Architekturgeschichten aus China
Im Herbst 2001 machten die Aedes-Ausstellung „TUMU“ und eine Bauwelt-Ausgabe erstmals junge chinesische Architekturbüros international sichtbar, darunter spätere Pritzker-Preisträger wie Wang Shu und Liu Jiakun. 25 Jahre später richtet der Mitkurator den Blick zurück – und zugleich nach vorne.
Text: Kögel, Eduard, Berlin
Architekturgeschichten aus China
Im Herbst 2001 machten die Aedes-Ausstellung „TUMU“ und eine Bauwelt-Ausgabe erstmals junge chinesische Architekturbüros international sichtbar, darunter spätere Pritzker-Preisträger wie Wang Shu und Liu Jiakun. 25 Jahre später richtet der Mitkurator den Blick zurück – und zugleich nach vorne.
Text: Kögel, Eduard, Berlin
1999 trafen sich die Architekten der Welt auf dem UIA-Kongress in Peking. Die westlichen wie die lokalen Medien vermittelten damals von chinesischer Architektur vor allem das Bild riesiger Bauvolumen und immer neuer Quadratmeter. Architektonischer Eigensinn oder Qualität war nicht so leicht erkennbar. Die staatlichen Großbüros hatten im Zuge der wirtschaftlichen Liberalisierung seit den 1980er Jahren neue Bauten und Stadtteile in hoher Geschwindigkeit und mit einfachsten Standards realisiert. Das Know-how kam mit dem Tun, und der Zeitdruck bestimmte die Qualität. Den UIA-Kongress nutzten die Großbüros als Plattform, auf der sie sich mit Publikationen und Ausstellungen präsentierten. Zu sehen war vor allem ein segregierter Urbanismus mit gefliesten Kubaturen, präsentiert in neuartigen CAD-Renderings. Allerdings eröffnete die damalige Liberalisierung des Dienstleistungssektors die Möglichkeit für ausländische und private Architekten in Kooperation mit staatlichen Büros Projekte zu realisieren.
Eine Entdeckung
„Als die Berliner Galerie Aedes 2001 erstmals darüber berichtete, war das eine Sensation“, schrieb Roman Hollenstein 2007 im Rückblick in der Neu-en Zürcher Zeitung. Gemeint war die von mir und Ulf Meyer kuratierte Ausstellung „TUMU – Young Architecture of China“, in der wir fünf Architekturbüros und einen Künstler präsentierten. Sie realisierten jenseits des damaligen Mainstreams eigene Ideen, die sich an lokalen Möglichkeiten und am internationalen Diskurs orientierten. Seitdem hat Aedes mehr als 25 Ausstellungen mit chinesischen Büros gezeigt und das Architekturforum in Berlin damit zur wichtigsten Plattform außerhalb der Volksrepublik gemacht.
In der ersten Ausstellung waren die beiden späteren Pritzker-Preisträger Wang Shu (2012) und Liu Jiakun (2025) vertreten, ebenso der heute zwischen Berlin und Portugal pendelnde Künstler Ai Weiwei, der mit seinem Werk immer wieder Kontroversen auslöst. Weitere Teilnehmer waren junge Architekten der Universität in Nanjing sowie Ma Qingyun, der ab 2007 für zehn Jahre als Dean an der USC School of Architecture in Los Angeles wirkte, und Yung Ho Chang, später Dean am MIT in Boston und heute Professor an der University of Hong Kong. Letzterer schlug den Ausstellungstitel tŭ mù (Erde und Holz) vor. Diesen historischen Begriff für Architektur ersetzte im 20. Jahrhundert das technisch konnotierte jiànzhú. In tŭ mù spiegelt sich insbesondere die chinesische Vorstellung von historischen Baumaterialien und damit von Tradition wider. Der Begriff stand deshalb unterschwellig im Widerspruch zur gängigen Praxis und hob die jungen Studios von den staatlichen jiànzhú-Architekten ab.
„Als die Berliner Galerie Aedes 2001 erstmals darüber berichtete, war das eine Sensation“, schrieb Roman Hollenstein 2007 im Rückblick in der Neu-en Zürcher Zeitung. Gemeint war die von mir und Ulf Meyer kuratierte Ausstellung „TUMU – Young Architecture of China“, in der wir fünf Architekturbüros und einen Künstler präsentierten. Sie realisierten jenseits des damaligen Mainstreams eigene Ideen, die sich an lokalen Möglichkeiten und am internationalen Diskurs orientierten. Seitdem hat Aedes mehr als 25 Ausstellungen mit chinesischen Büros gezeigt und das Architekturforum in Berlin damit zur wichtigsten Plattform außerhalb der Volksrepublik gemacht.
In der ersten Ausstellung waren die beiden späteren Pritzker-Preisträger Wang Shu (2012) und Liu Jiakun (2025) vertreten, ebenso der heute zwischen Berlin und Portugal pendelnde Künstler Ai Weiwei, der mit seinem Werk immer wieder Kontroversen auslöst. Weitere Teilnehmer waren junge Architekten der Universität in Nanjing sowie Ma Qingyun, der ab 2007 für zehn Jahre als Dean an der USC School of Architecture in Los Angeles wirkte, und Yung Ho Chang, später Dean am MIT in Boston und heute Professor an der University of Hong Kong. Letzterer schlug den Ausstellungstitel tŭ mù (Erde und Holz) vor. Diesen historischen Begriff für Architektur ersetzte im 20. Jahrhundert das technisch konnotierte jiànzhú. In tŭ mù spiegelt sich insbesondere die chinesische Vorstellung von historischen Baumaterialien und damit von Tradition wider. Der Begriff stand deshalb unterschwellig im Widerspruch zur gängigen Praxis und hob die jungen Studios von den staatlichen jiànzhú-Architekten ab.
Die von mir gemeinsam mit Ulf Meyer und Peter Rumpf editierte Bauwelt-Ausgabe 35.2001, die Ausstellung selbst und der Aedes-Katalog machten zum allerersten Mal eine unabhängige Szene in China sichtbar, die sich mit dem aufkommenden Internet schnell im globalen Echoraum etablieren konnte.
Und seitdem?
Bald schon präsentierten die chinesischen Fachmagazine auch die unabhängigen Architekten und bezogen sie in die fachlichen Diskurse ein. Sie wurden zu Kulturbotschaftern und Repräsentanten für eine neue Baukultur. Da die Aufgaben endlos schienen und der Zugang zu Projekten auch für junge Absolventen relativ einfach war, entwickelte sich rasch eine breite Szene, die nach authentischen Lösungen suchte. Einige etablierten sogar Zweigbüros in den USA oder in Europa, andere fanden Nischen im ländlichen Raum.
Bald schon präsentierten die chinesischen Fachmagazine auch die unabhängigen Architekten und bezogen sie in die fachlichen Diskurse ein. Sie wurden zu Kulturbotschaftern und Repräsentanten für eine neue Baukultur. Da die Aufgaben endlos schienen und der Zugang zu Projekten auch für junge Absolventen relativ einfach war, entwickelte sich rasch eine breite Szene, die nach authentischen Lösungen suchte. Einige etablierten sogar Zweigbüros in den USA oder in Europa, andere fanden Nischen im ländlichen Raum.
2014 rief der Staatspräsident Xi Jinping, nicht zuletzt mit Blick auf das CCTV-Gebäude von Rem Koolhaas, zum Ende einer „weird architecture“ auf und forderte mehr Tradition. Der erzwungene Traditionsbezug war bereits in den 1990er Jahren beim Bürgermeister von Peking, Chen Xitong, ein Thema und führte zu grotesken Pavillons auf den Dächern der Hochhäuser, die ihm den Beinamen Hütchen-Chen eintrugen, aber keinen qua-litativen Fortschritt bewirkten.
Mit der Corona-Pandemie und dem Zusammenbruch der Immobilienmärkte ab 2021 – heute sind drei Viertel der Bauträger zahlungsunfähig – haben sich die Rahmenbedingungen noch einmal grundlegend geändert. Das hat Auswirkungen auf die staatlichen wie die privaten Akteure. Die ersteren konkurrieren heute auch um kleine Projekte und letzteren fehlt oft das große politische Netzwerk, über das Projekte akquiriert werden können. Zudem bevorzugt der Staat mit seiner „Made in China Strategie“ die staatlichen Akteure, was den unabhängigen Architekten die Akquise erheblich erschwert.
Gerade deshalb macht die mit jüngeren Büros aus China kontinuierlich gewachsene Präsenz im globalen Austausch eine weitere Auseinandersetzung unumgänglich, für die sich das Architekturforum Aedes schon lange qualifizierte. Zum 25-jährigen Jubiläum der ersten Ausstellung wird vom 4. Juli bis 19. August die Ausstellung A Structure of Feeling zu sehen sein, für die der Kurator Gao Changjun zwölf Projekte von neun Büros sowie Arbeiten mehrerer Künstlerinnen und Künstler auswählte, die einen Blick auf den Stand der Dinge werfen – und zeigen, wie Architektur heute auf veränderte Bedingungen reagiert.







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