Bauwelt

Bürgerhaus in Harnekop


Atelier Fanelsa hat ein Bürgerhaus nach bioregionalem Ansatz entworfen: ein Gefüge aus Landschaft, Bautradition, Handwerk, lokaler Wirtschaft und Dorfgemeinschaft. Ein Ausflug nach Prötzel in Brandenburg.


Text: Bruun Yde, Marie, Berlin


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    Das Bürgerhaus befindet sich am Dorfanger zwischen Kirche und Landschaft. Fassade, Tür und Fensterrahmen sind farblich auf das Ortsbild abgestimmt.
    Foto: Simon Menges & Nino Tugushi

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    Das Bürgerhaus befindet sich am Dorfanger zwischen Kirche und Landschaft. Fassade, Tür und Fensterrahmen sind farblich auf das Ortsbild abgestimmt.

    Foto: Simon Menges & Nino Tugushi

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    Die Holzständerkonstruktion mit sichtbaren Dachbalken, durchlaufenden Sparren und weit auskragenden Dachüberständen folgt der konstruktiven Logik.
    Foto: Simon Menges & Nino Tugushi

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    Die Holzständerkonstruktion mit sichtbaren Dachbalken, durchlaufenden Sparren und weit auskragenden Dachüberständen folgt der konstruktiven Logik.

    Foto: Simon Menges & Nino Tugushi

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    Eine unbehandelte Betonaufkantung der Bodenplatte übernimmt den konstruktiven Holzschutz und macht zusätzliche Abdichtungen oder Dämmungen im Erdreich überflüssig.
    Foto: Simon Menges & Nino Tugushi

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    Eine unbehandelte Betonaufkantung der Bodenplatte übernimmt den konstruktiven Holzschutz und macht zusätzliche Abdichtungen oder Dämmungen im Erdreich überflüssig.

    Foto: Simon Menges & Nino Tugushi

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    Das Foyer verbindet alle Räume, ist über drei Eingänge zugänglich und dient zugleich als Optionsraum.
    Foto: Simon Menges & Nino Tugushi

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    Das Foyer verbindet alle Räume, ist über drei Eingänge zugänglich und dient zugleich als Optionsraum.

    Foto: Simon Menges & Nino Tugushi

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    Flexibel nutzbare Räume bieten Platz für Dienstleistungen sowie Bildungs- und Bewegungsangebote.
    Foto: Simon Menges & Nino Tugushi

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    Flexibel nutzbare Räume bieten Platz für Dienstleistungen sowie Bildungs- und Bewegungsangebote.

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    Der Saal lässt sich teilen und direkt mit der Küche verbinden.
    Foto: Simon Menges & Nino Tugushi

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    Der Saal lässt sich teilen und direkt mit der Küche verbinden.

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    Große Fenster öffnen ihn zum Dorfanger.
    Foto: Simon Menges & Nino Tugushi

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    Große Fenster öffnen ihn zum Dorfanger.

    Foto: Simon Menges & Nino Tugushi

Die Sonne scheint über dem Märkisch-Oderland im östlichen Brandenburg, einer Landschaft aus Wäldern, Feldern und Dörfern. In der Mitte vom Ortsteil Harnekop bei Prötzel steht das neue Gemeinschaftshaus, geplant von Atelier Fanelsa. Form und Farbigkeit nehmen die Nachbarhäuser auf, nur heller und offener, freundlich und nahbar. Der Ort war schon zuvor ein Treffpunkt im Dorf, das neue Gebäude ersetzt eine frühere DDR-Baracke. Der eingeschossige Holzbau mit rund 400 Quadratmetern steht der Dorfgemeinschaft und den umliegenden Dörfern für Feste und kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung. Im Inneren öffnet sich das Foyer als großzügiger Raum mit hoher Decke und Dachfenster. Zur einen Seite liegen ein Saal für bis zu 100 Personen und eine Küche, zur anderen kleinere, intimere Räume für Gruppen.
Der Bau ist in einfacher Holzbauweise konzipiert, damit er von lokalen Handwerksbetrieben umgesetzt werden konnte, erzählt Niklas Fanelsa, Inhaber von Atelier Fanelsa und Professor an der Technischen Universität München. Der Anschluss an vorhandene Kompetenzen wird durch die Materialwahl unterstützt, etwa durch Holz aus dem lokalen Sägewerk und eine im Spreewald produzierte Fassadenfarbe. Der Verzicht auf stark industrialisierte Produkte ermöglicht es, die Wertschöpfung weitgehend in der Region zu halten.

Minimum Maximum

„Bioregionales Bauen“ nennt Niklas Fanelsa diesen Ansatz, Architektur aus den konkreten Bedingungen einer Region heraus zu entwickeln. Ausgangspunkt sind die vor Ort vorhandenen Ressourcen, also Materialien, handwerkliche Fähigkeiten, landschaftliche Gegebenheiten sowie soziale und wirtschaftliche Strukturen. Ziel ist es, Gebäude so zu konzipieren, dass sie mit lokalen Mitteln realisierbar sind und an bestehende Kontexte anschließen. Entscheidend ist dabei die Verknüpfung von Herstellung, Nutzung und Ort.
An seinem Lehrstuhl für Architektur und Design forscht Fanelsa zu biobasierten Baustoffen sowie regionalen und zirkulären Wertschöpfungsketten. In dem Rahmen hat er einen Leitfaden vom „degenerativen“ zum regenerativen Design formuliert. Am Anfang der Grafik steht der Mindeststandard des konventionellen Bauens. Darauf folgt das grüne Bauen, das sich an Effizienz orientiert, und die klimaneutrale, plus-minus-null-artige Nachhaltigkeit. Daran schließt die Restaurierung an, die auf die Wiederherstellung zielt, und über allem steht das regenerative Bauen, bei dem Menschliches und Natürliches zusammen einen Mehrwert entwickeln.
Zurück zu Harnekop: Bioregionalität fungiert hier für Fanelsa als konkrete Methode, um übergeordnete Ziele wie regeneratives Bauen umzusetzen. Das Gemeinschaftshaus ist der Versuch unter realen Bedingungen eines kleinen öffentlichen Bauprojekts in Brandenburg entsprechend den Prinzipien des bioregionalen Bauens zu gestalten.

Unüblich

Wie praktikabel ist bioregionales Bauen? Für ungewohnte Lösungen oder regenerative Alternativen fehlen mitunter die Handwerker, sagt Fanelsa. Auch bei nicht standardisierten, biobasierten Baustoffen stößt man schnell an Grenzen. Die Vergabepraxis verlangt Produktneutralität und Vergleichbarkeit, wodurch spezifische, lokal gebundene Lösungen schwer durchsetzbar werden. Materialien müssen zertifiziert und marktverfügbar sein. Experimentelle oder wenig verbreitete biobasierte Baustoffe beispielsweise aus Moorpflanzen wie Seggen, Rohrkolben oder Rohrglanzgras können Kohlendioxid binden und langfristig in Gebäuden speichern, scheiden jedoch oft aus, obwohl sie technisch sinnvoll wären. Hinzu kommt die ökonomische Logik: Günstige, standardisierte Lösungen dominieren, während einfache, aber unübliche Alternativen – etwa unbehandelte Holzoberflächen – besonders begründet werden müssen.
Entscheidend ist zudem die Ausführung. Selbst wenn alle bereit sind, neue Wege zu gehen, fehlen häufig die Betriebe, die diese umsetzen. Die Grenzen liegen damit weniger im Entwurf als in der Kette aus Normen, Ausschreibung und Praxis, die Innovation nur innerhalb eines engen Rahmens zulässt. Trotz dieser Herausforderungen ist in Harnekop ein ermutigendes Ergebnis entstanden. Das Gemeinschaftshaus steht für eine Baukultur, die auf Erprobung setzt, statt dem Standard zu folgen.



Fakten
Architekten Atelier Fanelsa, Berlin und Gerswalde
Adresse Am Anger 13, 15345 Prötzel


aus Bauwelt 11.2026
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