Nederlands Fotomuseum in Rotterdam
Im Februar eröffnete das Nederlands Fotomuseum in einem ehemaligen Speicher. Den Umbau verantworteten die Büros Renner Hainke Wirth Zirn aus Hamburg und WDJ Architecten aus Rotterdam.
Text: Bokern, Anneke, Amsterdam
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Den Speicher krönt nach der Transformation eine semitransparente Dachskulptur aus perforiertem Aluminium, ...
Foto: Hans Wilschut
Den Speicher krönt nach der Transformation eine semitransparente Dachskulptur aus perforiertem Aluminium, ...
Foto: Hans Wilschut
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... die über dem Bestand zu schweben scheint.
Foto: Hans Wilschut
... die über dem Bestand zu schweben scheint.
Foto: Hans Wilschut
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1901/02 erbaut, stand der denkmalgeschützte Speicher Santos ...
Foto: Luc Büthker (Bestand von 2017)
1901/02 erbaut, stand der denkmalgeschützte Speicher Santos ...
Foto: Luc Büthker (Bestand von 2017)
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... vor seiner Transformation zum Museum jahrelang leer.
Foto: Hans Wilschut
... vor seiner Transformation zum Museum jahrelang leer.
Foto: Hans Wilschut
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Im Inneren sind Spuren der Vergangenheit ablesbar ...
Foto: Iwan Baan
Im Inneren sind Spuren der Vergangenheit ablesbar ...
Foto: Iwan Baan
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... und denkmalgeschützte Bauteile ...
Foto: Iwan Baan
... und denkmalgeschützte Bauteile ...
Foto: Iwan Baan
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... wie das Lagerbüro erhalten geblieben.
Foto: Hans Wilschut
... wie das Lagerbüro erhalten geblieben.
Foto: Hans Wilschut
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Der zentrale Luftraum im Gebäude ist der Haupteingriff der Umgestaltung. Die Treppen erschließt alle Ausstellungsebenen und führt die Besucher durch das Gebäude. Hier stoßen Alt und Neu aufeinander.
Foto: Iwan Baan
Der zentrale Luftraum im Gebäude ist der Haupteingriff der Umgestaltung. Die Treppen erschließt alle Ausstellungsebenen und führt die Besucher durch das Gebäude. Hier stoßen Alt und Neu aufeinander.
Foto: Iwan Baan
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Die perforierte Aluminiumhaut, die als gefaltete Schale den Konturen des Bestandsgebäudes folgt, soll als eine zeitgenössische Interpretation der Architektursprache des Speichers wahrgenommen werden.
Foto: Hans Wilschut
Die perforierte Aluminiumhaut, die als gefaltete Schale den Konturen des Bestandsgebäudes folgt, soll als eine zeitgenössische Interpretation der Architektursprache des Speichers wahrgenommen werden.
Foto: Hans Wilschut
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Variationen in der Perfora-tionsdichte verleihen der Skulptur ihre Tiefenwirkung. Sie umhüllt die 16 Short-Stay-Apartments.
Foto: Hans Wilschut
Variationen in der Perfora-tionsdichte verleihen der Skulptur ihre Tiefenwirkung. Sie umhüllt die 16 Short-Stay-Apartments.
Foto: Hans Wilschut
In Rotterdam mangelt es nicht an aufsehenerregenden Museumsbauten. In den 1990er Jahren setzten das NAi und die Kunsthal Maßstäbe, 2021 eröffnete das Boijmans Depot (
Bauwelt 7.2022), 2025 das FENIX Museum of Migration (
Bauwelt 23.2025). Nun folgt das Niederländische Fotomuseum. Mit seinen beiden Vorgängern hat es jeweils etwas gemeinsam: Wie das Boijmans Depot kombiniert es Ausstellungsräume mit einsehbaren Archiven und Ateliers, wie FENIX ist es in einem alten Lagerhaus untergebracht und wurde von der Stiftung Droom en Daad finanziert. Seine Entstehungsgeschichte ist jedoch um einiges komplexer.
Speicher, Möbelhaus, Museum
Der Speicher Santos, 1902 nach Plänen von J.P. Stok und J.J. Kanters am Rijnhaven errichtet, diente als Lagerhaus für brasilianischen Kaffee, stand ab den 1990er Jahren weitgehend leer und wurde 2000 unter Denkmalschutz gestellt. 2007 entstand im Rahmen eines städtischen Workshops, an dem das Hamburger Büro Renner Hainke Wirth Zirn (RHWZ) teilnahm, die Idee, den gut erhaltenen Beaux-Arts-Bau zum Ankerpunkt der Entwicklungen am Rijnhaven zu machen – ohne zu wissen, dass der Projektentwickler Volker Wessels zur selben Zeit WDJ Architecten mit einer Machbarkeitsstudie zur Transformation von Santos beauftragt hatte. Die Wirtschaftskrise legte das Projekt auf Eis. Erst 2016 kaufte das Designmöbelhaus Stilwerk das Gebäude und beauftragte RHWZ und WDJ gemeinsam mit dem Umbau zu Showrooms, Restaurant, Co-Working-Büros und einem Hotel im neuen Dachaufbau. Corona und steigende Baupreise stoppten die Ausführung erneut – bis 2023 das Niederländische Fotomuseum und Droom en Daad ins Spiel kamen. Das Museum hauste seit 2003 mehr schlecht als recht in einem alten Werkstattgebäude und hatte zeitweise mit dem Gedanken gespielt, Rotterdam zu verlassen. Die von einer Rotterdamer Reederdynastie gegründete Stiftung gewährte 38 Millionen Euro: 21 Millionen flossen an Stilwerk, der Rest in die Transformation des bereits fast fertiggestellten Möbelhausumbaus. Im Dezember 2024 begannen die Arbeiten, im Juli 2025 war das Gebäude fertiggestellt.
„Zum Glück passte das Konzept für das Möbelhaus halbwegs zu den Anforderungen des Fotomuseums“, sagt Karin Wolf von WDJ. Das Erdgeschoss blieb ein halböffentlicher Raum, von Norden und Süden zugänglich, mit Ticketschalter, Museumsshop, Café, einer durch halbhohe Glaswände abgetrennten Bibliothek und einem Veranstaltungspodium. Rohe Backsteinwände mit noch sichtbaren Graffitis rahmen den Raum; ein erhaltener Büro-Einbau erinnert an den früheren Lohnauszahlungsschalter. Ohnehin atmet alles Lagerhausatmosphäre – von den kleinen Fensteröffnungen bis zu den gusseisernen Stützen. Vom ursprünglichen Farbkonzept des Speichers leiteten die Architekten Lavendel- und Mintgrüntöne für neue Einrichtungselemente ab.
Während früher Außenaufzüge als Haupterschließung dienten, erstreckt sich nun ein zen-traler Luftraum durch alle Geschosse, überspannt von einem Glasdach. Dafür wurden Deckenbalken und Bodenbelag entfernt; Stützen und Hauptträger blieben erhalten. Eine anthrazitgraue Metalltreppe erschließt die Obergeschosse – im Gegensatz zum Dachaufbau bewusst ohne skulpturalen Anspruch. Das in die Balustraden gespannte Stahlnetz fügt sich entsprechend unauffällig ein.
Die Klimatisierung war laut Karin Renner von RHWZ eine der zentralen Herausforderungen: „Als aus dem Möbelhaus ein Fotomuseum mit Archiv werden sollte, mussten wir den zweiten und dritten Stock plötzlich klimatisch abtrennen.“ Alle Ladeluken wurden verglast, ihre Holztüren an umgedrehten Scharnieren nach innen gewendet. Im ersten Geschoss, wo die Ehrengalerie der niederländischen Fotografie untergebracht ist, wurden alle Installationen zwischen den niedrigen Holzbalken untergebracht; Trennwände lassen sich mit Schraubzwingen an ihnen befestigen. Im zweiten Obergeschoss rahmt eine hinterleuchtete Fotowand den Blick in die klimatisierten Archive (Nordseite: 5 Grad, Südseite: 12 bzw. 19 Grad Celsius); im dritten gewähren Fenster Einblick in einzelne Ateliers. Die vierte Etage ist für Ausstellungen historischer Fotografien klimatisiert, das fünfte Geschoss für zeitgenössische Werke ohne Klimaanforderungen reserviert. Da die Konstruktion des Speichers von Geschoss zu Geschoss schlanker wird, mussten im obersten Altbaugeschoss zusätzliche Stahlträger eingezogen werden.
Eine fünfte Fassade
Darüber folgt der neue Dachaufbau: ein zurückgesetztes sechstes Geschoss mit Restaurant und Büros, von einer umlaufenden Terrasse umgeben, mit kleinen Balkonen an den Stellen der früheren Windenhäuser. Im Luftraum wandelt sich die zurückhaltende Treppe doch noch zum skulpturalen Objekt und vollzieht mit einem kühnen Knick den Sprung ins oberste Geschoss mit 16 Short-Stay-Apartments – allerdings ist sie gesperrt, da die Apartments über einen Außenlift erschlossen werden.
Der Dachaufbau, der durch das zurückgesetzte Geschoss leicht über dem Altbau zu schweben scheint, ist innen wie außen mit champagnerfarbenen Aluminium-Lochpaneelen verkleidet. Ihre Dreiecksperforation in variabler Dichte verleiht den Fassaden plastische Tiefe und bildet, so Karin Renner, „eine Fortsetzung der Sinnlichkeit der alten Schmuckfassade“ – als Nachfolge der Leuchtreklame des Speicherbetreibers Blauwhoedenveem, die einst wie ein Diadem auf dem Lagerhaus prangte. Aufgabe der Krone ist neben der Fassung der Laubengänge die Kaschierung technischer Aufbauten auf dem Dach: Sie fungiert als fünfte Fassade für die ringsum geplanten Hochhäuser, deren zukünftige Bewohner auf das Dach des Speichers blicken werden.
Speicher und Museum sind eigentlich grundverschiedene Gebäudetypen – und doch erweist sich das tiefe, von wenig Tageslicht durchdrungene Gebäude als überraschend geeignet für Fotoausstellungen. „Mit den Archiven ist Santos wieder zum Lagerhaus geworden, nur eben für Fotos statt für Kaffee“, sagt Karin Wolf. Die Spuren und die Geschichte im Speicher Santos haben WDJ und RHWZ bewusst sichtbar gelassen: abgesägte Balkenenden, bröselige Betonreste, Katzenluken in alten Türen, die Überreste einer Wohnung mit Kamin in der Südwestecke des fünften Stocks. Der schrundige Bestand kontrastiert wirkungsvoll mit den neuen Einbauten. Einziger Wermutstropfen: Oben angekommen, erwartet den Besucher keine Dachterrasse mit Blick auf den Rijnhaven, sondern die gesperrte Treppe zu den Apartments.
Fakten
Architekten
Renner Hainke Wirth Zirn Architekten, Hamburg;WDJARCHITECTEN, Rotterdam
Adresse
Brede Hilledijk 95, 3072 AR Rotterdam
aus
Bauwelt 8.2026
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