Bauwelt

Maxentius-Basilika in Rom


Eine filigrane Bühnenkonstruktion vom römischen Architekturbüro Alvisi Kirimoto macht die Maxentius-Basilika auf dem Forum Romanum zu einem Veranstaltungsort für die Gegenwart: Der „Römische Sommer“ kann kommen!


Text: Costadura, Leonardo, Rom


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    Die erhaltenen Räume der Maxentius-Basilika bezogen sich jeweils als Anraum auf den Mittelsaal; ...
    Foto: Giuseppe Miotto/Marco Cappelletti

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    Die erhaltenen Räume der Maxentius-Basilika bezogen sich jeweils als Anraum auf den Mittelsaal; ...

    Foto: Giuseppe Miotto/Marco Cappelletti

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    ... ihre Gewölbe standen quer zu dessen Tonnenwölbung.
    Foto: Giuseppe Miotto/Marco Cappelletti

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    ... ihre Gewölbe standen quer zu dessen Tonnenwölbung.

    Foto: Giuseppe Miotto/Marco Cappelletti

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    Der 308 n. Chr. begonnene Monumentalbau diente ursprünglich als Markt- und Gerichtshalle.
    Foto: Giuseppe Miotto/Marco Cappelletti

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    Der 308 n. Chr. begonnene Monumentalbau diente ursprünglich als Markt- und Gerichtshalle.

    Foto: Giuseppe Miotto/Marco Cappelletti

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    Die Mauerzungen ...
    Foto: Giuseppe Miotto/Marco Cappelletti

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    Die Mauerzungen ...

    Foto: Giuseppe Miotto/Marco Cappelletti

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    ... , die die drei Anräume voneinander trennen, ...
    Foto: Giuseppe Miotto/Marco Cappelletti

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    ... , die die drei Anräume voneinander trennen, ...

    Foto: Giuseppe Miotto/Marco Cappelletti

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    ... haben als Widerlager auch das Hauptgewölbe über dem mittleren Saal getragen.
    Foto: Giuseppe Miotto/Marco Cappelletti

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    ... haben als Widerlager auch das Hauptgewölbe über dem mittleren Saal getragen.

    Foto: Giuseppe Miotto/Marco Cappelletti

In der Ruinenmalerei sind oft kleine Figuren zu sehen, vereinzelt oder in kleinen Gruppen. Sie stehen vor riesigen antiken Bauten, bestaunen und befragen sie; andere wiederum kehren ihnen den Rücken zu und gehen ihrer Alltagsbeschäftigung nach, sodass der Glanz der Altertümer zur Kulisse einer glanzlosen Normalität wird. Canaletto zeigt in einem dieser Bilder mit seinem unvergleichlich präzisen wie dynamischen Pinselstrich eine solche Szene vor der Maxentius-Basilika auf dem Forum Romanum: Ein elegant gekleideter Herr vermisst ein Kapitell, ein junger Künstler zeichnet die Gewölbe, eine Waschfrau ruht nach getaner Arbeit, ein Bursche spielt mit einem Hund, der allerdings keine große Lust zu spielen hat. Der Betrachter kann sich vertiefen in die architektonischen Details der imposanten Ruine oder sich in die Menschen und ihre Tätigkeiten hineinversetzen. Dann tritt das majestätische Bauwerk in den Hintergrund, und es wird zur Bühne.
Steht ein Betrachter heute auf der dem Forum Romanum zugewandten Terrasse des Palatins, zwischen den barocken Vogelhäusern der Horti Farnesiani, kommt er in einen ganz ähnlichen Genuss. Entlang der Via Sacra pressen sich die Touristengruppen aneinander vorbei, doch die Maxentius-Basilika scheint ein unauffälliger Riese am Wegesrand zu sein, dem nur Einzelne ihre Aufmerksamkeit schenken. Der Blick fällt in die nördliche Raumreihe, bestehend aus drei 25 Meter hohen Tonnengewölben mit imposanten Kassettendecken. Während die seitlichen Joche gerade, von Rundbogenfenstern durchbrochene Rückwände haben, schließt das mittlere Joch eine Apsis – denn in ihrer Flucht trat man in der Antike von der Via Sacra kommend ins Gebäude ein. Das 35 Meter hohe Mittelschiff ist zerstört, genauso wie die südliche Raumschiene, aber schon das übriggebliebene Drittel des Baus verzwergt jedes umstehende Gebäude, ganz zu schweigen von den Menschen, die ihn besichtigen.
Eine Handvoll dieser Figuren steht im Schatten der drei Bögen und führt das altbekannte Theaterstück des Tourismus auf: „Gibt’s ja gar nicht!“, im Hohlkreuz stehend und mit überstrecktem Nacken, „Wie war das nur? Warum haben sie? Wofür diente?“ Ausladende Finger-zeige, erklärendes Sich-Hinabbeugen zu abgelenkten Kindern. Eine andere Gruppe rastet auf Stufen, die Basilika im Rücken, und schaut verträumt auf den grünen Palatin. Dort steht der Betrachter und entdeckt auf den zweiten Blick tatsächlich eine Bühne unter dem mittle-ren Bogen, filigran, fast mimetisch. Hinab, schauen wir uns das genauer an!
Von unten erscheint die Ruine der Maxentius-Basilika als riesiges Bühnenhaus, und als solches wurde sie auch in der Vergangenheit immer wieder genutzt. In den späten 1970er Jahren zum Beispiel rief der junge kommunistische Kulturdezernent Renato Nicolini die „Estate Ro-mana“ ins Leben, ein diffuses Kunstfestival, das zum Ziel hatte, antike Stätten den Bürgern zurückzugeben, Römer aus der Peripherie ins Zen-trum zu locken, aber auch Kultur in die Peripherie zu tragen, und dem Schrecken der „Bleiernen Jahre“ eine Feier der Lebensfreude entgegenzusetzen. „Il Massenzio“, wo Kinoabende, Konzerte und Theateraufführungen stattfanden, wurde zur Chiffre des Kunstfests.
In diese Tradition stellte sich der Archäologische Park des Kolosseums, als er beim römischen Architekturbüro Alvisi Kirimoto eine Bühne für die Basilika in Auftrag gab. Das Team um Massimo Alvisi, Junko Kirimoto, Sara Ciarimboli und Roberto Fioretti entwarf in enger Abstimmung mit den Architekten, Archäologen und Denkmalpflegern des Archäologischen Parks eine zurückhaltende, unaufdringliche Struktur, die sich dem Monument unterordnet. Der besondere Kontext zwingt zu Einfallsreichtum, so besteht die Fundamentierung nicht aus Beton, sondern aus Puzzolanerde und Kalk – back to the roots, gewissermaßen. Das stählerne Gerüst trägt einen Boden aus quadratischen Holzplatten, was die unkomplizierte Erneuerung jeder einzelnen Platte ermöglicht. Holz, seit jeher das Material der Wahl für Bühnen, bietet die nöti-ge Flexibilität für Tanzperformances, bringt die richtigen akustischen Eigenschaften für Konzerte mit und hat den ästhetischen Vorteil, dass es sich durch seine Verwitterung der Patina des antiken Baus anpasst. Rechter Hand ermöglicht eine Rampe Barrierefreiheit, während die Stufen an der Frontseite die klassische Form des Podiums aufgreifen und zugleich als Sitzgelegenheit für diejenigen dienen, die dem Blick auf die Basilika jenen auf den Palatin vorziehen. So ist eine schlichte, reversible und multifunktionelle Bühne entstanden, die sowohl den Besuchern erstmals seit langer Zeit den Schritt unter das Gewölbe ermöglicht als auch Veranstaltungen kommender römischer Sommer aufnehmen kann – das Orchester der Accademia di Santa Cecilia und die Oper haben sich bereits angemeldet.
Ist einem Ort das Leben erst einmal entwichen, hat man große Mühe, es ihm wieder einzuhauchen; ein Gleichgewicht zwischen Erhalt und Gebrauch zu finden, ist ein Drahtseilakt, erst recht bei einer Weltkulturerbestätte wie dem Forum Romanum. Mit der Bühne von Alvisi Kirimoto und den sommerlichen Kulturveranstaltungen scheint es dem Archäologischen Park des Kolosseums gelungen zu sein, ein museales Stück der Stadt abseits des Fremden-verkehrs dem Alltag der Bürger Roms geöffnet zu haben.



Fakten
Architekten Alvisi Kirimoto, Rom
Adresse Clivo di Venere Felice, 00186 Roma RM, Italien



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