Bau(markt)kultur
Josepha Landes hat unlängst eine Kreuzschlitzschraube mit Schlitzschraubendreher versenkt. Drei Kreuze und ein Halleluja!
Text: Landes, Josepha, Berlin
Bau(markt)kultur
Josepha Landes hat unlängst eine Kreuzschlitzschraube mit Schlitzschraubendreher versenkt. Drei Kreuze und ein Halleluja!
Text: Landes, Josepha, Berlin
Der Kulturbegriff ist einer der schwierigsten. Schnell ist da ausgerutscht. Kulturkampf ahoi! Ist das überhaupt Kultur – oder kann das weg? Wer von Kultur spricht, mag Tischmanieren meinen oder Prosa. Stets haftet dem etwas Kanonisches an. Das Einsortieren in Pop- oder Hochkultur bleibt die Gretchenfrage.
Seit einiger Zeit leiert in Dauerschleife: Baukulturbaukulturbaukultur. Das Lied von der Baukultur klang anfangs noch angestaubt, bald verliehen ihm aber Basecap-Träger und Rampensäue etwas Verlockendes. Baukultur titeln mittlerweile so gut wie alle Verbandspamphlete. Egal welches Podium zu Architektur und Städ- tebau: Es tönt von Baukultur. Das Wort ist derart in Umlauf geraten, dass es inzwischen etwas Schales hat. Fast scheint sich damit jedes Anliegen moralisch aufwerten zu lassen. Dabei stellt sich überhaupt die Frage, was Kultur ist – hier und jetzt, nicht als museales Sediment.
In einem sofafleezigen Gespräch dachte ich kürzlich, wir müssten den Begriff vielleicht aufrütteln, um ihn relevant zu halten. Die gepolsterte These: Baukultur braucht mehr Baumarkt. Natürlich muss weiterhin Tektonik mitschwingen und ein bisschen Referenz. Aber wenn Baukultur um sich greifen soll, muss sie sich öffnen. Anschlussfähigkeit ist die Devise der Gegenwart. Baukultur wird Kultur, wenn sie die Hürden des Unerreichbaren unterwandert.
Was nutzt der Bash auf Würfelhusten in Stadtrandlage, wenn zugleich mit knappen Mitteln und mangelnder Gestaltungsprägung der Zugang vieler zu Qualität verunmöglicht wird? Die ästhetische Frage endet nicht an der Schwelle von Architekturzentren. Gestaltungskompetenz muss abseits der Eliten wurzeln, dort, wo immerzu gebaut wird.
Der Raum zwischen Regal 17 und 18 im Baumarkt ist womöglich ein Ort zum Austausch. Ein Ort, an dem Gestaltung nicht kuratiert, sondern gemacht wird. Und diesen Ort spart das Baukulturgerede aus: Darin geht es viel um Haltung und wenig um Zugang.
Wenn Gestaltung zum Nachmachen einlädt, könnte vielleicht sogar die Vorstadt mitsamt ihrer Heile-Welt-Träume ein anderes Gesicht bekommen – nicht trotz ihrer Alltäglichkeit, sondern durch sie. So träumte ich. In einem plüschigen Sofakissen. Mir die kleine heile Welt der Baukultur.







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