Große Stadt, kleiner Beitrag

Benedikt Crone freut sich schon auf den Wettbewerb für das Windrad von Berlin

Text: Crone, Benedikt, Berlin

Große Stadt, kleiner Beitrag

Benedikt Crone freut sich schon auf den Wettbewerb für das Windrad von Berlin

Text: Crone, Benedikt, Berlin

Es war erst im Januar, als der neue Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck in einem großen Medienauftritt den nötigen Ausbau von Windkraft und Solarenergie anhand eines Pappschilds erläuterte. Nun, vier Monate später, ist die Energiewende bereits überfällig, doch fast alle Länder hinken hinterher. Vorne liegen Hessen und Schleswig-Holstein. Schlusslichter sind die Stadtstaaten. Bremen schafft noch beachtliche Leistungen. Berlin sieht dagegen keine neuen Flächen für Windkraft vor. Um gleich der Empörung zu begegnen, die Hauptstadt der Hedonisten lebe mal wieder auf Kosten anderer – es gibt einen Lösungsvorschlag, getragen von vielen Seiten: ein Windrad aufs Tempelhofer Feld! Immerhin ist die Freifläche 300 Hektar groß.
Ein Auge zugedrückt könnten trotz Abstandsregel also auch zwei oder drei Räder arrangiert werden (das kleine Holzwindrad, das dort schon steht, zählt nicht). Mit den brütenden Braunkehlchen und Steinschmätzern wird es zwar knifflig, aber auf dem Land klappt das ja auch irgendwie.
Die Rotorblätter könnten dann so justiert werden, dass sie in der House-Geschwindigkeit von 120 BPM eine rhythmisch-tanzbare Schallimmission schlagen; viele in der Nachbarschaft wären begeistert. Architektonisch sind lokale Büros gefragt, einen Stängel wie das 240-Meter-Modell N149 in einen Berliner Eiffelturm zu verwandeln, der den Fernsehturm in den Schatten stellt. Zum Beispiel mit ordentlich Swing in den Blättern durch J. Mayer H., auch wenn die Rotoren dann etwas eiern. Dazu ginge eine rote Feuerwehrleiter von Robertneun und ein Brandlhuberischer Jetzt-erst-recht-Sichtbetonsockel, während oben die Spitzen der Blätter in einem Regenbogenfarbspiel von Sauerbruch Hutton flimmern. Vielleicht gelingen aber Patzschke & Partner auch der Wiederaufbau einer Holzbockwindmühle mit Hochtechnologiekern (die Leu­te würden sie lieben). Und 5000 der 1,8 Millionen Berliner Haushalte wären im Jahr sicher mit Strom versorgt.
Alternativ könnten sich Politik und Eigentümer natürlich auch an den Ausbau der zweiten Energiequelle machen – und flächenweise Solarzellen auf Dächer setzen. Aber das würde am Ende womöglich eine Wirkung entfalten.

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