Bauwelt

Ein Medley deutscher Geschichte

Bis 2031 ist das Zeughaus des Deutsch Historischen Museums mindestens noch geschlossen. Bis 2027 zeigt die Ausstellung "Objekte. Geschichte. Geschichten." im Pei-Bau Auszüge der Sammlung in loser Auswahl.

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

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    Das Zeughaus, als Waffenarsenal der preußischen Könige errichtet, wird als Modell im Maßstab 1: 100 gezeigt.
    © Deutsches Historisches Museum, Foto: David von Becker

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    Das Zeughaus, als Waffenarsenal der preußischen Könige errichtet, wird als Modell im Maßstab 1: 100 gezeigt.

    © Deutsches Historisches Museum, Foto: David von Becker

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    Doppelstockbett von Ikea aus einer Erstaufnahme-Einrichtung für Geflüchtete in Kassel aus dem Jahr 2015 mit einer Kinderzeichnung eines überfüllten Boots
    © Deutsches Historisches Museum, Foto: David von Becker

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    Doppelstockbett von Ikea aus einer Erstaufnahme-Einrichtung für Geflüchtete in Kassel aus dem Jahr 2015 mit einer Kinderzeichnung eines überfüllten Boots

    © Deutsches Historisches Museum, Foto: David von Becker

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    Hexagonale Truhe aus Edelholz mit einem Modell des Deutschen Stadions in Berlin-Charlottenburg, Gustav Baumann, Berlin/Potsdam, 1912 (Modell), 1923/24 (Truhe)
    © Deutsches Historisches Museum, Foto: David von Becker

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    Hexagonale Truhe aus Edelholz mit einem Modell des Deutschen Stadions in Berlin-Charlottenburg, Gustav Baumann, Berlin/Potsdam, 1912 (Modell), 1923/24 (Truhe)

    © Deutsches Historisches Museum, Foto: David von Becker

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    Längsschnitt von Aldo Rossis Entwurf für das Deutsch Historische Museum (1987)
    © Deutsches Historisches Museum

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    Längsschnitt von Aldo Rossis Entwurf für das Deutsch Historische Museum (1987)

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    1915 sollte ein „Todeszaun“ in der Straßenmitte Deserteure abschrecken. In der NS-Zeit überwachte die Gestapo den Ort. Von 1969 bis 1993 markierte ein 40 cm hohes Mäuerchen aus Betonsteinen in der Straßenmitte die Grenze zwischen Herzogenrath auf deutscher und Kerkrade auf niederländischer Seite
    © Deutsches Historisches Museum

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    1915 sollte ein „Todeszaun“ in der Straßenmitte Deserteure abschrecken. In der NS-Zeit überwachte die Gestapo den Ort. Von 1969 bis 1993 markierte ein 40 cm hohes Mäuerchen aus Betonsteinen in der Straßenmitte die Grenze zwischen Herzogenrath auf deutscher und Kerkrade auf niederländischer Seite

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    Der Querschneidkopf einer Teilschnittmaschine ist als Beispiel vergangener Industriearbeit ausgestellt
    © Deutsches Historisches Museum

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    Der Querschneidkopf einer Teilschnittmaschine ist als Beispiel vergangener Industriearbeit ausgestellt

    © Deutsches Historisches Museum

Ein Medley deutscher Geschichte

Bis 2031 ist das Zeughaus des Deutsch Historischen Museums mindestens noch geschlossen. Bis 2027 zeigt die Ausstellung "Objekte. Geschichte. Geschichten." im Pei-Bau Auszüge der Sammlung in loser Auswahl.

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

Das Archiv des Deutschen Historischen Museums in Berlin umfasst etwa eine Million Objekte. Der Museumsbau, das Zeughaus am Boulevard Unter den Linden mit der Ständigen Ausstellung, ist seit 2021 wegen Sanierung und Umbau geschlossen. Laut Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) ist die Wiedereröffnung bis auf weiteres „offen, da Bedarf in Klärung“. Man vermutet das Jahr 2031. So steht nur der Anbau von 2003, der nach dem Architekten genannte „Pei-Bau“, auf der Rückseite des Altbaus für temporäre Ausstellungen zur Verfügung. Einen sehr kleinen Eindruck vom Archiv gewährt zurzeit im Erdgeschoss die Ausstellung „Blick in die Sammlung“, die unter dem Titel „Objekte. Geschichte. Geschichten“ in eine Struktur gedrückt wurde.
Die Ausstellung gliedert sich in zwei Teile. Zunächst geht es um das Museum selbst, seinen Wandel seit fast 150 Jahren und erzählt damit eine eigene Geschichte mit einzelnen Ausstellungsobjekten. Das Zeughaus, als Waffenarsenal der preußischen Könige errichtet, wird als Modell im Maßstab 1: 100 gezeigt. 1883 wurde es die „Ruhmeshalle der brandenburgisch-preußischen Armee“. Während des Nationalsozialismus war es Heeresmuseum. Nach Kriegsende, durch die Alliierten zunächst geschlossen, folgten Zwischennutzungen u.a. mit einer Kunstausstellung und einer Kaninchenschau. 1952 eröffnete dann das sozialistische Geschichtsmuseum der DDR. Mit der Wiedervereinigung 1990 übernahm das drei Jahre zuvor in West-Berlin gegründete Deutsche Historische Museum das Haus. Es kam zur Zusammenführung der Sammlungen und 2006 zur Neueröffnung des Museums im inzwischen sanierten Zeughaus mit gläserner Überdachung des zentralen Schlüterhofs. Dem Bundeskanzler und Historiker Helmut Kohl war ein solches Geschichtsmuseum schon 1986 ein besonderes Anliegen. 1987 war noch ein Neubau auf dem heutigen Areal des Bundeskanzleramts vorgesehen. Den Wettbewerb mit internationalen Zuladungen gewann damals Aldo Rossi. In der Ausstellung wird auch sein Entwurf gezeigt. Allerdings erklärt der Längsschnitt durch das Gebäude das Museumskonzept nicht näher. Der damalige Aedes-Ausstellungskatalog liegt aus.
Den zweiten Teil der Ausstellung nehmen einzelne Geschichten mit „Objekten, die vom Wandel politischer, sozialer und kultureller Räume erzählen“ ein. Die Auswahl dieser Objekte und den dazugehörigen Schauplätzen erweckt den Eindruck, dass sie mutig in freier Auswahl und mit gewisser Willkür aus verschiedenen Epochen ausgewählt wurden – als eine Bandbreite „von umkämpften Herrschaftsräumen, von globalem Handel, Kolonisierung und der Erschließung neuer Räume ebenso wie von Grenzen, Flucht und Exil“ . Auf Karten lassen sich jeweils die Wanderbewegungen ausgewählter Objekte verfolgen. Zu hören sind Interviews mit Fachleuten und Zeitzeugen.
Ausgestellt sind u.a. eine zweibändige Lutherbibel von den Religionskriegen zwischen Katholiken und Protestanten, ein Brettspiel aus Bernstein von 1607 mit der Darstellung der Wege des Bernsteins in Europa und eine Möblierung aus der Schinkelzeit mit Mahagoni- und Palisanderfurnier und ihre bewegte 200-jährige Geschichte an verschiedenen Heimstätten. Das vielleicht überraschendste Exponat der Ausstellung ist ein 1,7 Tonnen schwerer Bergbau-Querschneidkopf mit Meißeln von der letzten Steinkohlenzeche im Ruhrgebiet Prosper-Haniel in Bottrop, die 2018 ihren Betrieb einstellte. Mit der Vortriebsmaschine wird die Epoche von der Erschließung der Industrieregion bis zum Strukturwandel erzählt.
Die Objekte mit ihrer Geschichte sind teilweise Entdeckungen. So auch die Planung eines verschwundenen Sportstadions in Berlin, gebaut als Austragungsort der Olympischen Spiele 1916 als Selbstinszenierung des Kaiserreichs. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 verhinderte den Plan, die Spiele in Berlin auszutragen. Die NS-Führung ließ die Tribünen des Stadions 1934 sprengen und das einst größte Stadion wurde durch das Berliner Olympiastadions ersetzt. Spannend ist die Geschichte der Neustraße Nieuwstraat, die auf zwei Kilometern die Grenze bildet zwischen Herzogenrath auf deutscher und Kerkrade auf niederländischer Seite. Bis zum Ersten Weltkrieg waren dort Schlagbäume. 1915 sollte ein „Todeszaun“ in der Straßenmitte Deserteure abschrecken. In der NS-Zeit überwachte die Gestapo den Ort. Von 1969 bis 1993 markierte ein 40 cm hohes Mäuerchen aus Betonsteinen in der Straßenmitte die Grenze. Dann verschwand es und die beiden Städte bilden die erste symbolische Europastadt Eurode. In der Auswahl deutscher Geschichten mit vielen Verknüpfungen in die Welt ist schließlich noch ein Doppelstockbett von Ikea aus einer Erstaufnahme-Einrichtung für Geflüchtete in Kassel aus dem Jahr 2015 mit einer Kinderzeichnung eines überfüllten Boots zu sehen.


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