Olympisches Dorf und Mediendorf der Winterspiele 2018 in München

Türme im Park

Text: Parker, Dorothea, München

1. Preis
Städtebau und Landschaftsarchitektur: Léon Wohlhage Wernik, Berlin, ST raum a., Berlin

1. Preis
Städtebau und Landschaftsarchitektur: Léon Wohlhage Wernik, Berlin, ST raum a., Berlin


Olympisches Dorf und Mediendorf der Winterspiele 2018 in München

Türme im Park

Text: Parker, Dorothea, München

Am 11. Januar hat München seine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 eingereicht. Am 6. Juli wird das IOC die Entscheidung verkünden. Die Stadt erhofft sich vom Zuschlag einigen Zugewinn: neuen Medienglanz als Olympiastadt, staatliche Zuschüsse und Sponsorengelder für die Sportstätten – und auch modellhaften Wohnungsbau. Dafür wurde Ende 2010 ein Wettbewerb entschieden.
Seit der FC Bayern in die Allianz-Arena ausgewandert ist, weil sich die Ansprüche an ein fernsehtaugliches Stadion nicht mit dem denkmalgeschützten Olympiastadion vereinen ließen, bemüht sich die städtische Olympiaparkgesellschaft um zugkräftige Events, allein schon, um das im Kern 40 Jahre alte Ensemble Olympiapark erhalten zu können. München soll, auch vom IOC, als Wintersport-Mekka wahrgenommen werden. Man ahnt, dass die Stadt dafür die denkmalpflegerischen Bandagen weiter lockern könnte. So wurde der Olympiaberg Anfang des Jahres für ein Worldcup-Turnier zur eisigen Slalombahn modelliert und der Olympiasee trockengelegt, um für 25.000 Zuschauer Platz zu schaffen. In Garmisch hingegen, wo 2018 Teile der Wettkämpfe stattfinden sollen, hat sich gegen die Olympiaplanungen, für die Obstgärten planiert und Weideland enteignet werden müssten, entschiedener Widerstand gebildet.
Unabhängig davon, ob sich das IOC für München entscheiden wird, haben Stadt und Bund einen Planungswettbewerb für das Olympische Dorf und das Mediendorf entschieden. Die beiden Dörfer sollen in drei Zeiträumen verschieden genutzt werden: während der Olympischen Spiele mit 5000 Betten, anschließend für die Paralympischen Spiele und danach als Wohnquartiere mit allerhöchstem Energiestandard, 30 Prozent gefördertem Wohnungsbau und generationengerechten Wohnungen. Zudem hat das IOC für die Zeit der Olympischen Spiele strenge Regelungen vorgegeben und temporäre Einrichtungen gefordert – eine Olympia-Plaza für Begrüßungszeremonien und die Versorgung der Sportler und eine Art Checkpoint für das während der Spiele streng gesicherte Dorf. Beide Dörfer liegen südlich des bestehenden Olympiaparks: Für das Olympiadorf sollen die Lager der Wehrbereichsverwaltung, die das Areal bisher besetzt haben, verlegt werden. Das Mediendorf soll an der Schwere-Reiter-Straße liegen und die Bebauung um den Rosa-Luxemburg-Platz zum Park hin ergänzen.
18 Vorprüfer sowie 73 Fach- und Sachpreisrichter, Vertreter und Gäste haben 39 Wettbewerbsarbeiten bewertet. Dieses enorme Aufgebot ist zum Teil der Umsetzung der vielfältigen Planungsziele geschuldet, vor allem aber dem Nachweis der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz und sicher auch dem Bedürfnis nach Absicherung. Für Städtebau und Landschaftsarchitektur wurden fünf gestaffelte, für die Teilaufgaben Wohnungsbau mit Freianlagen ­insgesamt elf gleichrangige Preise vergeben. Die städtebaulichen Lösungen bewegen sich zwischen „Einzelbaukörper im fließenden Raum“ und „mäandrierender Großform“. Die Freianlagen der meisten Entwürfe nahmen Bezug auf den Olympiapark, durch schwingende Baukörper, schwingende Traufen und schwingende Geländemodellierungen. Ein Entwerfer schlug Hügelscheiben vor, mit Gras überwachsen und öffentlich begehbar, Wohnbauten mit der Anmutung finnischer Sporthotels. Andere gestalteten das flache Gelände mit Dämmen zur Kunstlandschaft oder warben mit Gemüseanbau auf dem Dach. Der Siegerentwurf legt ein eiszeitliches Bild nah: ein sich zurückziehender Gletscher, der rund geschliffene Körper und ein Wegesystem wie abfließende Gletscherbäche hinterlassen hat.
In der Auslobung waren für die Wohnungsplanung gleichrangige Ergebnisse angelegt; das Preisgericht hat die Beauftragung aller Preisträger empfohlen. Ob dies weise war? Den städtebaulichen Siegerentwurf kennzeichnen Dreiergruppen elliptoider Baukörper, sieben bis 14 Geschosse hoch – ein robustes Konzept, das aber bei der Gestaltung durch verschiedene Büros und Wohnungsbauträger leicht auseinander fallen könnte.

Vollständiges Ergebnis
Léon Wohlhage Wernik, Berlin, mit ST raum a., Berlin
- 1. Preis Städtebau und Landschaftsarchitektur
- Preis Teilaufgabe Wohnungsbau und Freianlagen Olympisches Dorf
- Preis Teilaufgabe Wohnungsbau und Freianlagen Mediendorf
schneider + schumacher, Frankfurt am Main; Riegler Riewe, Graz; Schmid Landschaftsarchitekten, Zürich
- 2. Preis Städtebau und Landschaftsarchitektur
- Preis Teilaufgabe Wohnungsbau und Freianlagen Olympisches Dorf
- Preis Teilaufgabe Wohnungsbau und Freianlagen Mediendorf
bogevischs buero, München; knerer und lang Architekten, Dresden; Burger Landschaftsarchitekten, München
- 3. Preis Städtebau und Landschaftsarchitektur
- Preis Teilaufgabe Wohnungsbau und Freianlagen Olympisches Dorf
- Preis Teilaufgabe Wohnungsbau und Freianlagen Mediendorf
Sakamoto Laboratory, Tokio; Susanne Söldner, Dirk Stender, München; Markus Roos, München
- 4. Preis Städtebau und Landschaftsarchitektur
- Preis Teilaufgabe Wohnungsbau und Freianlagen Olympisches Dorf
- Preis Teilaufgabe Wohnungsbau und Freianlagen Mediendorf
Steidle Architekten, München; Auböck und Kárász, Wien
- 5. Preis Städtebau und Landschaftsarchitektur
- Preis Teilaufgabe Wohnungsbau und Freianlagen Olympisches Dorf
GMP Generalplanungsgesellschaft, Berlin; Bernhard und Sattler Landschaftsarchitekten, Berlin
- Preis Teilaufgabe Wohnungsbau und Freianlagen Mediendorf
Hascher Jehle, Berlin; Hutterreimann, Berlin
- Preis Teilaufgabe Wohnungsbau und Freianlagen Mediendorf
Fakten
Architekten Léon Wohlhage Wernik, Berlin, mit ST raum a., Berlin; schneider + schumacher, Frankfurt am Main; Riegler Riewe, Graz; Schmid Landschaftsarchitekten, Zürich; bogevischs buero, München; knerer und lang Architekten, Dresden; Burger Landschaftsarchitekten, München; Sakamoto Laboratory, Tokio; Susanne Söldner, Dirk Stender, München; Markus Roos, München; Steidle Architekten, München; Auböck und Kárász, Wien; GMP Generalplanungsgesellschaft, Berlin; Bernhard und Sattler Landschaftsarchitekten, Berlin; Hascher Jehle, Berlin; Hutterreimann, Berlin
aus Bauwelt 4.2011
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