Bauwelt

Erlebnismuseum Perlmutter in Adorf


Eine Gruppe von Fachwerkhäusern, unmittelbar an der Stadtmauer des vogtländischen Adorf gelegen, befand sich jahrelang in argem Bauzustand. Die Transformation zu einem außergewöhnlichen Museums-Ensemble gelang im engagierten Zusammenwirken von örtlichen Akteuren und Schulz und Schulz Architekten.


Text: Menting, Annette, Leipzig


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    Das Museum tritt mit einem doppelt gekrümmten Monumentaldach auf ...
    Foto: Gustav Willeit

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    Das Museum tritt mit einem doppelt gekrümmten Monumentaldach auf ...

    Foto: Gustav Willeit

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    ... – es erinnert an die nach außen raue Schale der Flussmuschel.
    Foto: Gustav Willeit

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    ... – es erinnert an die nach außen raue Schale der Flussmuschel.

    Foto: Gustav Willeit

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    Neu- und Altbau verzahnen sich. Das Fachwerk und der holzgeschalte Beton ...
    Foto: Gustav Willeit

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    Neu- und Altbau verzahnen sich. Das Fachwerk und der holzgeschalte Beton ...

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    ... ergänzen einander wie zwei Blickwinkel auf ein und dieselbe Sache.
    Foto: Gustav Willeit

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    ... ergänzen einander wie zwei Blickwinkel auf ein und dieselbe Sache.

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    Die klare und zurückhaltende Gestaltung hält Raum für Akzente der Historie.

    Foto: Gustav Willeit

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    Die klare und zurückhaltende Gestaltung hält Raum für Akzente der Historie.

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    Ein Wasserspiel vor dem Eingang ...
    Foto: Gustav Willeit

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    Ein Wasserspiel vor dem Eingang ...

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    ... verweist auf den Lebensraum der Perlmutt-Muscheln, Bäche.
    Foto: Gustav Willeit

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    ... verweist auf den Lebensraum der Perlmutt-Muscheln, Bäche.

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    Die Ausstellung des Perlmutter-Museums ...
    Foto: Gustav Willeit

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    Die Ausstellung des Perlmutter-Museums ...

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    ... vermittelt handwerkliche, ...
    Foto: Gustav Willeit

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    ... kulturelle ...
    Foto: Gustav Willeit

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    ... und ökologische Zusammenhänge.
    Foto: Gustav Willeit

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    ... und ökologische Zusammenhänge.

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Die Idee zu einem Museum für Perlmutt im vogtländischen Adorf entstand bereits vor dreißig Jahren, als der Leiter des Heimatmuseums entschied, dass sein Haus eine Schwerpunktsetzung für die zukünftige Ausrichtung in der wachsenden Museumslandschaft benötige. Er konzentrierte sich auf die Sammlung von Perlmutt-Objekten, deren Fertigung bis Anfang des 20. Jahrhunderts mit wirtschaftlichem Erfolg für den Ort verbunden war. Früher gab es lediglich ein samtblaues Museumskabinett mit 35 Exponaten wie Schmuck und Zierrat, die aus den geschlif-fenen Schalen der Flussperlmuscheln in den heimischen Manufakturen gefertigt worden waren. Da die Sammlung auf 2500 Exponate angewachsen war, wurden zusätzliche Ausstellungsflächen benötigt, und die kleine Landstadt wollte einen architektonischen Akzent setzen.
Der Strukturwandel mit demografischen Veränderungen und rückläufigen Einwohnerzahlen ist herausfordernd, daher verfolgen der Bürgermeister und der Stadtbaumeister vielfältige Strategien für die Revitalisierung der Gemeinde im Grenzgebiet zu Tschechien. Der Museums-Umbau wurde möglich, weil er sorgfältig entwickelt und als „Nationales Projekt des Städtebaus“ ausgezeichnet wie auch gefördert wurde. In einem Architekturwettbewerb fiel die Entscheidung 2020 einstimmig für den Entwurf von Schulz und Schulz Architekten.
Das Adorfer Museum thematisiert nicht nur das Perlmutter-Handwerk, sondern auch jenes der Perlmuschelfischerei sowie die einst in den Gewässern der Weißen Elster beheimatete Flussperlmuschel an sich. Seit der Industrialisierung wurde der Lebensraum der Muschel durch das Einleiten von Abwässern in die Flüsse stark beeinträchtigt; inzwischen steht sie auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Ihre besonderen Lebensweisen und Vorkommen, die Begehrlichkeit der äußerst seltenen Perlen und die Verarbeitung ihrer Schalen zu Perlmutt-Schmuckstücken entfalten ein facettenreiches Thema. Die Wissensvermittlung und Ausstellung besitzen in diesem Zusammenhang im Kontext von Biodiversität und Naturschutz aktuelle Relevanz.
Für die Erweiterung des Heimatmuseums, das sich in einem historischen Stadttor befindet, war ein nur notdürftig gesicherter Fachwerkbau vorgesehen. Durch die Umnutzung sollten Instandsetzung und Erhalt ermöglicht werden. Die Verbindung von Stammhaus und Erweiterung war in Form einer Lückenbebauung vorgesehen. Das Museums-Ensemble belegt somit zu zwanzig Prozent einen Neubau und zu achtzig Prozent den Altbau. Funktional bildet der Neubau den Museumseingang, nimmt Räume für Sonderausstellungen auf und dient als Treppen- und Verbindungsraum. Die Architekten nahmen eine kräftige Setzung innerhalb des Ensembles vor, indem der neue Baukörper von der Bauflucht abweicht und oberhalb des Erdgeschosses plastisch stark hervortritt. Diese markante Form rea-giert auf die zentrumsabgewandte Lage des Eingangs. Mit der offensiv-einladenden Geste entsteht ein überdachter Vorplatz, der durch die gläserne Eingangsfront, Freianlagen, Stufen und die Einbettung von Wasserelementen eine angenehme räumliche Präsenz entfaltet. Zur Einstimmung auf den Museumsbesuch rinnt Wasser – Abbildung des Lebensraums der Muschel – feinfühlig inszeniert über den Baukörper, wird in einer Rinne gesammelt und fällt schließlich in ein langgestrecktes Wasserbecken.
In seiner Materialität setzt sich der Neubau gegenüber den umgebenden Fachwerkbauten deutlich ab: Die schalungsrauen Sichtbetonflächen stellen einen Bezug zwischen Flussperlmuschel-Exponaten und Museumsgebäude her. Dabei greift die graue Fassade nicht die Eleganz des Perlmutts auf, sondern verweist auf die Eigenart der äußeren Muschelschale. Das Wasser, das über die doppelt gekrümmte Betonfläche fließt, wird ihre Erscheinung allmählich verändern. Dieser Wandlungsprozess ist von den Architekten gewollt – analog zur Veralgung der Muschel im Fließgewässer. Erst im Innern wird das schimmernde Perlmutt sichtbar. Das Nebeneinander von Fachwerkhäusern und Betonkörper ist von einer gewissen Herbheit geprägt. Zugleich rea-giert das Implantat präzise auf Trauf- und Gesimshöhen der Nachbarbebauung und führt den massiven Sockel des Stadttors weiter. Im städ-tischen Gefüge wirkt der Neubau wie ein eigenwilliges Kleinod und weckt Interesse an seinem Inneren.
Auch dort begegnet man einer auffälligen Rauheit, da in dem hell gehaltenen Foyer ein Teil der historischen Stadtmauer integriert und über einen kleinen Lichthof gestalterisch akzentuiert ist. Über einen Aufzug oder die Treppe gelangt man ins oberste Dachgeschoss, um den Ausstellungsrundgang im Bestandsbau von oben nach unten zu beschreiten. Hier sind das Fachwerk und die Reparaturspuren mit angelaschten und ausgewechselten Balken sichtbar, wodurch die Geschichte des Hauses lesbar bleibt. Die hervorragende Arbeit des regionalen Handwerks wird bei den instandgesetzten Holzkonstruktionen anschaulich. Neben dem Umgang mit dem Bestand zeugt auch die sorgfältige Herstellung der doppelt gekrümmten Betonfläche von handwerklichem Engagement. Der Betonbau-Polier hatte vorbereitend für den Schalungsbau ein Modell der Hyparschale gebaut, um die Arbeiten in hoher Qualität auszuführen zu können.
In Adorf ist man zu Recht stolz auf die neue Ausstellung, die Transformation und den Entstehungsprozess des neuen Museumsensembles, der von vielen getragen wurde: von der engagierten Kommune, dem Stadtrat und einem Förderverein. Die Architekten verweisen mit ihrem Entwurf auf das ganzheitliche Anliegen des Museums vom Perlmutter-Objekt bis zur natürlichen Umwelt. Für die Eingangstür konzipierten sie einen Bronzehandgriff in Form einer Bachforelle und bringen so auch das Wirtstier der Flussperlmuschel-Larve in die Erzählung ein. Die Begeisterung für das schimmernde Material, der sogenannte Perlmutter-Virus, wurde weitergetragen – ins Museum und aus ihm hinaus. Der Umbau hat das Interesse für die alte Handwerkskunst, die Muscheln und ihre Schätze vor Ort wiederbelebt und überregionales geweckt.



Fakten
Architekten Schulz und Schulz Architekten, Leipzig
Adresse Graben 2, 08626 Adorf/Vogtland



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