Still ruht der See

Im Januar wurde die Bundesstiftung Bauakademie gegründet, die als Trägerorganisation für den Wiederaufbau des Baus fungiert. Was ist der Stand der Dinge?

Text: Schulz, Bernhard, Berlin

    Die fünf Mitglieder des Stiftungsrates der Bundesstiftung Bauakademie aus dem Bundestag
    Abb.: Website des Deutschen Bundestags

    Die fünf Mitglieder des Stiftungsrates der Bundesstiftung Bauakademie aus dem Bundestag

    Abb.: Website des Deutschen Bundestags

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    Abb.: Website des Deutschen Bundestags

Still ruht der See

Im Januar wurde die Bundesstiftung Bauakademie gegründet, die als Trägerorganisation für den Wiederaufbau des Baus fungiert. Was ist der Stand der Dinge?

Text: Schulz, Bernhard, Berlin

Im Februar hatte Gunther Adler als Staatssekretär einen letzten Auftritt in Sachen Bauakademie. Am 1. März dann nahm er am Schreibtisch des Arbeitsdirektors der Autobahn GmbH des Bundes Platz – Lohn für eine geschmeidige Politikerkarriere, die ihm zuletzt, als er sich von Innenminister Horst Seehofer klaglos in die Ecke stellen ließ und am Ende doch den Sieg davontrug, bundesweite Aufmerksamkeit und Achtung eintrug. Doch nun ist die treibende politische Kraft hinter dem Wiederaufbau der Berliner Bauakademie eben weg. Anfang Januar, so hatte Adler bei besagtem Auftritt in der Akademie der Künste geplaudert, ist die Gründung der Bundesstiftung Bauakademie notariell besiegelt worden – sollte heißen: Es geht alles seinen geplanten Gang.
Die Verfahrensmühlen mahlen langsam. Zunächst muss sich der Stiftungsrat konstituieren. Er besteht, wie das federführende Bundesinnenministerium (BMI) mitteilte, aus mindestens 9 und höchstens 14 Mitgliedern; fünf aus dem Deutschen Bundestag, je eines aus dem BMI selbst sowie aus dem Bundesfinanzministerium, dem Auswärtigen Amt und eines vom Land Berlin entsandt. Bis zu fünf weitere Mitglieder kann der Stiftungsrat „auf Zeit kooptieren“. Hat sich der Stiftungsrat konstituiert – das soll bis Ende Mai erfolgen –, muss er über das Verfahren zur Berufung des Vorstandes befinden. „Nach Bestellung der Gründungsdirektion“ – so das BMI – „wird deren vordringliche Aufgabe sein, ein konkretes Programm- und Nutzungskonzept zu erarbeiten, welches die dazu bereits vorhan­denen Ideen und Beiträge aufnimmt und weiterentwickelt. Dieses Konzept soll dann, nach Befassung im Stiftungsrat, Grundlage für den baulichen Realisierungswettbewerb sein.“
Die beiden inhaltlichen Hauptfragen allerdings, erstens mit welcher Zweckbestimmung ein Gebäude unter dem Namen Bauakademie am historischen Ort errichtet werden soll, und zweitens, ob es eine Rekonstruk­tion des Schinkelschen Ursprungsbaus oder aber ein neuer Entwurf sein wird, sind so offen wie je zuvor. Die zweite soll in einem immerhin als Rea­lisierungswettbewerb bezeichneten Verfahren im Laufe dieses Jahres geklärt werden. Dabei hatte es im Jahr 2017 ein aufwendiges „Dialogverfahren“ mit gleich drei „Szenarienforen“ im Kronprinzenpalais in räumlicher Nachbarschaft zum Bauakademie-Grundstück gegeben, auf dem alle, die sich zuvor irgendwie zum Thema hatten vernehmen lassen, ihre Wünsche und Vorstellungen äußern konnten (Bauwelt 8.2017, Bauwelt 20.2017).
Schließlich wurde, nachdem sehr viel Papier produziert worden war, im Oktober 2018 ein Programmwettbewerb ausgeschrieben, der sich als „interdisziplinärer Wettbewerb“ an „Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Kulturmanager sowie an Architekten, Innen- und Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Ingenieure“ richtete – also an jeden, der sich bemüßigt fühlte, zur Bauakademie etwas vorzuschlagen (Bauwelt 10.2018). „Mit diesem bewusst sehr offen gehaltenen Verfahrensschritt“, erklärte das federführende BBR, „geht der Bund neue Wege, da zunächst nicht die architektonische Gestalt im Mittelpunkt steht, sondern die Konzeption des Hauses selbst.“ 78 Konzepte wurden eingereicht, was angesichts der wahrlich internationalen Aufmerksamkeit, die das Projekt seit Anbeginn erfährt, als eher gering zu bezeichnen ist. Gekürt wurden im Mai 2018 fünf Sieger ex aequo.
Die Preisträger sollten und sollen ihre Vorstellungen – mehr Forum, mehr Museum, mehr Treffpunkt oder alles zusammen? – präzisieren und zur Grundlage des Bauwettbewerbs machen, der jedoch die Gretchenfrage des Bauwerks – historisch oder nicht? – gerade nicht vorweg entscheiden darf. Die Jury unter Vorsitz von Florian Pronold – auch er war Staatssekretär im kombinierten Umwelt- und Bauministerium und übt diese Funktion weiterhin im Umweltressort aus – ließ in bewährter Unschärfe zum Wettbewerbsergebnis verlauten, das Gebäude solle „unterschied­liche Veranstaltungsformate ermöglichen und zentraler Treffpunkt, Ausstellungsplattform und Werkstatt in einem sein. Die Akademie soll auch ein national und international ausstrahlendes Schaufenster für interdisziplinäre Forschung und Lehre und für das Handwerk sein, das neben dem Fachpublikum auch die breite Öffentlichkeit, Touristen und insbesondere Kinder und Jugendliche anspricht“. In den Diskussionsforen des Jahres 2017, dies zur Erinnerung, war es den zahlreich auftretenden Verbandsvertretern nicht zuletzt darum gegangen, ihre Ansprüche auf repräsentative Büroräume vorzubringen, ahnend, dass die Bauakademie einmal so etwas wie eine nationale Clearingstelle rund ums Bauen werden könnte. Da heißt es, mit eigenem Geschäftsführer Präsenz zu zeigen.
Anders als beim Humboldt-Forum, aus dessen Kontroversen und Entscheidungen sich das Land Berlin heraushielt, als handele es sich um ein Vorhaben auf dem Mond, will die Landesregierung, der Senat von Berlin, bei der Akademie ein bisschen mitmischen. Bausenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) tat 2018 auf eine parlamentarische Anfrage hin kund, „der Realisierungswettbewerb für das zukünftige Gebäude“ solle „die Vorgaben Schinkels an Baukörper, Struktur und Fassade berücksichtigen“. Lompscher orientierte sich an dem Motto, „So viel Schinkel wie möglich“, und erinnerte daran, dass keineswegs eine bloße Kopie zu erwarten wäre: „Wesentliche Teile des Baudekors sind im Original erhalten.“ Zum Beispiel bei der einstigen „Schinkel-Klause“ aus DDR-Zeiten, die in einem rückwärtigen Gebäude am Kronprinzenpalais eingebaut war. Dort findet sich bis heute sinnigerweise ein Portal der 1962 abgerissenen Akademie, das Schinkel, wie alle Dekorationen, nach einem detaillierten Bildprogramm in Terrakotta ausführen ließ.
Zwischenzeitlich hatte sich auch Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, mit dem Wunsch zu Wort gemeldet, in einem wieder errichteten Schinkel-Bau ein Architekturmuseum einzurichten – historisch insofern richtig, als Teile des Gebäudes, nämlich die einstige Dienstwohnung, als Schinkel-Museum gedient hatten. Es bewahrte den zeichnerischen Nachlass des Baumeister-Künstlers, ehe es 1935 aufgelöst und seine Sammlung den Preußischen Museen zugewiesen wurde.
Still ruht der See? Auf der Webseite des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBR), das die oben dargestellten Verfahrensschritte dokumentiert, ist für das Jahr 2019 noch kein einziger Eintrag zu finden. Gunther Adlers Abgang aus dem politischen Rampenlicht trägt gewiss nicht zur Beschleunigung der Ereignisse bei. Bei seinem Auftritt im Februar hatte er noch mitgeteilt, dass erst einmal ein Stiftungsrat berufen und ein Stiftungsvorstand bestellt werden müssten. Berufungen sind Weichenstellungen. Sie brauchen, man weiß es, ihre Zeit.

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