Bauwelt

Per Pedes durch Stuttgart

Boris Schade-Bünsow wünscht sich Fußgängergerechtigkit in der Autostadt

Text: Schade-Bünsow, Boris, Berlin wünscht sich Fußgängergerechtigkeit in der Autostadt

Per Pedes durch Stuttgart

Boris Schade-Bünsow wünscht sich Fußgängergerechtigkit in der Autostadt

Text: Schade-Bünsow, Boris, Berlin wünscht sich Fußgängergerechtigkeit in der Autostadt

Ein Termin in Stuttgart an einem Freitag bietet eine gute Möglichkeit, das Wochenende dort zu verbringen. Ich war schon lange nicht mehr inder Neuen Staatsgalerie, deren außerordentliche Sammlung ich in der Vergangenheit zu wenig beachtet habe; zu sehr war ich von dem postmodernen Meisterwerk von James Stirling aus dem Jahr 1984 beeindruckt. Nicht gesehen hatte ich also Picasso, Hito Steyerl, Beuys, Richter, Flavin und die Originalkostüme des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer. Das wollte ich nun nachholen. Das Dahinkommen gestaltete sich allerdings schwierig, weil ich ein für Stuttgart denkbar ungeeignetes Verkehrsmittel gewählt hatte: meine eigenen Füße. Ursprünglich angekommen bin ich am Hauptbahnhof. Der Weg von den Gleisen zum Ausgang? Geschenkt. S21 ist eine große Baustelle. Gewohnt habe ich in einem Hotel in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Wobei sich Nähe auf die Luftlinie bezieht. Zu Fuß ist es keinesfalls nah. Der Arnulf-Klett-Platz, die Friedrichstraße und die Kriegsbergstraße sind nur an sehr, sehr wenigen Stellen für Fußgänger passierbar. Alternativ bietet sich der Weg durch die ziemlich genau vor 50 Jahren eröffnete, unterirdische Klett-Passage an. Diese birgt dank der Unübersichtlichkeit eine Vielzahl von Überraschungen, vor allem durch Ausgänge, die Einblicke auf die Baustelle von S21 erlauben und ansonsten mehr oder weniger Sackgassen sind. Der Weg vom Hotel zur Neuen Staatsgalerie schien vergleichsweise einfach und gehbar: erneut Arnulf-Klett-Platz, dann die trubelige Königstraße, durch den oberen Schlossgarten, vorbei am Eckensee und am Schauspiel Stuttgart.Der „Stirling“ war nun bereits in Sichtweite. Blau, grün, rot und rosa leuchtete die Postmoderne durch die blühenden Bäume. Zuvor galt es nur noch, die Konrad-Adenauer-Straße zu überqueren. Und das ist wirklich etwas Besonderes. Eine hochkomplexe Straßenführung bietet Automobilen Raum auf zwei-, drei- und vierspurigen Straßen. Eine enorme Anzahl von Ampelanlagen mit raffinierten Schaltungen lässt den Verkehr rund um und durch die Baustelle fließen. Nur die Fußgänger hat man offensichtlich vergessen. Es gibt nur eine einzige, geteilte Überquerungsmöglichkeit, eine Grünphase reicht dafür nicht.

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