Bauwelt

Grundschule in Mannheim


Im Stadtteil Franklin steht Mannheims erste Clusterschule. Das auf ehemaliger Kasernenfläche entstandene Quartier ist Zuhause für etwa 8.000 Menschen, darunter viele Familien. Die Architektur von LRO wird hier einem Härtetest unterzogen.


Text: Kraft, Caroline , Berlin


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    Mit über 140 Hektar Fläche ist Franklin etwa so groß wie die Mannheimer Innenstadt und liegt im nord-östlichen Bezirk Käfertal.
    Foto: Roland Halbe

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    Mit über 140 Hektar Fläche ist Franklin etwa so groß wie die Mannheimer Innenstadt und liegt im nord-östlichen Bezirk Käfertal.

    Foto: Roland Halbe

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    Im Erdgeschoss befindet sich alles, was nicht „Lernhaus“ ist: neben Hausschuhregalen und Foyer die Verwaltung, ein Ruheraum, die Schulküche sowie Kreativräume und Mensa.
    Foto: Roland Halbe

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    Im Erdgeschoss befindet sich alles, was nicht „Lernhaus“ ist: neben Hausschuhregalen und Foyer die Verwaltung, ein Ruheraum, die Schulküche sowie Kreativräume und Mensa.

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    Die Lasur lässt eine Patina zu, sodass das Holz mit der Zeit gräulicher werden wird.
    Foto: Roland Halbe

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    Die Lasur lässt eine Patina zu, sodass das Holz mit der Zeit gräulicher werden wird.

    Foto: Roland Halbe

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    Die Pergola ist verschraubt und kann wie die Fassade ersetzt werden – eine Art Verschleißschicht.
    Foto: Roland Halbe

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    Die Pergola ist verschraubt und kann wie die Fassade ersetzt werden – eine Art Verschleißschicht.

    Foto: Roland Halbe

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    Die 16 Klassenzimmer sind frei möblierbar, Lehrkräfte nutzen das Churer Modell: ...
    Foto: Roland Halbe

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    Die 16 Klassenzimmer sind frei möblierbar, Lehrkräfte nutzen das Churer Modell: ...

    Foto: Roland Halbe

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    ... Möbel immer wieder umstellen und Lernen an mehreren Orten des Zimmers.
    Foto: Roland Halbe

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    ... Möbel immer wieder umstellen und Lernen an mehreren Orten des Zimmers.

    Foto: Roland Halbe

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    Frei belegbare Zonen sind Teil des Clustergedanken – sie sind allerdings durch die Überbelegung der Schule nicht wie geplant nutzbar.
    Foto: Roland Halbe

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    Frei belegbare Zonen sind Teil des Clustergedanken – sie sind allerdings durch die Überbelegung der Schule nicht wie geplant nutzbar.

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    Die Sporthalle ist in den Boden versenkt und abends auch für das Quartier nutzbar.
    Foto: Roland Halbe

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    Die Sporthalle ist in den Boden versenkt und abends auch für das Quartier nutzbar.

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    Auf ihrem Dach liegt ein Teil des Schulhofs mit Pflanzbeeten.
    Foto: Roland Halbe

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    Auf ihrem Dach liegt ein Teil des Schulhofs mit Pflanzbeeten.

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    Die Technikzentrale befindet sich unter dem Schulgebäude. Bis auf die Lüftung der Sporthalle sind die Anlagen eher reduziert dimensioniert. Eine Photovoltaikanlage auf der Sporthalle deckt den Eigenbedarf anteilig.
    Foto: Roland Halbe

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    Die Technikzentrale befindet sich unter dem Schulgebäude. Bis auf die Lüftung der Sporthalle sind die Anlagen eher reduziert dimensioniert. Eine Photovoltaikanlage auf der Sporthalle deckt den Eigenbedarf anteilig.

    Foto: Roland Halbe

Die Geschichte geht so: Große innerstädtische Flächen, sagen wir, Kasernen, werden obsolet. Es gründen sich Stadtentwicklungsgesellschaften, Bürgerbeteiligungen werden abgehalten, Boden und seine Potenziale verkauft, bestenfalls langfristig funktionierende Nachnutzungen mit sozialem Kerngedanken gefunden. In der einstigen Garnisonsstadt Mannheim sollten bis Ende 2015 über 500 Hektar US-Militärfläche und mit ihnen 25.000 Menschen eine neue Bestimmung finden. „Luxus!“, mag man jetzt denken. Die Konversion einer solchen Flächenreserve ist aber vor allem herausfordernd. Und: ein Versuch.
Mancherorts sieht man das besonders, etwa wenn ein „Grüner Hügel“ als Nahversorgungszentrum mit der Infrastruktur eines Maschinenraums aus der Ortsmitte entspringt, bunte Wohntürme das Wort H-O-M-E formen oder eine „Traumhaus“-Fertighaussiedlung den Bewohnenden so viel Gestaltungsspielraum bei Kubaturen und Fassaden lässt, dass ihr einender Charakter nur noch im Chaos zu finden ist. Was aber die größte Herausforderung zu sein scheint: eine Bevölkerungsprognose. Für den neu entstehenden Stadtteil auf der ehemaligen Franklin-Kaser-ne ging man zu Planungsbeginn von einem Bedarf infrastruktureller Einrichtungen für bis zu 7000 Menschen aus; durch Nachverdichtungen stieg deren Zahl jedoch schnell auf mindestens 10.000 an. Nun ist ein wachsender, gut angebundener Stadtteil mit viel Freifläche und Gestaltungsspielraum vor allem interessant für junge Familien. Der Bevölkerungsmix ist nicht heterogen wie in anderen Neubaugebieten: Eine Grundschule musste her.
So begann der Planungswust verschiedener Interessensgruppen: Kommune, Regierungspräsidium, Stadtentwicklungs-, Bildungs- und Finanzdezernat, Baugesellschaft, Gemeinderat, und, nicht zu vergessen, ein Architekturbüro entwickelten die Franklinschule auf Basis der Bevölkerungsprognose von 2017. Zunächst genehmigte das Land sie zweizügig, aufgrund des hohen Bedarfs an Plätzen konnte die Stadt dies jedoch abwenden und eine Vierzügigkeit durchsetzen. Als Interim wurde die Elementary School aus Kasernenzeit ertüchtigt, aus baurechtlicher Sicht war sie allerdings für eine langfristige Nutzung nicht zulässig – und sollte auch gar nicht stehenbleiben. Heute ginge es ohne sie nicht.
LRO überzeugten im Wettbewerb mit einer Holzbau-Cluster-Grundschule, lasiert in einem frischen Grünton, der, wie Architekt Klaus Hildenbrand erklärt, an ein Bootshaus in Stockholm von Lewerentz angelehnt ist. Im heißen Mannheimer Sommer erinnert er an eine frische Bri-se, die übers Wasser weht. Das in der Ausschreibung geforderte Holz ist für die Stuttgarter eher ungewöhnlich, manifestiert sich ihre Handschrift sonst oft in Klinker. Trotzdem, ein Lüftungsturm an der Sporthalle mit Rundung dient als Fingerzeig nicht nur für die Kinder im Quartier, sondern weist auch in Richtung der Entwerfenden. Mit dem Holz haderten sie, berichtet Hildenbrand, werde es doch in Mannheim so heiß, dass ein Betonbau die Hitze besser regulieren könne. So entschied sich das Team für einen Hybridbau.
Über Mensa, Lehrerzimmer, Verwaltungs-, Gruppen- und Kursräumen spannt sich eine Betondecke, auch Technik- oder Nassbereiche sitzen in Betonkernen, darum legt sich die Holzhülle. Obenauf umgeben je vier „Lernhäuser“ pro Klassenstufe einen Hof. Das Herz des Schulbaus bildet eine Sitztreppe, die direkt gegenüber des Haupteingangs über das Foyer in die erste Etage zu den Klassenzimmern führt. Hier, so dachten es sich LRO, könnte einmal die Woche oder nach Bedarf der Direktor vor seiner Schule sprechen. Der aber berichtet, das sei längst nicht mehr möglich. Für Schulversammlungen müsse man in die Sporthalle, die auch als Versammlungsstätte funktioniert. So war es allerdings nicht geplant, wie so vieles.
Die Schule erreicht aktuell in den unteren Jahrgängen bis zu sieben Parallelklassen. Sie ist fast doppelt so stark belegt wie geplant. Möglich ist das nur, weil die Elementary School neben-an noch steht. Aktuell wird sie saniert, bekommt ebenfalls eine Mensa, da die neue nicht auf die hohen Schülerzahlen ausgelegt war. Später, wenndie Welle, die sich gerade noch aufbaut, gebrochen ist, die Kinder also älter sind, könnte sie ein Jugendtreff werden.
Die Franklinschule ist kein Einzelfall, vielmehr macht sie deutlich, wie systematisch falsch vieles in der Planungskultur läuft. „Temporäre Spitzen“ werden mit der Sanierung einer in die Jahre gekommenen Bestandsschule relativiert. Schulbau wird nicht auf den Höchstbedarf hin geplant, sondern entlang wirtschaftlicher Abwägungen. Die Entwicklung von Wohnraum ist billiger als eine zweite Schule zu errichten – oder gleich eine in der richtigen Größe auszuschreiben. Die Franklinschule wurde anhand eines Szenarios geplant, das es so nie gab. Trotz mehr Wohnraum justierte man nicht mehr am Platzbedarf der einzigen Grundschule im Quartier. Vor Ort wird das deutlich, und es ist bitter.
An welcher Stelle genau die Planung gekippt ist, ist schwer aufzudröseln. Und da liegt das Problem: Stadt und Bildung werden getrennt voneinander entwickelt, selbst in einem neuen Quartier für junge Familien. Fatal ist das, weil es sich gerade auf Clusterschulen, also den State of the Art des Schulbaus, negativ auswirkt. Sie funktionieren über ihre Zwischenräume – und die verschwinden unter dem Druck steigender Schülerzahlen zuerst. LRO haben also eine Schule geplant, die unter den Rahmenbedingungen sehr gut funktioniert hätte. Nur wurde der Rahmen von Anfang an gesprengt.



Fakten
Architekten LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart
Adresse Wasserwerkstraße 64, 68309 Mannheim


aus Bauwelt 9.2026
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