Bauwelt

Mehr als ein Architekt

Die diesjährige Biennale-Kuratorin Lesley Lokko hat den nige­rianischen Selfmade-Architekten Demas Nwoko als Empfänger des Goldenen Löwen für das Lebenswerk ausgewählt.

Text: Sijuwade, Amber, Ibadan (Nigeria)

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    Der Glockenturm der Kapelle der Dominikanischen Universität ...
    Foto: Andrew Esiebo

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    Der Glockenturm der Kapelle der Dominikanischen Universität ...

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    ... ist der höchste Punkt auf dem Campus ...
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    ... und wird von einem handgeformten Kreuz gekrönt.
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    ... und wird von einem handgeformten Kreuz gekrönt.

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    Der 88-jährige Universal­gelehrte Demas Nwoko führt sein Büro weiterhin und plant die Eröffnung einer Architekturschule in Lagos.
    Foto: Andrew Esiebo

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    Der 88-jährige Universal­gelehrte Demas Nwoko führt sein Büro weiterhin und plant die Eröffnung einer Architekturschule in Lagos.

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    Nwokos Werke zeichnen sich durch einen eleganten künstlerischen Wechsel ...
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    Nwokos Werke zeichnen sich durch einen eleganten künstlerischen Wechsel ...

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    ... zwischen Außen- und Innenräumen ...
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    ... und die Nutzung des natürlichen Lichts aus.
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    Innenansicht der Kapelle an der Dominikanischen Universität. Der Kapelleneingang bietet einen Übergang zwischen Außen- und Innenraum, ...
    Foto: Andrew Esiebo

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    Innenansicht der Kapelle an der Dominikanischen Universität. Der Kapelleneingang bietet einen Übergang zwischen Außen- und Innenraum, ...

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    ... öffentlichem und privatem Raum, während er die organischen Formen von Nwokos Kunstfertigkeit innerhalb der Geometrie der Struktur zur Geltung bringt.
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    ... öffentlichem und privatem Raum, während er die organischen Formen von Nwokos Kunstfertigkeit innerhalb der Geometrie der Struktur zur Geltung bringt.

    Foto: Andrew Esiebo

Mehr als ein Architekt

Die diesjährige Biennale-Kuratorin Lesley Lokko hat den nige­rianischen Selfmade-Architekten Demas Nwoko als Empfänger des Goldenen Löwen für das Lebenswerk ausgewählt.

Text: Sijuwade, Amber, Ibadan (Nigeria)

Die Nebenstraßen, die zur Dominikanischen Universität in Ibadan (Nigeria) führen, dem berühmtesten öffentlichen Bauwerk des Architekten und Universalgelehrten Demas Nwoko, sind repa­raturbedürftig. Das Pflaster ist verschlissen, so dass die Erde darunter zum Vorschein kommt, zum Ärgernis für Pendler. Zum Vorschein kommt hier jedoch auch derselbe Lehmboden, den Nwoko in den 1970er Jahren für den Bau seines Meisterwerks an eben dieser Straße verwendet hat.
Demas Nwokos Arbeiten zeichnen sich durch eine grundlegende Einfachheit aus, die auf sei­-ner Leidenschaft für einheimische Materialien beruht. Nwoko entwickelte seine Philosophie der „Neuen Kultur“, die alle seine kreativen Aktivitäten prägt, um seine Verwurzelung im indigenen Wissen als Grundlage für seine technische und kreative Entwicklung zu beschreiben.
In Nigeria wird seit Jahrhunderten Lehm als Baumaterial verwendet, ein leicht zugängliches, natürlich kühlendes und auf die örtlichen Umweltbedingungen reagierendes Material – Eigenschaften, die sich Nwoko zu Nutze gemacht und weiterentwickelt hat.
Wenn das Sicherheitspersonal die schwarzen Eisentore zur Dominikanischen Universität öff­-net, entfaltet sich der Campus mit einer Reihe von verspielten und doch eleganten, künstlerisch gestalteten Fassaden. Die Mauern des Gebäudes bestehen aus Steinen aus lokalen Steinbrüchen und den von Nwoko entwickelten maßgefertigten Laterit-Tonziegeln, die zu einem seiner charakteristischen Materialien wurden.
Autodidaktischer Designer
1970 wurde Demas Nwoko von der Internationalen Dominikanischen Kirche beauftragt, ihren Universitätscampus in Ibadan zu entwerfen, nachdem ihre Zentrale seine Pläne für eine, wie er es nannte, „afrikanische Kapelle“ genehmigt hatte. Das 1975 fertiggestellte Projekt umfasst sieben verschiedene Bereiche, darunter ein Studentenwohnheim, Lehrräume, eine Küche und ein Refektorium, Gästeunterkünfte und die Halle der Märtyrer. Dies war das erste Bauprojekt seiner Karriere, das er ausführte.
Im Gegensatz zu den meisten früheren Preisträgern des Goldenen Löwen hat Demas Nwoko keinen formalen Abschluss als Architekt. „Ich bin ein autodidaktischer Designer, was bedeutet, dass ich das, was ich weiß, nicht in der Schule gelernt habe, aber das heißt nicht, dass ich irgendwelche Moderichtungen kopiert habe. Ich habe mich dem intensiven Studium verschrieben und meine Ideen durch wiederholtes Ausprobieren perfektioniert. Ich habe mit drei Jahren angefangen zu lernen und seitdem nie aufgehört“, sagt der heute 88-jährige Nwoko.
Nwoko wurde 1935 als eines von vielen Kindern des Königs des Dorfes Idumuje-Ugboko in der Deltaregion des Nigers geboren. Er erinnert sich, dass er als Kleinkind die ästhetischen Elemente des väterlichen Palastes erkannte und als älterer Junge ausrangierte Baumaterialien sammel­te, um sein eigenes Spielhaus zu bauen. In seiner Kindheit war die Kultur des gemeinschaft­lichen Hausbaus noch weit verbreitet. Wenn ein Mann bereit war, ein Haus für seine Familie zu bauen, versammelten sich die Nachbarn, um die Lehmmauern zu errichten, die dann von den Frauen der Gemeinschaft geglättet und gestaltet wurden.
Ende der 1950er Jahre erhielt Nwoko ein Stipendium für ein Architekturstudium an der Universität, wurde jedoch schnell durch die mangelnde Berücksichtigung der kreativen Entwicklung entmutigt und verlagerte sich auf die bildende Kunst. Nach seinem Abschluss und dem Studium des Theaters in der ganzen Welt kehrte Nwoko nach Nigeria zurück und half bei der Gründung des ersten Fachbereichs für Theater an der Universität von Ibadan. Während seiner Lehrtätigkeit im Bereich Bühnenbild erhielt er den Auftrag, die Dominikanische Uni­versität zu bauen, sein erstes offizielles Bauprojekt.
Nachhaltige Zukunft
Die Dominikanische Universität war und ist, wie das gesamte Werk Nwokos, ein Labor für die Zukunft, womit sie dem Titel der diesjährigen Architektur-Biennale entspricht. Ganz praktisch und wissenschaftlich gesehen, ist der Campus eine von Nwokos frühesten Hypothesen, die sich im Laufe der Zeit bewahrheitet haben.
Durch sein Experimentieren mit lokalen Materialien und sein Beharren auf deren Verwendung hat er die vorherrschende Vorliebe für importierte Baumaterialien entlarvt und gezeigt, dass die­-se schlichtweg unnötig sind. Das ursprüngliche Mobiliar wurde, wie auch der Rest des Campus, fast ein halbes Jahrhundert lang von einer Vielzahl von Studierenden, Patres und Brüdern genutzt und seitdem nicht ersetzt. Die Gebäude haben sich der Notwendigkeit von Reparaturen und Umbauten widersetzt und sind nicht nur ihrer ursprünglichen Gestaltung treu geblieben, sondern haben auch mit zunehmendem Alter an ästhetischer Finesse gewonnen.
Die Universität liegt in einer Region, in der die durchschnittlichen Tagestemperaturen zwischen 33 und 36 Grad Celsius liegen, so dass eine Klimatisierung unabdingbar ist, die jedoch aufgrund des unzuverlässigen Stromnetzes nichtimmer gewährleistet werden kann. Auf dem Campus der Dominikanischen Universität zirkuliert durch passive Belüftung ständig eine angenehme Brise, die durch die natürliche Kühlung der Lehmwände und die offenen Raumaufteilungen, die eine Zirkulation aus allen Richtungen ermöglichen, noch verstärkt wird. Nwokos Bauten haben nur wenige Fenster und setzen auf Öffnungen am unteren Rand der Wände, um kühle Luft anzusaugen. Der Teich, der die vordere Kapelle der Dominikanischen Universität umgibt, sorgt dafür, dass der vorbeiströmende Winddurch das Wasser abgekühlt wird, bevor er in den Innenraum hineinströmt.
Mit der wachsenden Anerkennung, die Demas Nwoko in seiner Heimat für seine Architektur und sein innovatives Design erhielt, führten ihn seine Aufträge zurück in den Osten Nigerias, angefangen mit dem Oba Akenzua Cultural Center in Benin und schließlich in sein Heimatdorf Idumuje-Ugboko. Alle seine nachfolgenden Projekte wurden in Nigeria gebaut.
Heute, da Nwokos Arbeit durch die Verleihung des Goldenen Löwen für sein Lebenswerk weltweit ins Bewusstsein rückt, wird deutlich, dass seine Werke ein monumentales Zeugnis für die Möglichkeit einer großartigen, nachhal­tigen Zukunft sind, die aus der Fülle der bescheidenen Ressourcen geschaffen werden kann, die unter unseren Füßen schlummern. „Man kann nicht einfach abschütteln, wo man geboren wurde, und wenn man seinem Geburtsort treu und natürlich verbunden bleibt, hat alles, was man tut, universelle Gültigkeit.“ Diese Wor­te von Demas Nwoko sind die Grundlage für eine Zukunft, von der die Welt nur profitieren kann.
Aus dem Englischen von Beate Staib
Amber Sijuwade
ist eine selbstständige Autorin und Kuratorin mit Sitz in Ibadan, Nigeria. In ihrer Arbeit erforscht sie die Geschichte der künstlerischen und intellektuellen Bewegungen in Ibadan und bietet Plattformen für die Auseinandersetzung mit Nigerias aufstrebenden zeitgenössischen Künstlern an.
Fakten
Architekten Nwoko, Demas, Lagos
aus Bauwelt 11.2023
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