Container Atlas

Handbuch der Container Architektur

Text: Klauser, Wilhelm, Berlin


Container Atlas

Handbuch der Container Architektur

Text: Klauser, Wilhelm, Berlin

Container erleben einen Boom. Ich bin mir nicht sicher, warum. So richtig will der ruppige Hafencharme nicht überspringen.
Sie sind halt nur Kisten, und wenn sie zusammengestellt werden, dann Ergibt das nicht zwingend ein Haus, sondern es braucht erhebliche Mühe und Gelder, um die baukonstruk­tiven und bauphysikalischen Zwangspunkte zu nivellieren. Größere Eingriffe in die Einheit sind mit Aufwand verbunden, Fenster stellen das statische System in Frage, oder die immer gleiche Dimension stellt den Nutzer vor unnötige Herausforderungen. Bleibt, gewissermaßen als letzte Instanz, um die Faszination zu erklären, die Container auf Architekten ausüben, der schnelle Auf- und Abbau der vorgefertigten Einheiten und ihre Transportfähigkeit. Für den, der auf Geschwindigkeit baut und den Wechsel akzeptiert, ist das vielleicht richtig. Das Ding mit der Flexibilität wurde allerdings auch schon oft diskutiert, und eine gewisse Skepsis ist gegenüber demontablen Bauten angebracht: Sie halten nur selten, was sie versprechen.
Aber Halt! So komme ich nicht weiter. Es wäre unfair, diesem schön gemachten Buch vorzuwerfen, dass der Container zum Bauen nicht taugt? Modulares Bauen ist ja auch nicht neu. Die industrielle Fertigungslogik arbeitet sich seit Jahrzehnten daran ab. Der Umgang mit der Norm wird zur kreativen Herausforderung, und das Handbuch zeigt, was mit der Box möglich ist. In einem ausführlichen Technikteil werden die konstruktiven Rahmenbedingungen geschildert und die unterschiedlichen Containertypen, die auf dem Markt sind. Der anschließende Bildteil regt zum Träumen an: groß, bunt, lesbar. Die Herausgeber weisen anhand vieler Beispiele nach, dass man mit Containern bauen kann, und die Resultate der Bemühungen sind durchaus sehenswert. Lot-Ek, Shigeru Ban oder auch einer der Herausgeber, Han Slawik, arbeiten seit Jahren mit dem Modul. Wohnhäuser,  Einkaufszentren, Ausstellungsbauten ...es gibt alles und es gibt es überall. Die Beispiele stehen in den USA, in Korea, in Europa oder in der Arktis. Es gibt einen universellen Raum aus Containern. Instant City, reloaded 2010: Mit dem Container gibt es eine Sprache, die grenzüberschreitend verstanden wird. Die letzten Statistiken verweisen darauf, dass weltweit über 27 Millionen von diesen Kisten im Einsatz sind und dass die Containerleasingfirmen nach der letzten Krise schon wieder eine Auslastung von 95 Prozent erreichen.
Geht es deshalb damit in die Zukunft? Die bunten Trapezbleche, die einfache Geometrie und die lustigen Bauaufgaben deuten es jedenfalls an.  Aber man sollte sich nicht täuschen lassen: Ich vermute, dass es nicht im Container, sondern mit dem Container in die Zukunft geht. In den vergangenen 40 Jahren – so lange ungefähr ist es her, dass der Container seinen erdumspannenden Siegeszug angetreten hat – haben sich die Räume, die durch den Container erschlossen wurden, in vollkommen anderen Zusammenhängen arrangiert. Das, was in dieser Zeit passiert ist, hat unser Umfeld so sehr überformt, dass es nicht wiederzuerkennen ist, denn durch den Container wurde die Globalisierung ermöglicht. Er war ihr Werkzeug, und es ist eine Überlegung wert, was passiert ist und wie es weitergeht. Das zeigt das Handbuch nicht. Dem Atlas fehlen ein paar Seiten.
Fakten
Autor / Herausgeber Slawik, Bergmann, Buchmeier und Tinney
Verlag Gestalten Verlag, Berlin 2010
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aus Bauwelt 4.2011
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