„Wir wollen aus der Not eine Tugend machen“

Interview mit Satoko Shinohara

Text: Alihodžić, Selma

Satoko Shinohara (links) und Uchimura Ayano
Foto: Taro Hirano

Satoko Shinohara (links) und Uchimura Ayano

Foto: Taro Hirano


„Wir wollen aus der Not eine Tugend machen“

Interview mit Satoko Shinohara

Text: Alihodžić, Selma

Interview mit Satoko Shinohara von Spatial Design Studio über das Share House in Tokio
Frau Shinohara, wie kam es zu dem Projekt WG-Haus?
Die schlechte wirtschaftliche Lage hat auf dem Wohnungsmarkt in Tokio unzumutbare Lebensbedingungen geschaffen. Viele Menschen können sich die Stadt nicht mehr leisten, sie wohnen auf engstem Raum in entlegenen Vororten und pendeln täglich stundenlang zur Arbeit und zurück. Aus dieser Not wollen wir eine Tugend machen: Die WG als bezahlbare Alternative. Zusätzlich wollen wir Wohnen und Arbeiten mit­einander verbinden, in der Hoffnung, mehr Lebensqualität für die Bewohner zu schaffen. Nur mit einem Neubau mit multifunktionalen Flächen, der von Anfang an als Wohngemeinschaft entworfen worden ist, glauben wir, diese Idee realisieren zu können.
Warum fiel die Wahl auf Yaraicho?
Das hatte ganz profane Gründe. Zufällig wurde dieses Grundstück in unmittelbarer Nähe zu unserem Büro frei. Das bot die Chance, das Experiment zu wagen und unmittelbar zu verfolgen, wie es sich entwickelt. Für uns war es essentiell, schnell vor Ort zu sein, falls es Probleme gibt. Schließlich haben wir das Haus nicht nur entworfen, sondern sind gleichzeitig auch Hausverwalter. Es ist schön zu sehen, wie es sich von innen heraus entwickelt.
Wie haben Sie die Mieter für das außergewöhnliche Projekt gefunden?
Durch eine Open-House-Veranstaltung hat sich die Projektidee ziemlich schnell herumgesprochen. So haben wir die meisten Bewohner gefunden. Alle sind im kreativen Bereich tätig, selbstständig und dabei, ein eigenes Studio aufzubauen. Für sie ist das Share House Lebens- und Arbeitsraum. Durch die verwandten beruflichen Hintergründe entsteht im Haus ein interdisziplinärer Dialog, aber auch berufliche Vernetzung kann sich entwickeln. Es gibt kaum noch eine Grenze zwischen Arbeit und Privatleben.
Wie hat die Nachbarschaft reagiert?
Schon beim Bauen begegnete uns viel Neugier. Eine WG passte so gar nicht in das alte, ruhige Yaraicho. Anfangs hatten die Nachbarn Probleme mit der Lautstärke. Sieben Personen unter einem Dach, mit unterschiedlichen Alltagsrhythmen, das war für die Nachbarn gewöhnungsbedürftig. Doch die Lage hat sich entspannt, seitdem wir in den Nachbarschafts-Verein eingetreten sind und die Menschen sich kennengelernt haben. Allen liegt daran, gute Beziehungen zueinander zu pflegen. Das Haus ist jetzt vollständig in die Nachbarschaft integriert.
Das Interview führte Selma Alihodžić
Fakten
Architekten Shinohara, Satoko, Tokio
aus Bauwelt 32.2014

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