Grundschule in Potsdam
In Potsdam Krampnitz trifft eine ehemalige Kaserne auf Neubau: AFF Architekten haben hier eine Grundschule mit Kita, Hort und Sporthalle realisiert. Zwischengenutzt wird sie bereits und bald kommen auch die künftigen Bewohner ins Viertel.
Text: Reinfant, Christina Marie,
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Die Cluster-Schule erhebt sich hinter einer einstigen Kaserne am See.
Foto: Tjark Spille
Die Cluster-Schule erhebt sich hinter einer einstigen Kaserne am See.
Foto: Tjark Spille
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Das Quartier ist noch im Entstehen begriffen.
Foto: Tjark Spille
Das Quartier ist noch im Entstehen begriffen.
Foto: Tjark Spille
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Aus dem Klassenraum in die Welt blicken – Raumfolgein der Potsdamer Cluster-Schule von AFF
Foto: Tjark Spille
Aus dem Klassenraum in die Welt blicken – Raumfolgein der Potsdamer Cluster-Schule von AFF
Foto: Tjark Spille
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Der Neubau wurde als Stahlbeton-Skelett mit vorgefertigten Holzrahmenelementen ...
Foto: Tjark Spille
Der Neubau wurde als Stahlbeton-Skelett mit vorgefertigten Holzrahmenelementen ...
Foto: Tjark Spille
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... und einer Ziegelfassade richtet.
Foto: Tjark Spille
... und einer Ziegelfassade richtet.
Foto: Tjark Spille
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Blick in die Mensa
Foto: Tjark Spille
Blick in die Mensa
Foto: Tjark Spille
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Die Klassenräume und Multifunktionsflächen stehen über riesige Bullaugen miteinander in Blickbeziehung.
Foto: Tjark Spille
Die Klassenräume und Multifunktionsflächen stehen über riesige Bullaugen miteinander in Blickbeziehung.
Foto: Tjark Spille
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Das Motiv findet sich auch ...
Foto: Tjark Spille
Das Motiv findet sich auch ...
Foto: Tjark Spille
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... im Treppenhaus wieder.
Foto: Tjark Spille
... im Treppenhaus wieder.
Foto: Tjark Spille
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Die Drei-Feld-Sporthalle ...
Foto: Tjark Spille
Die Drei-Feld-Sporthalle ...
Foto: Tjark Spille
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... liegt im Gelände versenkt.
Foto: Tjark Spille
... liegt im Gelände versenkt.
Foto: Tjark Spille
In meiner Grundschulsporthalle tropfte es. Immer wenn es regnete, mussten Eimer aufgestellt werden. Jetzt könnte hier von einem Einzelfall gesprochen werden, und doch wissen wir alle: Das ist nicht so. Eigentlich hat die Politik das flächendeckende Problem auch erkannt, dennoch dauert es vielerorts lang, bis eine neue Schule das Licht der Welt erblickt oder eine alte saniert wird. In Potsdam jedoch ist es soweit: Im Stadtteil in Krampnitz wurde im August 2025 eine Compartmentschule fertiggestellt – die erste in Brandenburg. Sie ist damit nicht nur ein neuer Schulbau, sondern auch ein früher Baustein für ein Quartier, das noch im Entstehen ist.
Was mit einem glücklichen Los für AFF Architekten im Wettbewerbsverfahren begann, mündete 2019 in der Beauftragung. Heute steht eine Grundschule für bis zu 600 Schulkinder, ein Hort für 450 Schüler der Klassen 1–6 und eine Kita für 175 Kinder bereit.
Die Schule befindet sich auf dem ehemaligen Kasernenareal der Heeres-Reit- und Fahrschule im Norden Potsdams. Es liegt zwischen der Döberitzer Heide, dem Fahrlander See und dem Krampnitzsee. Bei winterlichen Bedingungen, zumal im derzeit noch kargen Ausbauzustand der Umgebung, scheint es nach Einöde. Im Frühjahr und Sommer dafür inmitten der blühenden Natur dürfte sich das ändern. Aktuell ist das Quartier noch ein Ort im Übergang mit zahlreichen Baustellen, doch im Zentrum steht bereits die neue Schule: sichtbarer Vorgriff auf eine hoffnungsfrohe Zukunft. In geraumer Zeit soll das Quartier per Straßenbahn aus der Potsdamer Innenstadt erreichbar sein. Noch ist es eine kleine Reise bis zum neuen Stadtquartier Krampnitz, das das Zuhause für etwa 10.000 Menschen werden soll. Für dieses Jahr ist der Erstbezug für Bewohner geplant.
Kaserne, Schule, Wohnstandort
Der denkmalgeschützte Bestand des alten Militärgeländes wurde 1937 bis ‘39 errichtet, ab April 1945 von sowjetischen Truppen besetzt und seit Ende 1991 liegt es brach. Die Kasernen sind als homogene Riegel- und Satteldachtypologie in rotem Backstein ausgeführt. Der Zustand einiger Bauten ist kritisch. Im Zuge der Quartiersentwicklung werden sie gesichert und erweitert.
Der neue Bildungskomplex aus zwei Altbauten und einem Neubau dient als Modellprojekt für die Instandsetzung der gesamten Anlage. Auch die Substanz der Heeresschule war stark geschädigt, sodass eine umfangreiche Sanierung erforderlich war. Die Gebäude wurden bauphy-sikalisch ertüchtigt, die Deckenkonstruktion mit gezielten Betonsanierungen erhalten sowie der Dachstuhl ausgebessert und das Dach neu eingedeckt. Aufbauten, Putze und Fassaden-Bekleidungen wurden großflächig beseitigt; fortan hält die neue Innendämmung die Gebäude warm. In das südliche Bestandsgebäude soll die Kita mit Krippe einziehen, im nördlichen ist unter anderem die Küche der Mensa untergebracht.
Dem Sanierungsprozess und seinem Resultat lag eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Architekturbüro und der Denkmalschutzbehörde zugrunde. Im Ergebnis trägt besipielsweise die Fassade weiterhin ihr ursprüngliches Erscheinungsbild. Die dabei zum Einsatz gekommenen Techniken und Gestaltungsmittel dienen als Grundlage für die Sanierungen der Umgebungsbauten. Auch die vorhandenen Treppenaufgänge – schon einst in Fertigteilbauweise errichtet – sind gut erhalten, lediglich neuere Farbschichten wurden entfernt und die Treppenhäuser möglichst in den Ursprungszustand versetzt.
Das Besondere an der Grundschule ist der gelungene Spagat zwischen Bestand und Neubau, zwischen den Anforderungen an einen zeitgemäßen Schulbau und der Denkmalwahrung; nicht zu vergessen die einfallsreiche Raumaufteilung. Der Bau vermittelt über seine Bildungsfunktion hinaus auch städtebaulich und denkmalpflegerisch Qualitäten. Mit ihrem Erweiterungsbau wahren AFF den städtebaulichen Charakter des Areals, schlagen eine nicht nur sinnbildliche Brücke zum Bestand und erfüllen zeitgemäße Anforderungen an Schule. Der gleichberechtigte respektvolle Umgang mit diesen Aspekten ist spürbar. Dazu tragen die vom Bestandsgebäude ins-pirierte Ziegelfassade, die Wahl der Dachkons-truktion oder auch die modulare Bauweise bei. Der Neubau übernimmt zudem die giebelständige, kleinmaßstäbliche Baustruktur der umliegenden Gebäude.
Neue Mitte mit Perspektive
Mittig vor den Bestandsgebäuden stehend fällt der Blick entweder auf die Außenspiel- und Sportanlagen des Schulkomplexes oder, um 180 Grad gedreht, auf den etwas höher gelegenen Eingangsbereich. Letzterer soll Herzstück der Schulgemeinschaft werden, der zentrale Ankunfts- und Begegnungsort. Die Anordnung der Bauten erzeugt ein schützendes und heimeliges Gefühl auf dem Platz, der sogenannten Agora. Diese Agora fließt zudem durch bodentiefe Fenster förmlich in das Gebäude hinein: in die Mensa, die Aula und das Foyer. Das Foyer kann gleichzeitig zur Tribüne der Sporthalle umgewandelt werden, die sich im Untergeschoss befindet. Mit einem externen Eingang ermöglicht sie eine Doppelnutzung: tagsüber für den Schulsport und am Abend für Vereine.
Bei der Gestaltung der Innenräume fanden unter anderem Beton, Holz, Holzwolle- und Ze-mentspanplatten sowie Linoleum in gedeckten Farben Verwendung. Für die Oberflächen bringt dies Robustheit und Langlebigkeit mit sich. Dass der Gebäudekomplex mit nur wenigen Einbaumöbeln übergeben wurde, eröffnet Flexibilität für die Nutzerinnen, dennoch hätten ein paar mehr gut gestaltete Objekte sicherlich zu mehr Ruhe beigetragen.
Die zwei ineinandergreifenden Cluster-Grundrisse – jeweils gespiegelt angeordnet – leben vom Zusammenspiel aus Klassenzimmer, Gruppen- und Horträumen mit lichtdurchfluteten Lernzonen als verbindendem Zentralraum. Sie sind Lern- und Spielort vor wie auch nach dem Mittag. Die Cluster bieten reichlich Platz für neue Lehr- und Kommunikationskonzepte, Experimentiermöglichkeiten, Bewegung und Stille. Außerdem kann der Unterricht auf Lernterrassen verlegt werden; wobei einige davon im Laufe des Prozesses zur Dachbegrünung umgewidmet wurden.
Hoffentlich müssen künftig in Krampnitz keine Eimer während des Sportunterrichts aufgestellt werden. Die soziale Infrastruktur im Blick zu behalten, sollte eigentlich „the bare minimum“ in einem Sozialstaat sein. In Krampnitz kommt dabei noch etwas hinzu: Die Schule reagiert nicht nur auf einen bekannten Mangel, sondern ist der Nährboden für einen neuen Stadtteil, Vorreiterin. Sie könnte nicht nur den Bedarf der Gegenwart decken, sondern ist wandlungsfähig genug, um nachfolgenden Generationen zu genügen.
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