Urbane Mitte in Berlin


Unweit des Potsdamer Platzes, zwischen Bahnlinien, geht Berlin in die Vertikale


Text: Stumm, Alexander, Berlin


    Der Westpark mit den geplanten 25 bis 90 Meter hohen Bürohochhäusern
    Abbildung: Finest Images/O&O Baukunst

    Der Westpark mit den geplanten 25 bis 90 Meter hohen Bürohochhäusern

    Abbildung: Finest Images/O&O Baukunst

    Abbildung: Finest Images/O&O Baukunst

    Abbildung: Finest Images/O&O Baukunst

    Die Passage zwischen den Sockelgeschossen mit Blick nach Süden. Derzeit wird ein Teil der Bahnbrachen mit gastronomischen Angeboten zwischengenutzt.
    Abbildung: Finest Images/O&O Baukunst

    Die Passage zwischen den Sockelgeschossen mit Blick nach Süden. Derzeit wird ein Teil der Bahnbrachen mit gastronomischen Angeboten zwischengenutzt.

    Abbildung: Finest Images/O&O Baukunst

    Modell: Urbane Mitte Entwicklungs GmbH/O&O

    Modell: Urbane Mitte Entwicklungs GmbH/O&O

Das Berliner Büro O&O Baukunst plant mit der „Urbanen Mitte am Gleisdreieck“ eines der zen­tralen Städtebauprojekte Berlins. Sieben bis zu 90 Meter hohe Türme sollen 2025/26 in direkter Konkurrenz zum benachbarten Potsdamer Platz in den Himmel ragen. Das Projekt ist damit Teil einer – mehr oder weniger durchdachten – dezentralen Vertikalentwicklung der Hauptstadt.
Zwei Hochtrassen der U-Bahn kreuzen das rund 31.000 Quadratmeter große Baugrundstück. Außerdem tritt im Süden eine zuvor unterirdisch verlaufende S-Bahn zutage. Diese sich überlagernden Infrastrukturen bilden den besonderen Charakter des Gleisdreiecks – und seine stadtplanerische Herausforderung. Für die Bebauung lobte die Projektgesellschaft COPRO 2015 einen zweiphasigen Wettbewerb aus, bei dem O&O Baukunst und Cobe Berlin mit einem 1. Preis prämiert wurden. Nach einer Überarbeitung erhielt der Entwurf des Büros O&O den Zuschlag.
Vorangegangen war ein Beteiligungsverfahren mit Bürger- und Fachwerkstätten, dessen Ergebnisse in die Auslobung mit einflossen. Doch das Interesse der Anwohner war damals eher verhalten. Womöglich fehlte ihnen die Identifikation mit dem lange brachliegenden Gebiet, das zwischenzeitig als Lager der Baustelle des Potsdamer Platzes herhalten musste.
Die geplanten Bauten gruppieren sich im Norden um die U-Bahn-Station Gleisdreieck und erstrecken sich im Süden entlang der S-Bahn-Linie. Aufgrund der Lärmbelästigung ist eine fast ausschließlich gewerbliche Nutzung vorgesehen; eine Entlastung für den Wohnungsmarkt kann das Projekt nicht leisten. Orientierte sich die Bauhöhe im Siegerentwurf von 2015 durchgängig an dem Niveau von rund 60 Metern, sollen die südlichen Gebäude auf Wunsch des Stadtplanungsamts mit 25 Meter deutlich niedriger ausfallen. Um die vorgegebene Geschoss­fläche zu erreichen, werden deshalb nach der Überarbeitung zwei der nördlichen Bürotürme 90 Meter erreichen.
Die bisher vorgeschlagenen Fassaden sind in drei Bereiche gegliedert, die gestalterisch von den Hochbahngleisen inspiriert sind. Die Ziegelfassaden der Sockel werden den Arkaden der Bahnstation entlehnt, die markanten Diagonalstreben darüber dagegen dem konstruktiven Brückenbau. Sie leiten über zu den aufstrebenden Türmen. Zweigeschossige offene und begrünte Zonen sollen sich auf der Höhe von 60 Metern befinden. Die Sockel würden mehrere Gebäude verbinden und Terrassen bilden, die Sichtbeziehungen zum Park ermöglichen. Ihr Niveau korrespondiert mit den direkt angrenzenden Hochbahntrassen – die unvermeidliche Geräuschkulisse der an- und abfahrenden Züge werden als Teil der urbanen Erfahrung geradezu willkommen geheißen. Nicht zuletzt würden die ausladenden Sockel für eine starke Verdichtung auf Bodenebene sorgen. Wenige offene Plätze sollen sich mit langgezogenen Freiräumen abwechseln, die von Einzelhandel und Gastronomie flankiert werden.
Als Scharnier zum Potsdamer Platz will das Projekt laut Markus Penell, Leiter des Berliner Büros von O&O Baukunst, nicht fungieren. Vielmehr sollen die geschätzt 20.000 täglichen Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs am Gleisdreieck das Quartier in einen lebendigen Ort verwandeln. Ob dies gelingt, hängt jedoch in erster Linie von der erhofften Funktionsmischung ab, die wegen der fehlenden Wohnnutzung eine Herausforderung darstellt. Geplant ist daher auch ein breites Sport-, Freizeit- und Kulturangebot. Profitieren wird das Areal vom Park am Gleisdreieck. Ausgelegt auf eine heterogene Umgebung, werden seine Wiesen und Spielplätze auch im Schatten der Türme sicherlich ein beliebter Treffpunkt bleiben.



Fakten
Architekten O&O Baukunst, Berlin
Adresse Luckenwalder Str. 6b, 10963 Berlin



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