Bauwelt

Munich – From the Room to the City

Urbanity and Complexity

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin

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Munich – From the Room to the City

Urbanity and Complexity

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin

Welch schönes Buch! Und welch ein Resümee aus 13 Jahren Lehre! Mit „Munich – From the Room to the City. Urbanity and Complexity“ gewähren Stephen Bates und Bruno Krucker großzügige Einblicke: in eine „europäische Stadt“ ebenso wie in die über Jahre geführte Auseinandersetzung mit dieser, ihren Räumen und Häusern und Zimmern, am gemeinsamen Lehrstuhl an der Münchener TU. So viel Aufmerksamkeit und Zugewandtheit manifestieren sich auf diesen über 330 Seiten, dass man das Buch schon heute als eine der schönsten, lesens- und betrachtenswertesten Veröffentlichungen des Jahres rühmen darf.
Das Buch springt vom großen Maßstab zum kleinen, vom Plan zum Foto zum Text – zum Brief, zum Gespräch –, vom Zentrum an den Rand und vom Steinernen ins Grüne, von den Plätzen in die Höfe und Passagen, es taucht ab in den Münchener Untergrund und klettert die knarzenden Holztreppen von Schwabings Wohnhäusern hinauf, um Fischers Stadtplanung bis in die Esszimmer-Erker nachzuspüren – kurz: es ist eine Entdeckungsreise, auf die uns die beiden Architekten und Lehrer da mitnehmen, eben vom Zimmer in die Stadt und wieder zurück. Schon die Titel der einzelnen Sequenzen machen die Gründlichkeit und Neugierde spürbar, mit der die beiden ihr Studio auf die ihnen zuvor kaum bekannte urbane Umgebung ausgerichtet haben: „Re-use, re-construction, Re-interpretation, Re-imagining“ lautet der Start, und der liegt naheliegenderweise im Zentrum, bei einer Schadenskarte aus dem Jahr 1945, und dem, was die Architekten der 50er Jahre – Döllgast, Ruf, Wiedemann und andere – aus dieser Ruinenlandschaft gemacht haben. Im Kapitel „Big Form – Monumental – Uniformität – Bold“ geht es durch den bescheidenen Großblock der Borstei von Bernhard Borst zu Heinrich Wolffs Untergiesinger Wohnanlage mit ihrem eigenwilligen Putz; durch die Gewölbe der Arkade des Technischen Rathauses von Hermann Leitenstorfer hinab in den Regenwasserspeicher unter der Schenkendorfstraße und raus in die Parkdecks des Olympischen Dorfs. „Fragments – Palimpsest – Trasse – Disruption“ wartet dann auf mit den Grundrissen von Meitingers Hochbunkern aus dem Zweiten Weltkrieg, bevor „Dreams – Adaptation – Exchange – Origins“ als Reflexion über das Fremde und dessen Eingliederung in die Stadt zum Eigenwillen des städtischen Lebens im Abschnitt „Improvisation – Everyday – Temporal – Ephemere“ leitet. „Fabric – Connecting – Rooms – Block" beschließt den Band dann mit einem Besuch von Döllgasts Wohn- und Atelierhaus. Ja, das Buch ist auch ein Architekten-Buch – und ein Foto-Buch: die Aufnahmen von Simon Burko, der die aufgesuchten Bauten porträtiert hat, tragen den Betrachter noch mal auf eigenen Wegen durch die bayrische Hauptstadt.
Der Reichtum der Darstellung resultiert aus dem, was seit 2009 an diesem anglo-helvetischen Lehrstuhl erarbeitet wurde: von den Erdgeschossen, die die Studenten für den "München-Plan" zu zeichnen hatten, über die Modelle, mit denen sie Eingangs- und Übergangsräume nachbauten, bis hin zu den Bauten-Analysen für das Gebäuderegister. Was hier vorliegt, ist ein Material-Fundus, aus dem sich schöpfen lässt, von allen, die im städtischen Kontext arbeiten, in München und anderswo. Und wer das nicht tut, wird das Buch trotzdem mit Gewinn studieren – und sei es nur, um die eigene Stadt aufmerksamer wahrzunehmen.
Fakten
Autor / Herausgeber Stephen Bates und Bruno Krucker
Verlag Park Books, Zürich 2023
Zum Verlag
aus Bauwelt 13.2023
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