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Text: Jan Meier, Lena Unger
Für die Realisierung des „Stöckli Scholl“ mussten Sie laut eigener Aussage viel recherchieren, experimentieren – und auch scheitern. Wie findet man einen Bauherrn, der sich auf diesen Prozess einlässt?
Das Finden einer Baufamilie ist nicht das Ergebnis einer Suche. Für uns ist die intensive, kooperative Zusammenarbeit entscheidend, und, dass man sich aufeinander einlässt. Der Bauherr des Stöckli Scholl besitzt durch seinen Beruf als biologischer Landwirt zudem die Fähigkeit, sich bewusst mit Prozessen auseinanderzusetzen, die an und für sich nicht der Norm entsprechen und die er sich durch Ausprobieren und Testen erarbeitet.
Wie sind Sie vorgegangen, von wem konnten Sie lernen?
Da uns keine zeitliche Limitierung für Planungs- und Bauablauf auferlegt war, konnten wir festgeschriebene Prozesse und das herkömmliche Bauen hinterfragen. Wir studierten historische Bautechniken und versuchten in unzähligen Musterstudien eine für uns richtige Annäherung zu erreichen.
Wo lagen für Sie die größten Schwierigkeiten – und wie haben Sie diese gemeistert?
Im Widersetzen gegen industrielle Normen lag für uns die größte Schwierigkeit. Gegen diese scheinbar alternativlos wirkenden Ansätze mussten wir uns zweifelsohne stark durch Experimente und das Entwickeln eigener Lösungen behaupten.
Konnten Sie auf Wissen aus Ihrem Studium zurückgreifen?
Wir wurden in unseren entwerferischen Haltungen von unterschiedlichen akademischen Kontexten geprägt. Das konstruktive Experiment hingegen wurde erst über die praktische Auseinandersetzung zu einem wichtigen Medium unserer Arbeit.
Auf den Bildern kann man im Hintergrund das traditionelle Bauernhaus erkennen, in dem die Bauherren vorher jahrelang gelebt hatten. Das Stöckli ist im Vergleich offen und elegant gestaltet, mit großen Fensteröffnungen ausgestattet. Sind dies Gestaltungswünsche der Bewohnerinnen oder hatten Sie hier freie Hand?
Grundlegend ist hier besonders der große Wandel in der Betrachtung des ländlichen Wohnens: Weg von der bloßen Schutzfunktion des alten Bauerhofs hin zu einer Wertschätzung der Landschaft und des Lebens in Beziehung mit dieser. Das ließ bei allen Beteiligten die Vorstellung einer Großzügigkeit der Öffnungen entstehen und eine neue Haltung gegenüber der Umgebung entwickeln.
Welche Erfahrungen aus diesem Projekt konnten Sie in Ihre Büropraxis mitnehmen?
Letztendlich nahmen wir mit, dass eigenständig entwickelte Lösungen außerhalb vorgegebener Normen in der Tat erfolgreich sein können und dass diese sogar für uns bessere, nachhaltigere Lösungen erzeugen. Überhaupt kamen wir zu der Einsicht, dass es einige alte Techniken, Materialien und Abläufe gegeben hat, die zu einer anderen Zeit bewährt waren und sich auch heute wieder bewähren könnten. Wir hoffen, hinsichtlich dieser Wissensphänomene in Zukunft noch viele Entdeckungen machen zu können.
Was ist Ihrer Meinung nach derzeit die größte Herausforderung für junge Architektinnen und Architekten, wenn man sich in die Selbstständigkeit begibt?
Vor allem sehen wir hier den Anspruch an einen gelingenden Umgang mit den großen zwingend erforderlichen Veränderungen, die für uns im Widerspruch zu Gelerntem und bereits Entstandenem stehen. Herausfordernd ist, sich dieser entscheidenden Aufgabe zu stellen, unermüdlich neue „gute“ Lösungen zu finden und stetig idealistisch-kritisch zu hinterfragen.
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