Frankfurt Beach

Deutschlands höchstes Wohnhochhaus im Europaviertel

Text: Kohler, Philipp, Frankfurt a.M.

1.Preis: Magnus Kaminiarz & Cie
Rendering: Architekten

1.Preis: Magnus Kaminiarz & Cie

Rendering: Architekten


1.Preis: Magnus Kaminiarz & Cie
Zeichnung: Architekten

1.Preis: Magnus Kaminiarz & Cie

Zeichnung: Architekten


Frankfurt Beach

Deutschlands höchstes Wohnhochhaus im Europaviertel

Text: Kohler, Philipp, Frankfurt a.M.

Ob Büro, Hotel oder Wohnen – Wettbewerbe für Hochhäuser liegen im Trend, wie auch der Wunsch nach Superlativen. In Frankfurt am Main soll jetzt das höchste Wohnhochhaus des Landes entstehen.
Das Frankfurter Gallus, das der Offenbacher Rapper Haftbefehl als Synonym für trostlose Orte benutzt, ist kein feiner Stadtteil. Der Ruf ist sicherlich nicht völlig unverdient, auch wenn sich dort in den letzten Jahren einige Kulturinstitutionen angesiedelt haben. Ganz anders das Europaviertel, das derzeit – ausgerechnet in diesem Stadtteil – an der Grenze zur Messe, auf dem aufgelassenen Güterbahnhof entsteht. Die darin zentral verlaufende Europaallee wird auf Renderings als großstädtischer Boulevard präsentiert, an dem sich Apartmenthäuser mit repräsentativer Fassade aufreihen (siehe S. 10). Die Zeit des Understatements scheint nun auch in der deutschen Architektur endgültig vorbei.
Am Güterplatz, an dem die Europaallee entspringt, steht das 2013 eröffnete Einkaufszentrum Skyline Plaza, das den Eindruck erweckt, es sei ein Parkhaus für die Messe und das benachbarte Kongresszentrum. Neben dem Skyline Plaza sollte in exponierter Lage eigentlich ein Hotelturm, entworfen von UN Studio, in die Höhe schießen. Doch 2013 wurde das Vorhaben aufgegeben. Stattdessen veräußerte die Immobiliengesellschaft CA Immo Stück für Stück das Gelände. Nun soll nur noch auf dem nördlichen Areal ein Hotel entstehen. Auf dem südlichen will der Berliner Projektentwickler gsp Städtebau das mit 160 Metern höchste Wohnhochhaus Deutschlands errichten, zehn Meter mehr als der geplante Gehry-Turm am Berliner Alexanderplatz. Für den sogenannten Tower 2 mit 340 Wohnungen und angegliedertem Parkhaus wa­ren sechs Büros zu einem nicht-anonymisierten Wettbewerb geladen, betreut von Niemann+Steege aus Düsseldorf.
Der Bau von luxuriösen Wohnhochhäusern kommt in Deutschland gerade erst in Mode (Bauwelt 20.2014). Nachdem 2001 mit dem Skylight von Richard Rogers das erste der Stadt eröffnet wurde, befinden sich drei weitere in Frankfurt im Bau. Die Wettbewerbsteilnehmer konnten für den Tower 2 daher noch auf keine Bautradition zurückgreifen. Die Berliner nps tchoban voss (2. Preis) setzten auf eine klassische Variante: ein sich nach oben verjüngender Turm mit einer klar gegliederten Fassade aus horizontal gefurchtem Naturstein. Der beige Farbton des Gebäudes harmoniert mit der Aluminium-Fassade des benachbarten Tower 185 (Christoph Mäckler), steht aber in einem Kontrast zum Skyline Plaza und dessen Fassade aus Brise-Soleil-ähnlichen Metallelementen. Die Architekten unterteilen das Haus vertikal in drei Bereiche nach dem Goldenen Schnitt, was jedoch eher disproportioniert wirkt, da der große Sockel und der lange Kopf einen unverhältnismäßig kurzen Schaft in die Mangel nehmen. Das Gebäude spiegelt den aktuellen Trend zur repräsentativen, klassizierenden Fassade, ist dadurch aber gleichzeitig auch anachronistisch: Bezüge zur Hochhausarchitektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts, etwa zum Reliance Building, sind unübersehbar.
Der Siegerentwurf von Magnus Kaminiarz & Cie setzt sich dagegen klar von der an dem Ort vorherrschenden strengen Architektursprache ab. Seine expressive Gestalt, die an Chicagos aus den Fugen geratene Marina City erinnert, erhält der Turm durch die Balkone mit Glasbrüstung, die aus der vollverglasten Fassade hervortreten. Durch die Repetition der mit Metallpaneelen verkleideten Rahmen entsteht eine Homogenität, die durch die leichte Variation von Stockwerk zu Stockwerk eine Spannung erzeugt. Zweifellos spektakulär und ebenso schwungvoll wie das Skyline Plaza, will sich das Hochhaus auf den Renderings jedoch weder ins Europaviertel noch ins gesamte Frankfurter Stadtbild einfügen.
Der Turm, ganz augenscheinlich für die „Neureichen“ unter den Frankfurtern entworfen, passt eher in ein südeuropäisches Hotel- und Urlaubsgebiet – oder gleich nach Miami Beach.
Eine kanonische Form für neue Wohnhochhäuser in Deutschland scheint hier, ob mit der Überwältungsarchitektur des ersten oder in der klassischen Ausführung des zweiten Preises, zumindest noch nicht gefunden.

Einladungswettbewerb
1. Preis Magnus Kaminiarz & Cie, Frankfurt a.M. 
2. Preis nps tchoban voss, Berlin
3. Preis Astoc, Köln; Lorber + Paul, Köln
Fakten
Architekten Magnus Kaminiarz & Cie, Frankfurt a.M., nps tchoban voss, Berlin, Astoc, Köln; Lorber + Paul, Köln
aus Bauwelt 22.2014
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