des Außenbereichs sollten vorkommen, das Grün vom Uferbereich, das Blau der Spree (das ist euphemistisch für das eher braune Wasser des Flusses) und die entsprechenden Komplementärfarben. Petrol in den vorderen Räumen, zartes Lachs im Büro, leichtes Blau-Grün in der Küche, Orange im Bad. Eine ganz besondere Atmosphäre findet sich auf der Dachterrasse. Der geflieste Boden spiegelt alle Farben des Studios wieder. Direkt unter dem Oberlicht entsteht im Zusammenspiel von Licht und Pflanzen eine ganz eigene Welt. Die Bestandshalle wird zur Hintergrundfolie für die eingestellten Häuser, ihre Wände und Dach sind in Bezug zu der Grünanlage vor dem Gebäude in einem zurückhaltenden milchig-grün-grau gestrichen.
Von Anfang an legte die Bauherrin auch großen Wert auf Nachhaltigkeit und schadstofffreie Baustoffe sowie auf Materialien, die über ihre jeweils spezifische Haptik und Textur wirken und im Alterungsprozess eine Patina entwickeln können.
Die Häuser sind in konventioneller Holzständerbauweise erstellt. Entsprechend dem Haus-im-Haus-Konzept werden Innen- und Außenfassaden ausgebildet. Außen ist die Konstruk­tion mit Spundhölzern verschalt und mit 25 Millimeter starken Lehmbauplatten belegt. Diese sind mit einem armierten Lehmgrundputz und anthrazit eingefärbtem Lehmputz beschichtet – eine monochrome Fläche, die durch das Handwerkliche ein eigenes Leben entwickelt. Treppen und Laufbereiche zwischen den Häusern sind in schwarz geölter Eiche ausgeführt, genau so wie die Einbaumöbel. Der Boden ist mit einem schwarz durchgefärbten Estrich beschichtet.
Durch das konsequent umgesetzte Konzept der in die Halle eingestellten Häuser bleibt die räumliche Qualität der Industriearchitektur mit 12 Metern Raumhöhe erfahrbar. Darüber hin­­-aus wird so auch die Möglichkeit einer differenzierten Temperierung geschaffen. Die einzel­nen Räume werden mittels Fußbodenheizung geheizt. Zur Energieeinsparung kann der Open Space niedriger temperiert werden und je nach Bedarf und Nutzung mittels Bodenkonvektoren schnell aufgeheizt werden.
Durch den Ausbau sind 900 Quadratmeter Nutzfläche entstanden – und ein komplexes Raumgebilde, das Orte bietet für konzentrierte Zurückgezogenheit ebenso wie für Kommuni­kation und Öffentlichkeit.



Fakten
Architekten Grubert Verhülsdonk Architekten PartGmbB, Berlin
Adresse Reinbeckstraße 17, 12459 Berlin


aus Bauwelt 4.2020
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