Für Modell-Liebhaber

Münchner Arbeiten von Sauerbruch Hutton in der Architekturgalerie München

Text: Paul, Jochen, München

Jan Bitter

Jan Bitter


Für Modell-Liebhaber

Münchner Arbeiten von Sauerbruch Hutton in der Architekturgalerie München

Text: Paul, Jochen, München

Fünf Projekte: In München haben Sauerbruch Hutton inzwischen mehr gebaut als in Berlin, wo das Büro seinen Sitz hat.
Zwischen ihrem kleinsten „Bau“ in der bayerischen Landeshauptstadt, fünf vom Konzeptkünstler Olaf Nicolai 2002 für eine Ausstellung im Botanischen Garten in Auftrag gegebenen Bie­nenhäusern (Bauwelt 31.02), und dem größten, der ADAC-Hauptverwaltung, liegen in mehrfacher Hinsicht Welten – nicht nur in Bezug auf das Bauvolumen, sondern auch was die Qualität der Zusammenarbeit mit dem Bauherrn betrifft. Während Sauer­bruch Hutton dem Automobilclub nach Differenzen, die nicht mehr zu überbrücken waren, im Septem­ber 2009 den Generalplanervertrag kündigten, war die Zusammenarbeit mit Nicolai offenbar erfreulich: Der Künstler stünde, so ist zu hören, einer Nachfertigung der Bienenhäuser positiv gegenüber – solange sie wieder von Bienen bewohnt würden.
 
Die Ausstellung von Sauerbruch Hutton in der Architekturgalerie München heißt „Arbeiten für München“; zu sehen sind ausschließlich Modelle ihrer dortigen Projekte, die eines der wichtigsten Architekturthemen des Büros, polychrome Fassaden, überaus anschaulich machen. „Eröffnet“ wird die Schau vom Museum Brandhorst: Wie es da auf Augenhöhe des Betrachters an der Längswand der steingrau gestrichenen Galerie hängt, entfaltet das Modell im Maßstab 1 : 25 eine fast ebensolche Präsenz wie das 1 : 1-Original, das auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht; auf einen Blick lässt sich an dem Modell erkennen, aus wie viel (zig-)tausend verschiedenfarbig glasierten Keramikstäben die Fassade besteht. Und weil Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton den Begriff Arbeitsmodell wörtlich nehmen, kann jeder der streichholzlangen Stäbe abgenommen werden, um die Wirkung des Fassadenmusters zu überprüfen. Farbe ist für Sauerbruch Hutton Material.

Bei der Villa für einen Münchner Verleger und Kunstsammler in der Königinstraße, „Haus K“, haben die Architekten die ihren Modellen eigene Mischung aus computergefräster Präzision und handwerklicher Anmutung auf die Spitze getrieben: Die Fassade des fünfgeschossigen Hauses besteht aus ca. 55.000 Höckerziegeln, die in fünfzehn unterschiedlichen Farben glasiert sind; die 3 x 3 Millimeter kleinen Quadrate auf dem 1:20-Modell von Hand zu kolorieren, hat einen Mitarbeiter des Büros mehrere Wochen lang beschäftigt.
 
Den Abschluss der Schau bildet ein 1 : 75-Modell der MunichRe. Sauerbruch Hutton haben das Bürogebäude aus den 1980er Jahren in Schwabing-Nord generalsaniert – eine Möglichkeit mit dem Bestand umzugehen, die nicht nur in München normalerweise daran scheitert, dass sich mit Abriss und Neubau eine höhere Dichte erzielen lässt.  
Fakten
Architekten Sauerbruch Hutton
aus Bauwelt 11.2012
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