Park Pauli
Versiegelte Potenzialfläche: Zwischen dem Hamburger Fischmarkt und den Landungsbrücken liegt ein Stück Hafenkante, das, wenn es nicht gerade als Stellplatz oder Veranstaltungsort dient, ungenutzt bleibt. Ein Werkstattverfahren liefert nun Ideen für eine neue Nutzung als öffentlicher Grünraum für die Stadtgesellschaft.
Text: Kraft, Caroline, Berlin
Park Pauli
Versiegelte Potenzialfläche: Zwischen dem Hamburger Fischmarkt und den Landungsbrücken liegt ein Stück Hafenkante, das, wenn es nicht gerade als Stellplatz oder Veranstaltungsort dient, ungenutzt bleibt. Ein Werkstattverfahren liefert nun Ideen für eine neue Nutzung als öffentlicher Grünraum für die Stadtgesellschaft.
Text: Kraft, Caroline, Berlin
Wer Hamburg sagt, muss auch Fischmarkt sagen. Und St. Pauli. Und „Park Fiction“: jenes freiraumplanerische Projekt aus den frühen 1990-ern. Verglichen mit den aktuellen Stadtplanungsdebatten wirkt es heute durchaus radikal – oder eben demokratisch.
Es war 1994, als im dichten und für Investoren attraktiven Altona weitere geschlossene Büro- und Wohnbebauungen entstehen sollten. Nur, die Nachbarschaft war dagegen. Es bildete sich eine Initiative aus Künstlerinnen, Aktivisten, Bewohnerinnen und sozialen Einrichtungen. Sie fertigte Skizzen und ein Konzept mit dem Namen „Park Fiction“ an. Aufbäumend gegen Politik und Behörden organisierte sich die Nachbarschaft, demonstrierte Nutzungsszenarien und erlangte durch Beharrlichkeit und fortlaufende Beteiligungsaktionen politische Legitimation.
Das gewählte Planungsinstrument für die Realisierung des inzwischen wohlbekannten Anto-niparks oberhalb des Fischmarkts nannte sich neben Kollektivität „Wunschproduktion“. Das Künstlerduo Christoph Schäfer und Cathy Skene erarbeitete das Konzept im Partizipationsprozess. „Es geht bei der kollektiven Wunschproduktion darum, neu zu bestimmen, was die Stadt ist, darum, ein anderes Netz über die Stadt zu legen, sich die Stadt anzueignen, überhaupt sich vorzustellen, wie es anders laufen könnte, und dann das Spiel nach anderen Regeln zu spielen“, beschreibt Schäfer. So entstand bei Kneipengesprächen, offenen Werkstätten, auf Veranstaltungen und Fragebögen ein Bild des Wunschparks für die Stadtgesellschaft. Der Hamburger Park mit seinen vielfach besungenen „Palmen aus Plastik“ – eigentlich aus Metall – wurde schließlich 2005 fertiggestellt, übrigens auch mit dem Zuspruch des damaligen SPD-Kreisvorsitzenden Olaf Scholz.
Unmittelbar unter diesem Paradebeispiel alternativer Stadtplanung, direkt an der Elbe zwischen Fischmarkt und Landungsbrücken, liegt ein Stückchen versiegelter Uferstreifen, das ak-tuell als Stellplatz und Veranstaltungsfläche für den sonntäglichen Fischmarkt und den jährlichen Hafengeburtstag dient. In Anknüpfung an den darüberliegenden Antonipark soll sich die urbane Fiktion am Elbufer fortsetzen. Das Mandat zur Umsetzung des Projekts wurde im Koalitionsvertrag von 2020 an die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) übertragen.
Bis 2024 lief die von der Park Fiction-Initiative organisierte „kollektive Wunschproduktion“. Aus der Nachbarschaft kamen ganze 700 Beiträge. So entstanden zentrale Leitideen für die zukünftige Hafenkante: Wasserzugang, geringe Kommerzialisierung und selbstorganisierte Nutzungen. Darauf folgte ein europaweites Vergabeverfahren, das eine Planungsgemeinschaft der Hamburger projektbüro und UVM 2024 für sich entschied. Im Qualifizierungsprozess der Hafenkante untersuchte das Team im partizipativen Prozess, wie eine Umsetzung zum Freiraum für die Hamburger Stadtgesellschaft – explizit nicht für touristische Zwecke – aussehen könnte. Außerdem führte die Gruppe den Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Initiativen und Öffentlichkeit, entwickelte Leitlinien und Projektziele und organisierte 2024 eine räumliche Testphase am Elbufer. Im Werkstattverfahren 2025 kamen die Planungsteams hinzu, die auf Basis der Arbeitsergebnisse konkret wurden.
Die Entscheidungsfindung verlief Anfang des Jahres in mehreren Runden. Angehörige des Park Fiction-Komitees diskutierten mit Vertretenden aus Fachplanung, Verwaltung, Kultur und dem Stadtteil. Zunächst schied der Entwurf von RMPSL aus. Schlussendlich war es das „Grüne Dings“, das die Auftraggeberin BUKEA überzeugte: Der Entwurf der Büros rabe und white übersetze die vorher formulierten Wünsche und Notwendigkeiten am überzeugendsten.
Die Planung der St. Pauli Hafenkante erfolgte in einem bemerkenswerten, aufwändigen Prozess. Die Umgestaltung soll laut BUKEA schrittweise bis etwa 2030 erfolgen, entscheidend wird aber sein, ob die Wunschproduktion tatsächlich bis in die bauliche Umsetzung hinein fortgeführt wird. Das kollektive Strangziehen geht weiter.
Kooperatives Werkstattverfahren
1. Preis rabe landschaften, Hamburg und white arkitekter, Stockholm
2. Preis Franz Reschke Landschaftsarchitektur mit Rimpau Bauer Derveaux Partnerschaft von Architekten,
beide Berlin
3. Preis RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekt:innen, Bonn
1. Preis rabe landschaften, Hamburg und white arkitekter, Stockholm
2. Preis Franz Reschke Landschaftsarchitektur mit Rimpau Bauer Derveaux Partnerschaft von Architekten,
beide Berlin
3. Preis RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekt:innen, Bonn
Auslobung
Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), Hamburg; Amt für Naturschutz und Grün-
planung Abteilung Landschaftsplanung und Stadtgrün
Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), Hamburg; Amt für Naturschutz und Grün-
planung Abteilung Landschaftsplanung und Stadtgrün
Entscheidungsgremium
Maren Brakebusch, Johannes Böttger, Melanie Cagic, Marcel Gessert, Gabriele Göller-Meier, Julia-Maria Heindorf, Klaus Hoppe, Michael Jenke, Steffen Jörg, Kamiel Klaasse, Mirjam Lenzen, Karoline Liedtke-Sørensen, Miriam Nadolny, Christoph Schäfer, Renée Tribble, Joanna Warsza, Kathrin Wittmaack
Maren Brakebusch, Johannes Böttger, Melanie Cagic, Marcel Gessert, Gabriele Göller-Meier, Julia-Maria Heindorf, Klaus Hoppe, Michael Jenke, Steffen Jörg, Kamiel Klaasse, Mirjam Lenzen, Karoline Liedtke-Sørensen, Miriam Nadolny, Christoph Schäfer, Renée Tribble, Joanna Warsza, Kathrin Wittmaack
Koordination
büro luchterhandt & partner Kaiser Luchterhandt Senger Stadtplanung und Landschaftsarchitektur, Hamburg
büro luchterhandt & partner Kaiser Luchterhandt Senger Stadtplanung und Landschaftsarchitektur, Hamburg







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