Digitale Stadt

Was müssen Architekten und Planer tun, damit der digitale Wandel unsere Städte nicht nur verändert, sondern sie verbessert? Darüber diskutierten 18 Referenten mit rund 600 Besuchern auf dem Bauwelt-Kongress in der Berliner Akademie der Künste

Text: Friedrich, Jan, Berlin

    Assaf Biderman „Die Tatsache, dass physische Dinge digital geworden sind, hat ganz entscheidende Auswirkungen auf die Architektur und auf die Arbeit von Architekten.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Assaf Biderman „Die Tatsache, dass physische Dinge digital geworden sind, hat ganz entscheidende Auswirkungen auf die Architektur und auf die Arbeit von Architekten.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Jörg Stollmann „Die heute gängigen Vorstellungen von Sicherheit, von Kon­trol­lierbarkeit der Stadt lassen sich gut an Smart-City-Narrative anbinden.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Jörg Stollmann „Die heute gängigen Vorstellungen von Sicherheit, von Kon­trol­lierbarkeit der Stadt lassen sich gut an Smart-City-Narrative anbinden.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Vanessa Miriam Carlow „Wir nutzen digitale Daten, um uns mit den vielen anderen Disziplinen, die für die Stadtentwicklung relevant sind, zu vernetzen.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Vanessa Miriam Carlow „Wir nutzen digitale Daten, um uns mit den vielen anderen Disziplinen, die für die Stadtentwicklung relevant sind, zu vernetzen.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Armen Avanessian „Die Digitalisierung ist eine Disruption wie die Erfindung der Schrift – ein Medium, das die Bedeutung politischer Entitäten, architektonischer Begriffe und der Stadt transformiert.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Armen Avanessian „Die Digitalisierung ist eine Disruption wie die Erfindung der Schrift – ein Medium, das die Bedeutung politischer Entitäten, architektonischer Begriffe und der Stadt transformiert.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Kjetil Thorsen „Je häufiger man sich in die virtuelle Welt begibt, desto wichtiger wird die Wahrnehmung der physischen Umgebung, in der man sich dabei befindet.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Kjetil Thorsen „Je häufiger man sich in die virtuelle Welt begibt, desto wichtiger wird die Wahrnehmung der physischen Umgebung, in der man sich dabei befindet.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Jonathan Gales „Die Ideen von Stadt, die Science-Fiction-Filme vermitteln, haben die reale Entwicklung
    unserer Städte beeinflusst und werden sie auch in Zukunft beeinflussen.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Jonathan Gales „Die Ideen von Stadt, die Science-Fiction-Filme vermitteln, haben die reale Entwicklung
    unserer Städte beeinflusst und werden sie auch in Zukunft beeinflussen.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Ingo Kanehl ­„Digitale Daten geben uns eine Grundlage für Planungsentscheidungen, die nicht nur heutige Bedürfnisse abbilden, sondern offen sind für künftige Entwicklungen.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Ingo Kanehl ­„Digitale Daten geben uns eine Grundlage für Planungsentscheidungen, die nicht nur heutige Bedürfnisse abbilden, sondern offen sind für künftige Entwicklungen.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Marta Doehler-Behzadi „Der ländliche Raum muss besonders intensiv digital erschlossen werden, um seine Standortnachteile gegenüber der Stadt auszugleichen.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Marta Doehler-Behzadi „Der ländliche Raum muss besonders intensiv digital erschlossen werden, um seine Standortnachteile gegenüber der Stadt auszugleichen.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Francesca Bria „Wenn wir über die Smart City nachdenken, sollten wir nicht mit der Technologie beginnen, sondern mit der Frage: Wozu brauchen wir die Smart City?“
    Foto: Jasmin Schuller

    Francesca Bria „Wenn wir über die Smart City nachdenken, sollten wir nicht mit der Technologie beginnen, sondern mit der Frage: Wozu brauchen wir die Smart City?“

    Foto: Jasmin Schuller

    Dorte Mandrup „Wir Architekten sollten die Stadt nicht immer bequemer machen, sondern Programme für Orte entwickeln, an denen die Menschen sich leibhaftig begegnen.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Dorte Mandrup „Wir Architekten sollten die Stadt nicht immer bequemer machen, sondern Programme für Orte entwickeln, an denen die Menschen sich leibhaftig begegnen.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Peter Mösle „Der Architekt ist gut dafür ausgebildet, ein großes Team an Fachleuten zu dirigieren, das ist problemlos um Digitalisierungsexperten erweiterbar.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Peter Mösle „Der Architekt ist gut dafür ausgebildet, ein großes Team an Fachleuten zu dirigieren, das ist problemlos um Digitalisierungsexperten erweiterbar.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Alain Thierstein „Die wirkliche Nagelprobe für digitale Technologien ist die Anbindung an den Bestand. Das sind die Reallabore, in denen sich zeigen wird, was die Menschen akzeptieren.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Alain Thierstein „Die wirkliche Nagelprobe für digitale Technologien ist die Anbindung an den Bestand. Das sind die Reallabore, in denen sich zeigen wird, was die Menschen akzeptieren.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Sven Schmittbüttner „Alte Menschen können sich im Smart Home sicherer fühlen: Registrieren Sensoren längere Inaktivität in der Wohnung, wird der Pflegedienst benachrichtigt.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Sven Schmittbüttner „Alte Menschen können sich im Smart Home sicherer fühlen: Registrieren Sensoren längere Inaktivität in der Wohnung, wird der Pflegedienst benachrichtigt.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Jan Musikowski „Die Digitali­sierung wird die zukünftige Denkmalpflege vor neue Herausforderungen stellen: Versteht in 50 Jahren noch jemand die digitale Sprache unserer heutigen Gebäude?“
    Foto: Jasmin Schuller

    Jan Musikowski „Die Digitali­sierung wird die zukünftige Denkmalpflege vor neue Herausforderungen stellen: Versteht in 50 Jahren noch jemand die digitale Sprache unserer heutigen Gebäude?“

    Foto: Jasmin Schuller

    Werner Sobek „Wir spüren, wie sich unser zukünftiges Leben dramatisch verändern wird, aber wir stellen die
    Frage nach dem ‚Wie weiter?‘, nicht hinreichend konsequent.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Werner Sobek „Wir spüren, wie sich unser zukünftiges Leben dramatisch verändern wird, aber wir stellen die
    Frage nach dem ‚Wie weiter?‘, nicht hinreichend konsequent.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Evgeny Morozov „Allmählich beginnen die Menschen zu begreifen, wie stark ihr tägliches Leben tatsächlich von Konzernen wie Amazon, Google oder Cisco beeinflusst wird.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Evgeny Morozov „Allmählich beginnen die Menschen zu begreifen, wie stark ihr tägliches Leben tatsächlich von Konzernen wie Amazon, Google oder Cisco beeinflusst wird.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Benedetta Tagliabue „Als ich vor 25 Jahren das erste Mal in Tokio war, konnte ich mich nicht allein durch die Stadt bewegen. Heute geht das ganz einfach – dank Google Maps.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Benedetta Tagliabue „Als ich vor 25 Jahren das erste Mal in Tokio war, konnte ich mich nicht allein durch die Stadt bewegen. Heute geht das ganz einfach – dank Google Maps.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Wolf D. Prix „Das alte System beginnt zu sterben, das neue ist noch nicht ge­boren. Wir haben ein breites Feld vor uns, auf dem wir Dinge ausprobieren können, in einem offe­nen Feedback-System.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Wolf D. Prix „Das alte System beginnt zu sterben, das neue ist noch nicht ge­boren. Wir haben ein breites Feld vor uns, auf dem wir Dinge ausprobieren können, in einem offe­nen Feedback-System.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Boris Schade-Bünsow „In Deutschland geht die Diskussion stark von den Bewohnern aus. So könnte die Digitale Stadt ein Modell sein, wie wir zukünftig gemeinsam Stadt gestalten wollen.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Boris Schade-Bünsow „In Deutschland geht die Diskussion stark von den Bewohnern aus. So könnte die Digitale Stadt ein Modell sein, wie wir zukünftig gemeinsam Stadt gestalten wollen.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Kaye Geipel „Jede Stadt entwickelt zurzeit ihre eigenen digitalen Lösungen. Was fehlt, ist eine Strukturdebatte, ein allgemeines Verständnis davon, wie wir mit der Herausforderung umgehen.“
    Foto: Jasmin Schuller

    Kaye Geipel „Jede Stadt entwickelt zurzeit ihre eigenen digitalen Lösungen. Was fehlt, ist eine Strukturdebatte, ein allgemeines Verständnis davon, wie wir mit der Herausforderung umgehen.“

    Foto: Jasmin Schuller

    Schauplatz des Bauwelt-Kongresses 2018 war die Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg von Werner Düttmann, 1958–1960.Dank an unsere Premium-Partner Bau 2019 München, Daikin, Graphisoft, Jung, Schindler und Wöhr, unsere Partner bpd, Colt und Ecophon sowie unsere Förderer Brillux, Grohe und Miele, die diesen Kongress ermöglicht haben. Foto: Jasmin Schuller

    Schauplatz des Bauwelt-Kongresses 2018 war die Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg von Werner Düttmann, 1958–1960.Dank an unsere Premium-Partner Bau 2019 München, Daikin, Graphisoft, Jung, Schindler und Wöhr, unsere Partner bpd, Colt und Ecophon sowie unsere Förderer Brillux, Grohe und Miele, die diesen Kongress ermöglicht haben.

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

    Foto: Jasmin Schuller

Digitale Stadt

Was müssen Architekten und Planer tun, damit der digitale Wandel unsere Städte nicht nur verändert, sondern sie verbessert? Darüber diskutierten 18 Referenten mit rund 600 Besuchern auf dem Bauwelt-Kongress in der Berliner Akademie der Künste

Text: Friedrich, Jan, Berlin

„Wer von Ihnen war schon einmal in einer Smart City?“ Niemand meldete sich auf Jörg Stollmanns Frage. Ja, ihm selbst sei es auch noch nicht gelungen, eine Smart City zu besuchen, fuhr Stollmann fort. Obwohl er mit seinem Lehrstuhl an der TU Berlin ein Smart-City-Forschungsprojekt betreue und schon mehrere Male in eine der bekanntesten „Smart Cities“ gereist sei, nach Songdo in Süd-Korea. Die Fotos aus Songdo, die er präsentierte, legten nahe, dass vieles, das dort smart sein soll, nicht funktioniert. Dass das Etikett Smart City vor allem Marketinginstrument der Stadtentwicklung ist und ein Bedürfnis der Bewohner nach Sicherheit und Komfort adressiert: ein Aufstiegsversprechen. Überhaupt, wie bezeichnet man die umfassend digital vernetzte Stadt denn nun? Als Digitale Stadt? Als Smart City? Als Ubiquitous City? Mal scheint der eine Begriff gebräuchlicher zu sein, mal der andere. Die Begriffe sind unscharf, weil das Phänomen selbst unscharf ist. Der Bauwelt-Kongress „Digitale Stadt“ versuchte, den Blick auf das Phänomen zu schärfen: Welchen Einfluss haben Architektur und Städtebau auf die Digitale Stadt? Und umgekehrt: Wie beeinflusst die Digitalisierung Architektur und Städtebau?
Assaf Biderman arbeitet mit seinem Senseable City Lab am MIT in Boston daran, mithilfe von Big Data einem der größten Probleme unserer Städte zu Leibe zu rücken: dem Verkehr. Fünfzig Prozent aller Taxis in New York führen leer durch die Gegend, so Biderman. Die Bostoner Forscher wollen die Bewegungsdaten der New Yorker dazu nutzen, die Fahrten sinnvoll zu kombinieren. 50 Prozent weniger Taxis auf den Straßen würden einen spürbaren Unterschied machen. Auch an der TU Braunschweig werden Verkehrsströme untersucht, wird mithilfe digitaler Werkzeuge Raumwahrnehmung kartiert. „Stadt der Zukunft“ heißt das Forschungsprojekt, an dem neben dem von Vanessa Miriam Carlow geleiteten Institut für nachhaltigen Urbanismus fünf weitere Lehrstühle beteiligt sind. Carlow sieht in digitalem Datenmaterial vor allem ein Instrument, um mit anderen Disziplinen, auch solchen aus den exakten Wissenschaften, präzise kommunizieren zu können: die Voraussetzung für die transdisziplinäre Zusammenarbeit im Städtebau. Wichtig dabei sei, so Carlow, dass die Datenhoheit bei der Öffentlichkeit bleibe.
Die Daten-Sammelwut privater Konzerne wie Amazon, Apple, Microsoft, Cisco und Co ist der Auslöser der größten Ängste im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Die sind durchaus berechtigt, wenn man Evgeny Morozov, Publizist und Autor von „Smarte neue Welt: Digitale Technik und die Freiheit des Menschen“, und seiner Analyse der Geschäftspraktiken etwa von Uber zuhört. Die Infrastruktur der Überwachung, die durch Big Data geschaffen werde, sei eine handfeste Bedrohung unserer Demokratie, ermögliche die digitale Vernetzung doch eine soziale Kontrolle wie in der Stadt des 16. und 17. Jahrhunderts, als jeder noch jeden kannte. Für Francesca Bria, die Digitalisierungsbeauftragte der Stadt Barcelona, ist klar, dass die große Frage des 21. Jahrhunderts lautet: Wer hat die Kontrolle über die Daten? Die Unternehmen? Der Staat? Die Bürger selbst? Und das sei eben keine technische Frage, sondern eine politische. Wenn man über die Smart City diskutiere, müsse man erst einmal die Frage stellen, wozu wir die Smart City, wozu wir all die Daten, die sich sammeln lassen, überhaupt brauchen. Brias Antwort ist eindeutig: Für die Menschen. Um die großen sozialen und ökologischen Probleme zu lösen.
Was Architekten mithilfe digitaler Technologien dringend tun müssen, ist für Werner Sobek ebenso eindeutig: Wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, die Pariser Klimaschutzziele um 6 bis 8 Grad nach oben korrigieren zu müssen, müssten sie emissions- und abfallfreie Gebäude und Stadtquartiere bauen, dabei fossile Energie zu verbrauchen, sei tabu. Wolf D. Prix stellte die Frage, ob der digitale Wandel Architektur, wie wir sie heute kennen, nicht obsolet mache. Wenn alle immer nur noch auf den Bildschirm ihres Smartphones oder ihres Tablets schauten, gehe die Fähigkeit zur Wahrnehmung von realem Raum vermutlich verloren.
Für Kjetil Thorsen hingegen nimmt die Wichtigkeit des physischen Raums sogar noch zu. Denn der physische Raum beeinflusse die Auswahl aus dem immer größer werdenden Angebot an virtuellen Möglichkeiten. Es sei wie mit einem Buch: Das könne man im Auto, im Bett oder in der Badewanne lesen. Aber man lese es anders, je nachdem wo man sich gerade befinde. Oder wähle an einem anderen Ort vielleicht sogar ein anderes – ein besseres? – Buch aus. Dorte Mandrup sieht die Architektur gar in der Pflicht, gegen die zunehmende Vereinsamung in der digitalen Gesellschaft anzubauen. Es gehe vor allem darum, sich Gedanken über Programme zu machen. Etwa, indem man, statt in den Wohnungen einen Waschmaschinenanschluss vorzusehen, im Erdgeschoss des Hauses einen Raum anbiete, in den die Bewohner hinuntergehen müssen, um dort zu waschen und ihre Wäsche aufzuhängen. Man müsse sich in Zukunft immer häufiger entscheiden: Will man noch mehr Bequemlichkeit, oder will man erreichen, dass die Menschen sich weiterhin real begegnen?

0 Kommentare


Ihr Kommentar






loading
loading

13.2019

Das aktuelle Heft

Bauwelt Newsletter

Immer Freitags: das Wichtigste der Woche. Dazu: aktuelle Jobangebote, Auslobungen und Termine.