Baakenpark in Hamburg


Orte schaffen: Neu-Lummerland


Text: Friedrich, Jan, Berlin


    Zur Aufschüttung der Halbinsel wurde andernorts ausgebaggerter Elbsand ins Hafenbecken gebracht.
    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

    Zur Aufschüttung der Halbinsel wurde andernorts ausgebaggerter Elbsand ins Hafenbecken gebracht.

    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

    Der Park soll eine Gegenwelt zur strengen, ratio­nalen Umgebung schaffen.
    Lageplan: Atelier Loidl

    Der Park soll eine Gegenwelt zur strengen, ratio­nalen Umgebung schaffen.

    Lageplan: Atelier Loidl

    Der „Himmelsberg“ ist mit 15 Metern die höchste Er­hebung.
    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

    Der „Himmelsberg“ ist mit 15 Metern die höchste Er­hebung.

    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

    Die Bäume für den Baakenpark waren vergleichsweise groß, als sie gepflanzt wurden.
    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

    Die Bäume für den Baakenpark waren vergleichsweise groß, als sie gepflanzt wurden.

    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

    Ihr Stammumfang betrug zwischen 35 und 45 Zentimetern, üblicherweise verwendet man Bäume mit 20 bis 25 Zentimetern Umfang.
    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

    Ihr Stammumfang betrug zwischen 35 und 45 Zentimetern, üblicherweise verwendet man Bäume mit 20 bis 25 Zentimetern Umfang.

    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

    „Inselbank“ zum Abhängen mit Blick Richtung Elbphilharmonie und Sitzstufentribüne
    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

    „Inselbank“ zum Abhängen mit Blick Richtung Elbphilharmonie und Sitzstufentribüne

    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

    Die 100-Meter-Bahn, die sich die Böschung hinauf zu einem Baskeballfeld weitet, ...
    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

    Die 100-Meter-Bahn, die sich die Böschung hinauf zu einem Baskeballfeld weitet, ...

    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

    ... steht später auch den Schülern der in direk­ter Nachbarschaft geplanten Grundschule zur Ver­fügung.
    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

    ... steht später auch den Schülern der in direk­ter Nachbarschaft geplanten Grundschule zur Ver­fügung.

    Foto: Leonard Grosch/Atelier Loidl

Gegen Ende ihrer Abenteuerfahrt begegnen die beiden Helden aus Michael Endes Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer einer schwimmenden Insel. Es gelingt ihnen, sie ins Schlepptau ihres Schiffes zu nehmen und in ihre Heimat zu bringen, zur Insel Lummerland. Dort wird das Mini­atur-Eiland vor der Küste befestigt. Als „Neu-Lummerland“ bietet es den zusätzlichen Raum, den die kleine Einwohnerschar so dringend benötigt, um auch in Zukunft Platz für alle zu haben.

Diese literarische Landgewinnung aus Kindertagen kommt dem Autor dieser Zeilen unwillkürlich in den Sinn, als er, vom U-Bahnhof Hafencity Universität kommend, den Nordkai des Baakenhafens entlang schlendert und der Baakenpark aus dem Gegenlicht der Morgensonne allmählich vor ihm auftaucht. Inmitten des aufgelassenen Hafenareals, dem die industrielle Vergangenheit noch deutlich anzumerken ist – auch wenn rund um das längste Hafenbecken der Hamburger Hafencity bereits mit dem Bau eines Stadtquartiers begonnen wurde, in dem einmal 6000 Menschen wohnen und arbeiten sollen –, inmitten diese Ortes also, der irgendwo zwischen der Erinnerung an gestern und einem Versprechen von morgen zu liegen scheint, wirkt die saftig-grüne und im Gegensatz zu ihrer Umgebung bereits vollständig fertiggestellte Halbinsel vor dem Südufer des Hafenbeckens tatsächlich so, als habe man sie aus einer weit entfernten, ganz anderen Welt hierher geschleppt.

Eine schwimmende Insel ist der Baakenpark selbstverständlich nicht, aber ein Neuankömm­ling schon: Er wurde aus Sand aufgeschüttet, den man andernorts aus der Elbe ausbaggern musste, um den Fluss schiffbar zu halten. Doch wie kommt man auf die Idee, in der östlichen Hafencity, wo es mehr als genug Grundstücke zu geben scheint, nicht einfach eine bestehende Fläche zur Anlage eines Quartiersparks zu nutzen, sondern dafür Neuland zu schaffen? Ist das nicht, wirtschaftlich gesehen, völliger Unsinn?

Dass man sich hier zur Landgewinnung entschied, dafür gibt es mindestens zwei Gründe: Erstens war die Uferwand an der Südseite des Hafenbeckens völlig marode; sie hätte aufwendig und teuer saniert werden müssen. Statt die Wand zu erneuern, hat man nun die Halbinsel davor aufgeschüttet und auf diese Weise den Hochwasserschutz wiederhergestellt. Zweitens mussten alle Medien – Wasser, Abwasser, Elek­trizität und so weiter – für das künftige Quartier südlich des Hafenbeckens über die neue Fußgänger- und Fahrradbrücke geführt werden, die das Nordufer mit dem Park verbindet. Und in diesem Zusammenhang war es sinnvoll, die mit der Brücke zu überwindende Distanz zu verringern und den neuen Park sozusagen als Trittstein für diese Installationen zu nutzen. Drittens wäre zu ergänzen, dass die Hafencity GmbH die Flächen, die auf diese Weise nicht für den neuen öffent­lichen Park benötigt wurden, selbstverständlich als Bauland vermarkten konnte.

So kam es zu der für Freiraumplaner in Deutschland eher ungewöhnlichen Situation, dass die Landschaftsarchitekten des Baakenparks, Atelier Loidl aus Berlin, das Land, das sie gestalten sollten, erst einmal schaffen mussten. Es entstand die Idee, mit dem neuen Stückchen Erde eine Art Gegenwelt anzubieten, eine Ergänzung zur strengen, rationalen Umgebung, erzählt Felix Schwarz, Partner bei Atelier Loidl. Deshalb hat der Park keine harten Kanten, die Halbinsel keine gerade Uferlinie. Der Kontrast, erwartet Schwarz, werde noch stärker – wenn das hier irgendwann einmal keine Oase inmitten von Baustellen mehr ist, sondern die grüne Mitte des neuen Quartiers Baakenhafen.

Wie überall in Hamburg muss das Ufer des Baakenparks einen Tidenhub der Elbe von durchschnittlich drei Metern ausgleichen, die Gefahr durch Hochwasser besteht darüber hinaus. Deshalb liegen die Nutzflächen des Parks erhöht auf drei Plateaus, die die Landschaftsplaner geschickt nutzen, um die vielen Funktionen zu gliedern, die der nur 1,6 Hektar große Park anbietet: Sport- und Spielplatz im Westen; eine Spiel- und Liegewiese unter Obstbäumen in der Mitte der Halbinsel, in deren Böschung eine Tribüne eingelassen ist, die für kleine Veranstaltungen genutzt werden kann; ganz im Osten die höchste Erhebung des Parks, der sogenannte Himmelsberg, eine 15 Meter hohe, grüne Pyramide mit einer Aussichtsplattform obendrauf, von der sich derzeit noch ein grandioses Panorama über das Werden der östlichen Hafencity bietet. Der Blick nach Westen die Elbe entlang bis zur Elbphilharmonie wird auch frei bleiben, wenn rundherum alle Grundstücke bebaut sind.

Durch die unterschiedlichen Höhen hat der Besucher des Parks – ob er hier nun zum Flanieren herkommt, seine Kinder zum Spielplatz begleitet oder sich irgendwo ein ruhiges Fleckchen sucht – nie das ganze Areal im Blick. Außer dem Hauptweg, auf dem man oberhalb der Böschung das Ufer auf der ganzen Länge ablaufen kann, gibt es immer wieder Treppen oder kleine Pfade als Abkürzungen. All diese Kunstgriffe zusammengenommen lassen den Baakenpark wesentlich größer erscheinen, als er in Wahrheit ist. Und die unterschiedlichen Funktionen kommen deutlich weniger miteinander in Konflikt, als wenn sie alle auf einer einzigen ebenen Fläche nebeneinander angeordnet wären.



Fakten
Architekten Atelier Loidl, Berlin
Adresse 20457, Baakenallee, 20457 Hamburg


aus Bauwelt 24.2019
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