La Scuola della Ricostruzione di Accumoli

Seit den Erdbeben in Mittelitalien 2016 harren Orte wie Amatrice und Accumoli des Wiederaufbaus. Die Donau-Universität Krems gibt nun ein wichtiges Beispiel für die Wiederbelebung der kleinen Städte, besonders im sozialen Bereich.

Text: Ciano, Angela, Rom

La Scuola della Ricostruzione di Accumoli

Seit den Erdbeben in Mittelitalien 2016 harren Orte wie Amatrice und Accumoli des Wiederaufbaus. Die Donau-Universität Krems gibt nun ein wichtiges Beispiel für die Wiederbelebung der kleinen Städte, besonders im sozialen Bereich.

Text: Ciano, Angela, Rom

Das ist ein Meilenstein für den Wiederaufbau der Stadt Accumoli. Vom Erdbeben des 12. November 2016 vollends zerstört, wie viele andere Gemeinden Mittelitaliens auch, hat der Ort an den Ausläufern der Sibilinischen Berge einen großen Schritt hin zur Wiedergeburt gemacht, indem am dritten Jahrestag des Bebens mit der Unterzeichnung eines „Memorandum of Understanding“ die Schule des Wiederaufbaus eingeweiht wurde. Vorbild ist eine ähnliche Einrichtung, die nach einem ebenso verstörenden Erdbeben, das im Jahr 1976 die Region Friaul-Julisch-Venezien erschütterte, in Venzone eingerichtet wurde und noch heute aktiv ist. Die Schule in Accumoli ist eine Initiative der Donau-Universität Krems, konzipiert auf Vorschlag von Christian Hanus, Leiter des Departments für Bauen und Umwelt, und Roberto Pirzio Biroli, ehemals Leiter des Büros für den Wiederaufbau in Venzone, und realisiert in Zusammenarbeit mit der lokalen Verwaltung und der Architektenkammer von Ascoli Piceno. „Diese Schule“, erklärt Franca D’Angeli, Bürgermeisterin von Accumoli, „stellt eine Zukunft für meine Gemeinde dar, denn sie ist katalytisch und besteht sowohl aus Fachleuten für den Wiederaufbau als auch aus Studenten und mithin jungen Menschen, die Lebensblut für uns bedeuten. Es ist ein Weg, der Bevölkerung, die noch heute in provisorischen Unterkünften oder außerhalb unseres Territoriums lebt, wieder Hoffnung zu geben. Ich bin davon überzeugt, dass sie einen starken Impuls für den Wiederaufbau der Gebäude, aber auch für die Rückkehr ihrer Bewohner darstellt und somit die Gefahr der Entvölkerung und des Aufgebens abwendet.“
Die Schule mit ihren Technikern und Studenten hat schon begonnen, mitden Bürgern zusammenzuarbeiten, die in jenen Straßen, Plätzen und Winkeln gelebt haben bis zu dem Moment, da der Lebensfluss von Accumoli unterbrochen wurde. Es handelt sich also um eine Initiative, die über die Bereitstellung von Erfahrung und Techniken für die Institutionen vor Ort, die Wiederaufbaukonsortien und die Planer hinausgeht; sie soll ein Motor werden für die Revitalisierung dieser Zentren im Apennin, indem sie die Forschungsaktivitäten verschiedener Universitäten in den Regionen Abruzzen, Marken und Latium, aber auch im Ausland, koordiniert und bündelt. Eine Zusammenarbeit, die das Studium neuer Techniken ebenso beinhal­-tet wie solcher, die bereits in den Abruzzen, wo 2009 ein Erdbeben die Stadt LʼAquila zerstörte, angewendet wurden oder im Friaul – sowohl was die Wiederherstellung von Gebäuden kunsthistorischen Interesses betrifft als auch die Wiederbelebung sozialer und kultureller Strukturen. Nicht zuletzt sind ökonomische und ökologische Kreisläufe wieder in Gang zu setzen, zudem soll der Tourismus angekurbelt werden; in unmittelbarer Nähe des Schulgebäudes ist der Bau von Unterkünften geplant.
„Dieser Ort ist interessant“, erklärt Biroli, „weil er Analogien zu Venzone aufweist, er hat ähnliche Landstrukturen, es gibt ähnlich wichtige Nachbarschaftsbeziehungen, hat Eigentümer, die wie die kommunalen Techniker Fachleute brauchen, die sie unterstützen. Diese Schule in Accumoli ist eine Kopie derer in Venzone, die noch heute funktioniert, hier aber wird man es noch besser machen können, indem man Unterkünfte und Multimedialität schafft. Wir haben bereits begonnen, an einer Verbindung zwischen dem alten Dorf und der Schule des Wiederaufbaus zu arbeiten, der Anfang ist also anders als in anderen Fällen.“
Accumoli wurde schon am 24. August 2016 von einem Erdbeben der Stärke 6,0 betroffen. Ende 2019 ist es ein Ort, an dem noch alles wiederaufgebaut werden muss. Der älteste Teil des Ortes besteht zu sechzig Prozent aus Zweithäusern, die nur an Feiertagen und im Sommer bewohnt waren; hier befindet sich die Via Tommasi, in der die meisten Sehenswürdigkeiten liegen, wie die Palazzi Organtini, Marini, del Guasto und der Stadtturm Torre Civica, sowie alle öffentlichen Gebäude. Genau deshalb begann das Technikerteam von der Donau hier mit seiner Arbeit. Die Schule des Wiederaufbaus residiert in dem Gebäude, das vor dem Erdbeben die Grundschule beherbergte. Die Kinder gehen heute außerhalb des Ortes zur Schule, so dass es richtig erschien, dieses Haus einer ähnlichen Initiative zu widmen, wenn auch mit einem anderen Tenor. „Es schien uns der geeignetste Ort“, fährt die Bürgermeisterin fort, „für den Beginn eines Wiederaufbaus, der die Unterstützung durch Menschen, die bereits Erfahrung mit Erdbebensanierung haben, nutzen kann. Wir denken an eine Wiederherstellung des Zentrums von Accumoli, wo es war und wie es war, aber mit den notwendigen Anpassungen an die Erdbebensicherheit, unter Einbeziehung aller Eigentümer, die beschlossen haben, ihr Haus wiederaufzubauen und vor allem wieder darin zu leben.“ Die Schule ist ein Ort, an den fortwährend Gruppen von Studenten und Professoren kommen werden, um daran mitzuwirken, diesen Gebieten eine neue Zukunft zu geben. „Die erste Gruppe“, erklärte Biroli, „hat am 11. November mit der Arbeit begonnen und studiert neben der Sanierung der Altstadt die Wiederherstellung der antiken Mühlen am Fluss Tronto, an einem sehr beeindruckendem Rundweg. Aber wir haben auch alle Artefakte, die aus den Trümmern der Einstürze jener Nacht geborgen werden konnten, untersucht und erfasst.“ „Wir brauchen neue Menschen, solche, die unsere Tragödie nicht erlebt haben“, schließt die Bürgermeisterin, „mit unterschiedlichen Ideen und großer Zuversicht in die Zukunft und damit in der Lage, dem sozialen Wiederaufbau Schwung zu geben. Genau deshalb ist die Initiative der Schule des Wiederaufbaus sehr gut aufgenommen worden von der Bevölkerung, die sich jedem zur Verfügung stellt, der zu uns kommt, um die Dynamik der Wiederbelebung, die gerade in unserem Dorf stattfindet, zu verstehen.“
Übersetzung aus dem Italienischen: Iris Lüttgert

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