Kunst am Bau in Deutschland

Zwei Bücher zum Thema blicken auf die Entwicklungen in Bundesrepublik und DDR

Text: Hamm, Oliver G., Berlin


Kunst am Bau in Deutschland

Zwei Bücher zum Thema blicken auf die Entwicklungen in Bundesrepublik und DDR

Text: Hamm, Oliver G., Berlin

Die Kunst am Bau spielt in der öffentlichen Wahrnehmung allzu oft lediglich eine geringe Rolle – oder auch gar keine, insbesondere wenn Kunstwerke im Bau in zugangsbeschränkten Bauwerken nur von einem kleinen Personenkreis überhaupt wahrgenommen werden. Daher ist es sehr verdienstvoll, dass der Deutsche Kunstverlag mit gleich zwei Bänden dieses Randthema der Baukultur in den Fokus rückt. Bearbeitet von Ute Chibidziura und Constanze von Marlin, reflektieren sie die 70-jährige Genese der baugebundenen Kunst in Deutschland und die 40-jährige Geschichte der Kunst am Bau in der DDR. Ausgangspunkt beider Betrachtungen ist das Jahr 1950, in dem sowohl der Bundestag für das Gebiet der damaligen Bundesrepublik als auch die Volkskammer der DDR die obligatorische Beteiligung bildender Künstlerinnen und Künstler bei staatlichen Baumaßnahmen im In- und Ausland beschlossen. Fortan waren – und sind bis heute – bei jedem Bau für Staatsorgane und -behörden, für militärische Einrichtungen, vom Bund geförderte Forschungsinstitute und deutsche Vertretungen in aller Welt (etwa Botschaften, Goethe-Institute und Deutsche Schulen) 0,5 bis 1,5 Prozent des Budgets, in Ausnahmefällen wie dem Deutschen Bundestag im Reichstagsgebäude auch mal bis zu 3 Prozent für Kunstwerke zu reservieren. Das können Bildwerke jeglicher Art – Grafik, Malerei, Fotografie – sein, Skulpturen, aber auch Installationen und sogar Werke der Land Art.
„70 Jahre Kunst am Bau in Deutschland“ präsentiert ein weit gefächertes Spektrum von 59 Arbeiten an und in fast ebenso vielen Bauwerken (nur das Reichstagsgebäude ist doppelt vertreten) auf jeweils einer Doppelseite mit kurzen Erläuterungen zu den Werken und ihren Schöpfern. Diese und auch weitere Werke werden zudem in einführenden Aufsätzen dargestellt, die sich dem Thema „Kunst am Bau“ aus ganz unterschiedlichen Perspektiven nähern und dabei sowohl historische als auch administrative, (gesellschafts-)politische und natürlich künstlerische Hintergründe beleuchten. Leider wiederholen sich viele Informationen kapitelübergreifend, was insofern verwundert, als fast alle Texte von gerade mal drei Personen stammen (Martin Seidel, Constanze von Marlin und Anna-Sophie Laug) – hier wäre ein stringenteres Lektorat wünschenswert gewesen. Die vielen in die Texte eingefügten Lebensdaten von Künstlerinnen und Künstlern behindern den Lesefluss – stattdessen hätten sie gut ins Register integriert werden können. Doch abgesehen von diesen Ärgernissen, bietet der 316-seitige Band einen fundierten Überblick über die Genese und die Vielfalt der Kunst am Bau in Deutschland und in deutschen Auslandsvertretungen.
Dieses Lob kann leider nur eingeschränkt auf den mit 132 Seiten wesentlich schmaleren Band „Kunst am Bau in der DDR“ übertragen werden. Allzu viele Aufsätze – ursprünglich Vorträge eines Symposiums am 24. Januar 2020 in der Akademie der Künste in Berlin – bleiben doch sehr an der Oberfläche und beschäftigen sich überwiegend mit bereits hinlänglich Bekanntem. Das abschließende Podiumsgespräch (24 Seiten) hätte dagegen deutlich gestrafft werden müssen. Letztlich belegt der Tagungsband vor allem eines: dass zum gesellschaftlichen Auftrag, zur politischen Funktion und zur stadtgestalte­rischen Aufgabe – so lauteten die Untertitel des Symposiums – und natürlich auch zum baukul­turellen Wert der Kunst am Bau in der DDR noch sehr viel und sehr viel tiefgreifender geforscht und publiziert werden müsste.
Fakten
Autor / Herausgeber Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (Hg.)
Verlag Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2020
aus Bauwelt 3.2022
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