Ohne den Toaster

Das Hauptgebäude des Münchner Uniklinikums am Campus Großhadern wird abgerissen. Gewinner des Wettbewerbs für einen Neubau ist eine Klinik aus Einzelbauten, die sich an einer Magistrale reihen – ein Zeichen des Wandels in der Krankenhausplanung.

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

    Das gut 200 Meter lange Bettenhaus eröffenete in den 1970er Jahren. Der Block Operatives Zent­rum (OPZ) rechts im Bild wurde 2014 in Betrieb genommen. Er wird in die Gebäudestruktur der neuen Krankenhaus-Stadt eingebunden.
    Foto: LMU Klinikum München

    Das gut 200 Meter lange Bettenhaus eröffenete in den 1970er Jahren. Der Block Operatives Zent­rum (OPZ) rechts im Bild wurde 2014 in Betrieb genommen. Er wird in die Gebäudestruktur der neuen Krankenhaus-Stadt eingebunden.

    Foto: LMU Klinikum München

    1. Preis HENN und C.F. Møller Architects planen eine line­are Anordnung der Bauten in einer Kammstruktur mit gestaffelten Bauhöhen. Der Patientenpark verzahnt sich mit den Bauten. Der Eingangsplatz liegt im Kreuzungspunkt mit der Magistrale, die sich in späteren Bauphasen verlängern wird.
    Abb.: ©HENN/C.F. Møller Architects

    1. Preis HENN und C.F. Møller Architects planen eine line­are Anordnung der Bauten in einer Kammstruktur mit gestaffelten Bauhöhen. Der Patientenpark verzahnt sich mit den Bauten. Der Eingangsplatz liegt im Kreuzungspunkt mit der Magistrale, die sich in späteren Bauphasen verlängern wird.

    Abb.: ©HENN/C.F. Møller Architects

    Abb.: ©HENN/C.F. Møller Architects

    Abb.: ©HENN/C.F. Møller Architects

    Abb.: ©HENN/C.F. Møller Architects

    Abb.: ©HENN/C.F. Møller Architects

    Abb.: ©HENN/C.F. Møller Architects

    Abb.: ©HENN/C.F. Møller Architects

    2. Preis Obermeyer Planen +Bauen und Keller Damm Kollegen sehen ebenfalls eine Magistale vor. Ihre Dachfläche ist begrünt und verbindet sich über Rampen mit dem Patientenpark. Die Atriumbauten variie­ren und sind versetzt zueinander angeordnet.
    Abb.: Architekten

    2. Preis Obermeyer Planen +Bauen und Keller Damm Kollegen sehen ebenfalls eine Magistale vor. Ihre Dachfläche ist begrünt und verbindet sich über Rampen mit dem Patientenpark. Die Atriumbauten variie­ren und sind versetzt zueinander angeordnet.

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

Ohne den Toaster

Das Hauptgebäude des Münchner Uniklinikums am Campus Großhadern wird abgerissen. Gewinner des Wettbewerbs für einen Neubau ist eine Klinik aus Einzelbauten, die sich an einer Magistrale reihen – ein Zeichen des Wandels in der Krankenhausplanung.

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

Dass der Neubau eines Großkrankenhauses, hier der Campus Großhadern im Südwesten von München, eine äußerst komplexe Aufgabe ist, die viel Fachwissen voraussetzt, liegt auf der Hand. So verwundert es nicht, dass an dem zweiphasigen Wettbewerb „Neubau Campus Großhadern“, einem Standort der Ludwig-Maximilian-Universität, entsprechend der Vorgabe nur Planer beteiligt waren, die Erfahrung auf dem Gebiet vorzuweisen haben. Nach einem internationalen Bewerbungsverfahren und ei­ner ersten Phase mit 18 Teilnehmern wurden acht Planungsteams eingeladen – vor allem Krankenhausbau-Großbüros. Gewonnen hat am 12. Februar mit einstimmigem Votum das Büro HENN in Partnerschaft mit C. F. Møller Architects.
Der Neubau soll insgesamt sechs neue Klinikzentren umfassen. Im ersten Bauabschnitt werden auf rund 69.000 Quadratmetern drei Gebäudekomplexe entstehen, das Herz-Lungen-Gefäß-Zentrum, das Onkologische Zentrum und das neue Diagnostikzentrum. Im städtebaulichen Ideenteil des Wettbewerbs waren zukünftigen Erweiterungen zu planen, unter Berücksich­tigung der Einbindung vorhandener Strukturen und des Patientenparks.
Großhadern ist ein Klinikquartier auf der grünen Wiese. Die Mitte bildet ein mächtiger Gebäuderiegel aus den 1970er Jahren von den Architekten Godehard Schwethelm, Walter Schlempp und Werner Eichberg. An zahlreichen deutschen Großkliniken drängt massiv die Sanierung solcher „Bettenhaus-Maschinen“, da sie hinsichtlich Ausstattung und Technik heu­tigen Anforderungen nicht mehr entsprechen. Zuletzt wurde ein solcher Riegel am Uniklinikum Frankfurt saniert, komplett umgebaut und mit neuer Fassade versehen. Gleiches geschah mit dem Bettenturm der Charité in Berlin. In München entschied man sich anders. Das 13-geschossige, gut 200 Meter lange Bettenhaus mit leicht glänzender Alu-Fassade, das wegen sei­nes aufgesetzten „Bügels“ vom Klinik-Personal „Toaster“ genannt wird, soll komplett abgerissen werden, sukzessive auch mehrere Bauten im direkten Umfeld.
Der alte Riegel liegt parallel zur Marchionini-straße, die in Ostwest-Richtung entlang der Klinik verläuft. Im Süden öffnet sich der große Patientenpark. Aufgabe war, auf gleichem Are­al südlich der Straße die neue Klinik unter Einbindung von wenigen Bestandsbauten wie dem erst 2014 in Betrieb genommenen Operativen Zentrum (OPZ) zu planen.
Städtebaulich bestimmt den Siegerentwurf eine Anordnung der Bauten in einer Kammstruktur mit gestaffelten Bauhöhen von fünf bis zehn Geschossen, die in ihrer Lage dem ehemaligen Bettenhaus folgt. Die Architekten sprechen von einer kleinteiligen stadtähnlichen Silhouette. Die Versorgungs-, Diagnose- und Therapiebereiche befinden sich auf drei bis vier Geschossen entlang der Magistrale und sind mit den Bestandsbauten verbunden.
Im Süden soll sich der Patientenpark mit den Zwischenräumen der Bauten verzahnen. Für die Jury unter Vorsitz des Stuttgarters Markus Hammes gelingt das nur begrenzt, da durch die terrassierten, funktional notwendigen Verbindungen zwischen den Gebäudeschenkeln der offene, fließende Raum gestoppt werde. Insgesamt lobte sie jedoch die gut dimensionierte neue Magistrale der Klinik als Ostwest-verlaufendes Rückgrat mit direkter Anbindung an den Bestand und den neuen Fachzentren. Im Osten befindet sich der Neubau der Onkologie mit eigenem Eingang, der die Figur abschließt. Den Eingangsplatz an einem Kreuzungspunkt zwischen der Straße im Norden und dem Park im Süden verbindet die dreigeschossige Eingangshalle der Magistrale. Die höheren Gebäude des nach Norden gespiegelten Gebäudekamms betonen diesen Eingangsbereich. Die kreuzförmige Erschließung sorgt für ein klares Orientierungssystem mit Verbindung zum Parkhaus und zur U-Bahnstation. Die Architekten haben zwei weitere Kreuzungspunkte entlang der Magistrale vorgesehen, die bis zu den weiteren Bauabschnitten von untergeordneter Bedeutung bleiben werden. Die Organisationsstruktur entlang der Magistrale mit ihren Steuerungs- und Stützpunkten wird generell gelobt. Auch die Freianlagen erhielten eine gute Beurteilung: „Das Grün als Passepartout um die Baukörper ist konsequent als Antipode zum Bauvolumen spannungsvoll eingesetzt“. Die begrünten Terrassen und Flachdächer überlagern die zum Grünraum orientierten, städtisch wirkenden Baumassen. So werden laut Architekten „Naturelemente konsequent in das strukturelle Zentrum des Krankenhauses eingeflochten“. Dies ist für sie wichtig, denn der Park sei „die Lunge des Areals und die Magistrale das logistische Herz“. Die Fassaden differenzieren sich in ihrer Ausbildung zwischen Sockel- und Pflegefassaden. Die Fenster der Patientenzimmer sind raumhoch, die Wandelemente zur Auflockerung schräg gestellt. Mit Blick auf die Nachhaltigkeits-Forderung in der Auslobung spricht die Jury eher allgemein von einem „stimmigen Energiekonzept mit Nutzung lokaler Potenziale“ mit „Ausblick auf CO2-Neu­tralität“.
Der zweite Preis wurde der Arbeit der Büros Obermeyer Planen + Bauen und Keller Damm Kollegen zuerkannt. Die Architekten planen ebenfalls eine Ostwest-Magistrale. Entlang dieser Achse sind „leicht spielerisch zueinander versetzt“ Atriumbauten angeordnet. Der Patientenpark wird dazwischen ebenerdig aber auch über sanft geneigte Rampen, die auf eine begrünte Dachfläche der Magistrale führen, erreicht. Der gesamte Außenbereich wird vom Preisgericht gelobt. Die Proportionen der Baukörper seien „ausgewogen und maßstäblich zum Gebäudebestand, die Fassadengliederung „spannungsreich, ansprechend und für die Größe der Baukörper luf­tig gegliedert“ und die Dimensionen der Atrien „lassen keine Schachtwirkung entstehen“. Bei den Grundrissen gebe es jedoch in verschiedenen Bereichen Detailprobleme der Anbindung, „die aber lösbar erscheinen“. Außerdem sei nach Auffassung der Jury „aufgrund der zu gering dimensionierten Technikflächen mit einem deutlich höheren Aufwand bei der Realisierung zu rechnen“.
Die erste Bauphase des Klinikums Großhadern wird etwa 60 Prozent des gesamten Volumens bilden, finanziert mit rund einer Milliarde Euro vom Freistaat Bayern. Mit der kompletten Fertigstellung rechnet man innerhalb eines Zeitrahmens von 30 Jahren.
Realisierungswettbewerb mit städtebaulichem Ideenteil
1.Preis
(600.000 Euro) HENN l C.F. Møller, Berlin, SINAI Landschaftsarchitekten, Berlin
2.Preis (400.000 Euro) Obermeyer Planen + Beraten, München, Keller Damm Koll. Landschaftsarchitekten, München
3.Preis (240.000 Euro) LUDES Architekten, München, Wanker und Fischer Landschaftsarchitekten, Eching
Anerkennung (170.000 Euro) a l sh architekten, Ludwigshafen, HDR, München, mk.landschaft, München
Anerkennung (130.000 Euro) Mauerer + Partner, Wien, Franz und Sue, Wien
Jury
Karl-Josef Albers, Eugen Bauer, Maximilian Fuchs, Friedrich Geiger, Markus Groben, Susanne Gross, Hans Peter Haid, Markus Hammes (Vorsitz), Sabine Steger, Rainer Post, Astrid Tiemann-Petri, Susanne Wamsler
Auslober
Freistaat Bayern, Staatliches Bauamt München 2
Wettbewerbsbetreuung
Eisenreich.Drechsel.Partner.Architekten, Regensburg

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