Bauwelt

Honolulu Architecture Guide

Buildings in Hawai’s Capital

Text: Meyer, Ulf, Berlin

Honolulu Architecture Guide

Buildings in Hawai’s Capital

Text: Meyer, Ulf, Berlin

Als Hawaii 1959 der 50. Bundesstaat der USA wurde, folgte ein Bau- und Tourismus-Boom, der den Mid-Century-Modernism in Honolulu, der Hauptstadt der Inselkette, etablierte. Bessere Architekten nutzten das warme Klima und die Passatwinde auf Oahu, um bei ihren Gebäuden auf Klimatisierung zu verzichten. Eine „tropische Moderne“ höchster Qualität prägte eine Zeitlang die Boom-City. Seitdem ging es mit der er Architektur jedoch rapide bergab – das zumindest attestieren die Autoren des neuen Architekturführers von DOM Publishers über Honolulu. Das Buch „lädt ein vom Sofa aus reisen und zum Träumen von Hawaii“, so der markige Werbespruch des Verlags. So traumhaft ist die gebaute Umwelt in der größten Stadt der Inseln allerdings nicht. Hawaii mag landschaftlich schön sein, Honolulu ist es nicht: Welkende 60er-Jahre Ketten-Hotels reihen sich aneinander und blockieren die Strände. Die „Berge von Condos“, die in den letzten Jahren gebaut wurden, bezeichnen die Autoren pointiert als „life-less and love-less“.
Dass es „kein Bier auf Hawaii gibt“, wie Paul Kuhn einst sang, ist lange widerlegt, ob es aber vereinzelt gute zeitgenössische Architektur auf Oahu gibt, dieser Frage geht der Haupt-Autor nach: Mit Martin Despang, einem Architekten aus Hannover, der in Honolulu Architektur an der Universität von Hawaii unterrichtet, hat der Verlag einen geeigneten Autoren gefunden: Despang ist nicht nur gut informiert über die tropische Moderne, er sieht auch das Baugeschehen auf Hawaii von außen und stellt sich deshalb dieselben Fragen, die sich westliche Besucher stellen.
Die Architekturgeschichte der Hauptstadt wird anhand von fast 150 Gebäuden präsentiert - von klobigen Missionars-Kirchen aus dem 19. Jahrhundert bis zum eleganten Pearl-Harbour-Denkmal von Alfred Preis, der meistbesuchten Sehenswürdigkeit auf Oahu. Zusammengestellt hat Despang seinen Reisebegleiter zusammen mit drei weiteren Experten. Einig sind sie sich in ihrem Urteil, dass die Architektur zu Wünschen übrig lässt. Die meisten Gebäude werden weder „von noch für Hawaiianer gebaut“ stellen die Autoren nüchtern fest. Ausblick ist oft wichtiger als Anblick. Auch die Qualität des Buches ist ungewöhnlich: Überall sieht man Autos durch die Fotos (teils Schnappschüsse) fahren und unbekannte Menchen auf Balkons und in Wohnzimmern stehen. Die vereinzelten Grundrisse sind nur grob vereinfachte Handzeichnungen. Es werden sogar Entwürfe von beteiligten Autoren vorgestellt, eigentlich ein Tabu beim Verfassen von Architekturführern. Auch der Verleger ist auf zehn Fotos zu sehen, auf einer Honolulu-Reise. Was bei jedem anderen Architekturführer zu Recht als unprofessionell kritisiert würde, geht beim Honolulu-Guide jedoch als „Hawaii-casual“ durch: Der Band ist „easy breezy“, dieser Ausdruck wird immer wieder im Buch verwendet. Leider aber liegt das Buch nur auf Englisch vor liegt. Despang, durchaus „chatty“ und bedacht auf direkte Ansprache seiner Leser („your author“…) ist nicht schüchtern, den Lesern mitzuteilen, in welchen Gebäuden er gewohnt hat und an welchen anderen er täglich vorbeijoggt. Das blaue Mercedes-Cabrio des Autors taucht immer wieder in Bildern auf, gemischt mit Vintage Photos. Einige Gebäude sind stattdessen leider gar nicht mit einer Ansicht im Buch vertreten. Das Konzept des „lanai“ (einer horizontalen Veranda), eines schattigen Außenraumes, ist bei der Mehrheit der 400 vollklimatisierten Hochhäuser in Honolulu in Vergessenheit geraten. Amerika präsentiert sich auch auf Hawaii als das „drill, baby, drill“-Land. Ritterschlag für ein Gebäude ist es aus Sicht der Autoren, wenn es in der Fernsehserie „Hawaii Five-O“ auftauchte. Der Verlag hat mit Honolulu eine Destination aufschlüsseln lassen, die zweifellos interessant ist, die aber deutschsprachige Reisende kaum wegen ihrer Baukunst anziehen wird.

0 Kommentare


loading
x
loading

14.2026

Das aktuelle Heft

Bauwelt Newsletter

Das Wichtigste der Woche. Dazu: aktuelle Jobangebote, Auslobungen und Termine. Immer freitags – kostenlos und jederzeit wieder kündbar.