Zelt oder Luxuswohnheim?

Die Suche nach dem ersten eigenen Zuhause wird für viele Studierende zu einer Tortur. Vollzeitstudenten haben auf einem überhitzten Wohnungsmarkt mit steigenden Mieten eher schlechte Chancen und müssen ihr Leben auf wenigen Quadratmetern organisieren.

Text: Am Ende, Hannah, Münster

    Das ganze WG-Leben in einem Raum: Entspannen, Arbei­ten, Schlafen, Essen, Wäschetrocknen und Feiern.
    Foto: Patrick Lux

    Das ganze WG-Leben in einem Raum: Entspannen, Arbei­ten, Schlafen, Essen, Wäschetrocknen und Feiern.

    Foto: Patrick Lux

    Die Räume des Wohnheims in Paris-Saclay, entworfen von dem Büro Bourbouze und Graindorge, zeigen mit ihrer variablen Abtrennung eine Möglichkeit für die Anpassung an den abwechslungsreichen Alltag der Studierenden.
    Foto: Clément Guillaume

    Die Räume des Wohnheims in Paris-Saclay, entworfen von dem Büro Bourbouze und Graindorge, zeigen mit ihrer variablen Abtrennung eine Möglichkeit für die Anpassung an den abwechslungsreichen Alltag der Studierenden.

    Foto: Clément Guillaume

    Ein Bettgestell, ein Tisch und ein Regalsystem gehören zur Grundausstattung der Wohnheimzimmer. Dennoch schaffen die Studenten in­dividuelle Räume durch persönliche Gegenstände.
    Foto: Lousia Galow

    Ein Bettgestell, ein Tisch und ein Regalsystem gehören zur Grundausstattung der Wohnheimzimmer. Dennoch schaffen die Studenten in­dividuelle Räume durch persönliche Gegenstände.

    Foto: Lousia Galow

    Das Projekt VinziRast-mittendrin in Wien verfolgt neue Wohnkonzepte: Ehemals Wohnungslose und Studenten wohnen in 10 Wohnge­meinschaften zusammen.
    Foto: Simon Jappel

    Das Projekt VinziRast-mittendrin in Wien verfolgt neue Wohnkonzepte: Ehemals Wohnungslose und Studenten wohnen in 10 Wohnge­meinschaften zusammen.

    Foto: Simon Jappel

    In vielen Städten, wie hier in Essen, machen Studenten durch Protestcamps auf ihre Wohnungsnot und die an­gestiegenen Mieten aufmerksam.
    Foto: FUNKE Foto/Christof K

    In vielen Städten, wie hier in Essen, machen Studenten durch Protestcamps auf ihre Wohnungsnot und die an­gestiegenen Mieten aufmerksam.

    Foto: FUNKE Foto/Christof K

Zelt oder Luxuswohnheim?

Die Suche nach dem ersten eigenen Zuhause wird für viele Studierende zu einer Tortur. Vollzeitstudenten haben auf einem überhitzten Wohnungsmarkt mit steigenden Mieten eher schlechte Chancen und müssen ihr Leben auf wenigen Quadratmetern organisieren.

Text: Am Ende, Hannah, Münster

Immer mehr Jugendliche möchten nach ihrem Schulabschluss studieren: Seit 2010 ist die Zahl der Studierenden in Deutschland um rund 28 Prozent gestiegen. Die meisten Studiengänge beginnen zum Wintersemester, daher starten 85 Prozent aller Studienanfänger ihre akademische Laufbahn im Herbst und begeben sich zeitgleich auf Wohnungssuche. Der Wohnungsmarkt in vielen Städten ist infolge dessen überlastet. Besonders für Erstsemester ist die Suche nach dem klassischen Studentenzimmer in einer Wohngemeinschaft eine schwierige Aufgabe. Viele ergattern anfangs nur eine Zwischenmiete – und müssen danach weitersuchen. Auf den gängigen Online-Portalen sind Angebote mit einer Miete von 500 Euro längst keine Seltenheit mehr. Doch allein die Zusage für ein WG-Casting kostet oft viel Zeit und Nerven. Wo kommen die Studenten unter?
Viele Universitäten bieten für die ersten Semesterwochen Notunterkünfte an. So organisierte beispielsweise die Universität Münster in diesem Jahr erstmals Unterkünfte in der stillgelegten Oxford-Kaserne, die zuvor als Erstaufnahmestelle für Geflüchtete genutzt wurde. Dieses Angebot kostet 10 Euro pro Tag, ist allerdings bis Mitte 2019 begrenzt. Die niederländische Universität Groningen stellte Zelte und Feldbetten mit einer Kapazität für 90 Studierende auf – definitiv keine winterfeste Lösung. Viele studentische Organisationen setzen sich für eine Besserung der Wohnzustände ein. Sie fordern eine Erhöhung der BAföG-Pauschale für die Miete, die momentan bei 250 Euro liegt. Im Schnitt zahlt ein Student aber 325 Euro für seine eigenen vier Wände. In kleineren Städten mag diese Pauschale meist zu den regionalen Mietpreisen passen, doch die Studenten zieht es zum Großteil in Metropolen wie Hamburg, Berlin oder München, deren Wohnungsmarkt ohnehin schon hart umkämpft ist. Vereinzelte Studenten finden zudem günstige Unterkünfte mit sozialem Konzept. So bieten immer mehr Senioren ein Zimmer in ihrer Wohnung an, wenn sie im Gegenzug eine Unterstützung im Alltag bekommen.
Einen starken Kontrast zu diesen eher temporären Lösungen bilden private Wohnheime, die aktuell mit regelrechten Luxus-Konzepten entstehen. Beispiele hierfür sind die Basecamps vom Studio Aisslinger in Potsdam, Lodz und Sølvgade oder der Anbieter The Fizz mit neun Standorten in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Ihre Beschreibungen klingen mehr nach einer Hotelreklame als nach einem Wohnheim. Sie werben mit Designermöbeln und einer Infrastruktur, die nicht selten ein Fitnessstudio, ein Kino oder sogar ein eigenes Clubhaus, wie bei ‚The Fizz‘ in Kreuzberg, beinhaltet. Diese Allround-Versorgung hat ihren Preis: die Miete für ein Zimmer fängt erst bei 500 Euro an.
Die Bandbreite der studentischen Unterkünfte kennt keine Grenzen. Dennoch klafft die Lücke zwischen bezahlbaren Zimmern und Luxuswohnheimen weiter auseinander. Die günstigen Alternativen verringern oft die Qualität des studentischen Lebens, die sich gerade durch die vielen Freiheiten und die unabhängige Lebensgestaltung auszeichnet. Die Forderung nach einer langfristigen Lösung stellt sich zu jedem Semesterbeginn neu und es bleibt zu hoffen, dass sie bald gefunden wird.

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