Denkmalkritik
Für eine zukunftsfähige Denkmalpflege
Text: Meyer, Ulf, Berlin
Denkmalkritik
Für eine zukunftsfähige Denkmalpflege
Text: Meyer, Ulf, Berlin
In seinem neuesten Buch beschäftigt sich der Berliner Publizist Dieter Hoffmann-Axthelm mit der Zukunft der Denkmalpflege. Das Thema erscheint (nicht nur) ihm relevant, weil ihm die derzeitige Praxis gravierende Probleme zu produzieren scheint: „Überarchivierung, unreflektierte Sammlung und administrative Starrheit“ nennt der Autor. Mit diesen Themen hat sich Hoffmann-Axthelm schon länger auseinandergesetzt. In einem Gutachten für die Politikerin Antje Vollmer hatte er um die Jahrtausendwende unter dem Stichwort „Gesinnungs-Denkmalpflege“ eine grundlegende Kritik an „ideologisch geprägtem Schutz der Nachkriegsmoderne“ formuliert. Ein „Über-Denkmalschutz“, der auch Bäder, Siedlungen oder Plattenbauten umfasst, gleiche „Lumpensammlerei“, so der Autor polemisch. Er plädiert stattdessen für stärkere demokratische Legitimierung. Der Denkmalschutz solle „lernen, mit Partnern – Kommunen, Architekten, Eigentümern – auf Augenhöhe zu verhandeln. Damit er für die Lebendigen arbeitet und nicht für ein totes Archiv.“ Das klingt vernünftig. Warum Plattenbauten vom Denkmalschutz ausgeschlossen bleiben sollten, erschließt sich damit aber nicht. Mit „den Maßstäben von Georg Dehio“ kann seiner Meinung nach die zeitgenössische Architektur nicht angemessen bewertet werden. Er will „Reduktion“ und „Priorisierung“ auf Monumente mit emotionalem oder historisch-ästhetischem Gehalt: Nur, was das „Herz zerreißt“, sei schutzwürdig. Eine seltsame Kategorie. „Kirche, Schloss, Burg“ seien bedeutungsvoller als „eine Fabrik“, schreibt er, aber warum sollte das so sein? „Es gibt kein unmittelbareres Maß für Denkmal-
wert als die Schönheit“, so Hoffmann-Axthelm.
wert als die Schönheit“, so Hoffmann-Axthelm.
Wie aber könnte eine „Entstaatlichung und Demokratisierung“ aussehen, wie soll eine „Beschränkung auf verträgliche Objekte“ gehen? Für Hoffmann-Axthelm ermöglicht nur „emotionale Zugänglichkeit breite gesellschaftliche Zustimmung“. Der Autor will, dass sich „der Staat auf öffentliche Großdenkmäler konzentriert. Der Rest soll durch zivilgesellschaftliches Engagement und Stiftungen aus-gewählt und geschützt werden“. Denkmalpflege sei „autoritär, rechthaberisch und wenig dialogfähig“. Das sind sehr pauschale Urteile.
Man muss Hoffmann-Axthelms Positionen nicht teilen, um sein Büchlein dennoch mit Gewinn zu lesen. Das Schwarzbuch der Deutschen Stiftung Denkmalpflege listet übrigens etwa 630.000 Bau-Denkmaler in Deutschland. Das sind nur etwa drei Prozent der Gebäude in Deutschland.







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