Bauwelt

Saubere Straßen, gefüllte Deponien

In kaum einem anderen Land wird das Mülltrennen so ernst genommen wie in Japan. Das hat mit Respekt vor Regeln, einer geduldigen Bevölkerung und einer stringenten Kommunalpolitik zu tun. Allerdings ist das Land, nach den USA, auch bei der Produktion von Müll weltweit führend.

Text: Lill, Felix, Hamburg

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    Der Mangetsu-Man (Herr Vollmond) erschien zum ersten Mal vor zehn Jahren an der Nihonbashi-Brücke in Tokio. Der Unbekannte im Superhelden-Kostüm kämpft mit Besen und Kehrblech gegen seinen Erzfeind: den Müll.
    Foto: Issei Kato/Pictures Reuters

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    Der Mangetsu-Man (Herr Vollmond) erschien zum ersten Mal vor zehn Jahren an der Nihonbashi-Brücke in Tokio. Der Unbekannte im Superhelden-Kostüm kämpft mit Besen und Kehrblech gegen seinen Erzfeind: den Müll.

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    Zu Häufchen drapiert: eine japanische Straße am Vorabend einer Müllabholung.
    Foto: Tharakorn Saengsuratham/Alamy

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    Eher Ausnahme als Regel: ein Behälter für Mülltrennung im öffentlichen Raum, hier zum Hanami, zur Feier des Kirschblütenfests.
    Foto: Felix Lill

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    Was fehlt, was irritiert? Eine konventionelle Straße in Japan, frei von Müll – und Mülleimern.
    Foto: SJBright/Alamy

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    Im Nishi Rokugo Park in Tokio stehen Schaukeln, Klettergerüste, Dinosaurier und ein Godzilla aus recycelten Reifen der benachbarten Kawaswaki-Werke.
    Foto: EDU Vision/Alamy

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    Das Kintsugi, ein Zusammenfügen von Keramik- und Porzellanbruchstücken unter der Verwendung von Urushi-Lack und Goldpulver, ist eine alte, japanische Reparaturmethode.
    Foto: Marco Montalti/Alamy

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    Das Kintsugi, ein Zusammenfügen von Keramik- und Porzellanbruchstücken unter der Verwendung von Urushi-Lack und Goldpulver, ist eine alte, japanische Reparaturmethode.

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Saubere Straßen, gefüllte Deponien

In kaum einem anderen Land wird das Mülltrennen so ernst genommen wie in Japan. Das hat mit Respekt vor Regeln, einer geduldigen Bevölkerung und einer stringenten Kommunalpolitik zu tun. Allerdings ist das Land, nach den USA, auch bei der Produktion von Müll weltweit führend.

Text: Lill, Felix, Hamburg

„Hier steht noch, dass Sie auf jeden Fall den Müll trennen müssen“, sagt der Vermieter bei der Vertragsunterzeichnung. „In der Wohnung werden Sie noch einen Zettel mit Erläuterungen dazu finden, welcher Müll wann abgeholt wird. Wenn Sie hier dann bitte unterschreiben würden, dass Sie sich an diese Vorgaben auch halten werden?“ Und übrigens, fügt der Vermieter noch hinzu, es habe auch keinen Sinn, sich nicht dran zu halten: „Dann wird Ihr Müll nämlich gar nicht erst abgeholt.“ Es ist ein Prozess, durch den wohl jeder muss, der in Japan eine Wohnung mieten will. Man verpflichtet sich hier nicht nur dazu, die Wände nicht zu beschmieren und keinen Hausfriedensbruch zu begehen, sondern eben auch, seine Abfälle verantwortungsvoll zu entsorgen. Der Umgang mit Müll gehört auch zu den Sorgen, die Japanerinnen und Japaner umtreiben, wenn sie ihre Wohnung oder ihr Haus an jemanden aus dem Ausland vermieten. Denn wird dieser Neuling wohl verstehen, wie man das alles macht?
Die Sorge ist nicht unberechtigt. Denn die Aufgabe des Mülltrennens ist keine leichte. Das offenbart sich schon an den detaillierten Handlungsanleitungen. In Tokioter Mietwohnungen klebt an der Innenseite der Eingangstür oft ein laminierter Zettel, der mit bunten Abbildungen erklärt, welche Müllarten es alles gibt und was mit ihnen zu tun ist. Bis zu acht verschiedene Müllbehälter muss ein Haushalt in Japan managen. „Bitte binden!“, heißt es da zum Papiermüll, der am Freitag dran ist. Glasflaschen, PET-Flaschen, Dosen, Sprays und Batterien sowie Plastikbehälter werden ebenfalls freitags abgeholt, haben aber jeweils eigene Tüten. Jeden zweiten Dienstag darf der nicht recycelbare Müll – zum Beispiel zerbrochenes Geschirr oder kleine Geräte – vor die Tür. Und mittwochs und samstags kommt alles Kompostierbare. Auf dem Merkzettel sind jeweils noch die Stellen draußen vor dem Gebäude abfotografiert, auf denen der Müll bitte um acht Uhr abends des Vortags abgestellt werde.
Urreligion Shinto legt großen Wert auf Reinlichkeit
Das wohl Unglaublichste an all den minutiösen Vorgaben ist aber: Es funktioniert, sie werden befolgt. An den Abenden vor der jeweiligen Abholung türmen sich vor den Gebäuden in Wohnsiedlungen regelmäßig die Mülltüten, die dann am nächsten Morgen verschwunden sind. Bis auf diese Abende ist es auf den Straßen des Großraums Tokio, dem mit rund 37 Millionen Menschen größtem Ballungsraum der Welt, dagegen erstaunlich sauber. Auch deshalb gilt Japan als Weltmeister des Mülltrennens. Tatsächlich ist vor allem Tokio ein soziales und stadtplanerisches Wunder. Trotz ihrer hohen Bevölkerungsdichte ist die japanische Hauptstadt im Vergleich mit anderen Megacitys auffallend ruhig, geordnet und eben auch sauber. Der Umgang mit Müll spielt hier eine Schlüsselrolle: Auf der Straße herumliegende Abfälle – abgesehenen von den Bergen von Müllsäcken am Abend, bevor die Müllabfuhr kommt – sind hier kaum zu finden. Die wichtigsten Gründe, warum der Umgang mit Müll hier besser funktioniert als in anderen Ländern, sind wohl kulturelle. Die Urreligion Shinto, in der jedem Menschen und jedem Gegenstand etwas Göttliches und Schätzenswertes innewohnt, legt großen Wert auf Reinlichkeit. Das japanische Wort für „schön“, „kirei“, bedeutet zugleich sauber. Hinzu kommt, dass Regeln in Japan tendenziell stärker respektiert werden als in anderen Ländern. Auch lästige Notwendigkeiten werden eher beherzigt, zumal dann, wenn sie dem Allgemeinwohl dienen. Diejenigen, die die Regeln nicht befolgen, werden schnell von der Nachbarschaft ausgegrenzt. Ein überlegter Umgang mit Müll ist den Menschen in Japan aber auch deshalb geboten, weil man es im Alltag außer Haus kaum noch anders gewohnt ist, als sich kooperativ verhalten zu müssen. Denn in Tokio findet man weit und breit kaum öffentliche Mülleimer. Die wurden nach einem Terroranschlag in den 1990er Jahren – aus Vorsicht vor allzu einladenden Orten, an denen Sprengkörper deponiert werden könnten – abgebaut.
„Ein wichtiger Hintergrund dieser Aktion war die Terrorgefahr“, bestätigt Yasuhisa Tsukada, der die Abteilung für Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Materialmanagement bei der Umweltbehörde der Tokioter Metropolregierung leitet. „Daneben wurde auch das Ziel verfolgt, die Aufwendungen für Müllabfuhren zu reduzieren.“ Denn je mehr Menschen auf gegebenem Raum wohnen, desto mehr Mülleimer mussten regelmäßig ausgeleert werden. Das wollte sich die Metropole nicht mehr unbegrenzt leisten. Ohne eine Omnipräsenz von Mülleimern hätte man erwarten können, dass ein großes Tokioter Müllproblem entstehen würde. „Aber das Gegenteil war der Fall!“, sagt Yasuhisa Tsukada.
Als die Tokioter Regierung kurz nach dem Terroranschlag beschlossen hatte, nur noch an Orten wie Bahnhöfen oder Supermärkten einige Mülleimer stehenzulassen, begannen Menschen, ihre Plastikverpackungen von Schokoriegeln oder Kaffeebecher aus Pappe nicht etwa auf den Boden zu schmeißen. Man stopfte sie in die Tasche – und nahm sie mit nach Hause, um sie dann im eigenen Mülleimer sortiert zu entsorgen. „Das funktioniert vielleicht nicht in jedem Land so“, sagt Tsukada. „Hier läuft es vermutlich auch über öffentlichen Druck.“
Freiwillige Putzkolonnen
Der öffentliche Druck zur Sauberkeit ist in Japan so groß, dass Japanerinnen und Japaner bei internationalen Sportveranstaltungen regelmäßig durch Müllwegräumen auffallen. Bei Fußball-Weltmeisterschaften räumen die japanischen Spielerinnen und Spieler nach dem Spiel ihre Kabine auf, putzen sie blitzblank, sodass die offizielle Putzkolonne praktisch nichts mehr zu tun hat. Auf den Tribünen haben auch die japanischen Fans längst einen eigenen Sport draus gemacht, Bierbecher und anderen Abfall wegzuräumen. Bei jeder WM sind soziale Medien voll von Dankbarkeit für die japanische Hilfe.
Zuletzt ist in Japan sogar ein Sport entstanden, der sich aufs Müllsammeln fokussiert. „Spogomi“ heißt er, setzt sich aus den Worten „Sport“ und „gomi“ (Japanisch für Müll) zusammen und wurde vor 15 Jahren vom Eventmanager und Hobbysportler Kenichi Mamitsuka erfunden. „Auf meiner regelmäßigen Laufstrecke sah ich manchmal doch Müll herumliegen“, erinnert sich Mamitsuka. Für sich selbst machte er ein Spiel draus, den Müll während des Joggens aufzuheben, dachte sich bald auch Regeln aus, lud Bekannte ein mitzumachen. Mittlerweile ist diese Sportart – bei der man in gegebener Zeit möglichst viel Müll aufsammeln und sortieren muss – zumindest in Japan zu einer Massenbewegung geworden. Laut der Nippon Foundation, der größten Stiftung des Landes, die den Sport seit 2019 offiziell promotet, haben sich schon 150.000 Menschen daran versucht. Vor allem an Schulen wird Spogomi als Nachmittagsaktivität gefördert. „Auch junge Schulkinder in Japan wissen über Mülltrennen wirklich gut Bescheid“, bestätigt die Deutsche Carola Hommerich, die Soziologieprofessorin an der Sophia Universität in Tokio ist und Kinder in Japan hat.
Seit Spogomi ab 2023 auch außerhalb Japans zu einem Medienphänomen wurde, haben sich Müllsammlerinnen aus anderen Ländern angeschlossen. Ende 2023 fand in Japan die erste Spogomi-WM statt mit Mannschaften aus über zwanzig Ländern, darunter Australien, den Philippinen, Marokko, den USA und Deutschland. Weltmeister ist Großbritannien, dessen Truppe laut Beobachter des Wettbewerbs einfach die schnellsten Läuferinnen hatte. Für den Austragungsort Tokio war die Spogomi-WM auch ohne japanischen Sieg hervorragende PR – denn Medien aus aller Welt berichteten darüber, wie sauber die Metropole ist, wie ernst die Menschen das Müllsammeln und -trennen nehmen. Was in der Medienberichterstattung weniger thematisiert wurde: Auch Tokios Infrastruktur und Stadtplanung sind für die Sauberkeit von Bedeutung. Die Aufteilung in viele Mülltypen bedeutet einerseits, dass an praktische jedem Tag die Müllabfuhr durch die Metropole fährt. Zugleich sind die Fahrzeuge kleiner als in deutschen Städten, erregen weniger störende Aufmerksamkeit.Und Yasuhisa Tsukada von der Metropolregierung sagt: „Indem wir uns weitgehend auf die Kooperation der Bevölkerung verlassen können, benötigen wir keine großen Müllsortiermaschinen.“
Die Herausforderung, die den Müll einer Megacity zu managen, ist natürlich trotzdem enorm. Die Müllhalden, die in der Tokioter Bucht auf durch Landgewinnung erzeugtem Grund von Tag zu Tag größer werden, können bis auf Weiteres noch für rund vierzig Jahre weiteren Abfall aufnehmen. „Dann wären die Anlagen randvoll“, so Tsukada.
Der Verantwortliche für Kreislaufwirtschaft hofft darauf, dass der Müll, der bisher nicht recycelt werden kann, künftig verstärkt zur Herstellung von „grünem“ Zement genutzt wird. „Ein Unternehmen aus der Region versucht sich daran, die Entwicklungen sind vielversprechend.“ Auch hinter der Idee, Müll, der nach herkömmlicher Vorstellung nicht recycelbar ist, doch noch weiterverarbeiten zu wollen, steckt ein in Japan typischer Gedanke: „mottainai.“ Diesen Ausdruck stoßen Menschen in Japan reflexartig aus, wenn sie es nicht ertragen, dass etwas verschwendet wird: Zum Beispiel, wenn ihnen ein Produkt zu teuer erscheint, ein Mahl nicht aufgegessen wird oder jemand einen noch brauchbaren Gegenstand wegschmeißen will. Kann man ihn denn nicht noch irgendwie nutzen? „Das ist in Japan eine wichtige Devise“, bestätigt Yasuhisa Tsukada. Und die Soziologin Carola Hommerich berichtet über japanische Schulen: „Die Kinder lernen dieses Prinzip der Sparsamkeit und der Achtung für Ressourceneinsatz von klein auf.“
Verpacktes Obst
Allerdings wäre es ein Trugschluss anzunehmen, dass Japan wegen des konsequenten Mülltrennens und Wiederverwertens auch eine wirklich saubere Wirtschaft und Gesellschaft organisiert hat. Laut einem Vergleich der internationalen Umweltorganisation „UN Environment“ produziert das ostasiatische Land hinter den USA pro Kopf am meisten Plastikmüll weltweit. Und das liegt paradoxerweise insbesondere an der Liebe zu Sauberkeit. Wer einmal einen japanischen Supermarkt betritt, wird einzeln in Schaumstoff verpacktes Obst entdecken, frisches Essen in Plastikboxen oder Kekspackungen, in deren Innerem noch einmal jeder Keks einzeln verpackt ist. „In den Schulen lernen die Kinder zwar über die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen“, sagt Carola Hommerich. „Aber das Wissen ist eher oberflächlich, und jenseits von Mülltrennen wird das eigene Verhalten kaum hinterfragt.“ Das Thema Müllverursachung bleibe unterbelichtet. „Ich sehe sogar eher noch einen Trend zu mehr Müll“, so Hommerich.
Einen Großteil des Mülltrennens könnte man sich sparen, wenn erst gar nicht so viel davon produziert würde. Wobei auch ein Großteil des Mülltrennens selbst am Ende nur begrenzt dem Ideal der Kreislaufwirtschaft dient. Nach offiziellen Zahlen werden in Japan zwar rund 86 Prozent des verursachten Abfalls recycelt, nur acht Prozent wird verbrannt oder auf Mülldeponien gebracht. Allerdings besteht der Recyclinganteil auch auf einer kreativen Rechnung: Rund die Hälfte davon wird wiederum zur Energieerzeugung genutzt – indem er eben doch verbrannt wird.
Zwar haben japanische Unternehmen über die vergangenen Jahrzehnte die Schadstoffausstöße dieser energieorientierten Verbrennung durch neue Technologien offiziell auf ein kleines Maß reduziert. Aber der ökologische Fußabdruck ist weiterhin nicht annähernd Null – anders als man beim Begriff Recycling vermuten könnte. Zumal: Je weniger vom verbrauchten Müll verbrannt wird, desto weniger neuer Plastik muss für neue Produkte eingesetzt werden. Auch so steigen tendenziell wieder die CO2-Emissionen.
Flickenteppich aus Mülltrennregeln
In dieser Sache hat Japan – anders als beim Mülltrennen – noch einen weiten Weg vor sich. Immerhin wird er schon bestritten. Seit die Regierung Ende 2020 beschloss, bis 2050 CO2-neutral werden zu wollen, sind mehrere neue Regeln erlassen worden. Supermärkte dürfen nun keine Gratisplastiktüten mehr an ihre Kunden ausgeben und Unternehmen müssen fortan ihren Müll recyceln. Die sind darin bisher weniger vorbildlich gewesen als die privaten Haushalte. Wobei auch private Haushalte manchmal schon darüber stöhnen, wie kompliziert das Mülltrennen mit all seinen verschiedenen Abfallgattungen ist. Vor allem dann, wenn man von einem Tokioter Bezirk in einen anderen umzieht. Yasuhisa Tsukada muss lachen: „Jeder Bezirk stellt seine eigenen Regeln auf! Wer umzieht, muss sich dann ein paar Dinge neu angewöhnen.“ Hinter dieser Organisationsweise steckt das Verwaltungsprinzip der Subsidiarität, also die Überzeugung, dass die kleinstmögliche Behördeneinheit, die für ihre eigene Situation passenden Regeln aufstellen sollte.
Daraus ist ein Flickenteppich aus Mülltrennregeln geworden. Und das kann zusehends zu einem Problem werden. Denn Tokio befindet sich seit einigen Jahren in einem tiefen demografischen Veränderungsprozess. Nicht nur ziehen jedes Jahr Menschen aus anderen Regionen Japans in die Hauptstadt. Auch aus dem Ausland gibt es viel Zuzug. „Es stimmt, dass es für diese Menschen oft schwierig ist, sich an das System mit den acht Mülltypen zu gewöhnen“, sagt der Stadtmanager Tsukada. Müsste man also die Mülltrennregeln auf Metropolebene zusammenführen? „Theoretisch wäre das eine Option“, findet Tsukada. Nur hat sich auch längst eine spezialisierte Müllabfuhrwirtschaft etabliert, die sich gegen Änderungen stemmt, weil sie sich auf die bestehenden Regeln eingestellt hat. Bis auf Weiteres, glaubt Yasuhisa Tsukada, bleibt den Bewohnerinnen und Bewohnern Tokios wohl nichts anderes übrig, als sich ans komplizierte Mülltrennen zu gewöhnen – und umzugewöhnen, sollten sie umziehen. Immerhin sieht es in der größten Metropolregion der Welt dafür auch beeindruckend sauber aus.

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