Bauwelt

Nationale Bedeutung, leise Töne

Im Wettbewerb zum neuen Schaudepot des Deutschen Literaturarchivs Marbach tritt die Architektur zugunsten naturnaher Landschaftsgestaltung in den Hintergrund. Betont werden das Lesen und der Austausch darüber.

Text: Geissinger, Achim, Stuttgart

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    1. Preis Gustav Düsing und Mahl Gebhard senken das Archiv in die Erde und klappen zwei Deckel auf, wo es Licht und Zugänglichkeit braucht. Ökologische Nachhaltigkeit wird durch geringen Energieverbrauch über das Konzept der Gründächer und reduzierten Glasflächenanteil erreicht.

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    1. Preis Gustav Düsing und Mahl Gebhard senken das Archiv in die Erde und klappen zwei Deckel auf, wo es Licht und Zugänglichkeit braucht. Ökologische Nachhaltigkeit wird durch geringen Energieverbrauch über das Konzept der Gründächer und reduzierten Glasflächenanteil erreicht.

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    Das Gebäude erscheint eher als ein Teil der Landschaft denn als Hochbau. Die Jury hofft auf überzeugende Vorschläge, um die attraktive Zartheit und die hemmschwellenfreie Offenheit erzielen zu können.

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    2. Preis Karamuk Kuo und Studio Vulkan sehen Nachhaltigkeit im Weiterbauen und bieten eine filigrane Gitterstruktur an, innerhalb der vielfältige, erweiterbare Raumbezüge möglich sind. Auch vermag sie, mühelos Außen und Innen miteinander zu verweben.

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    2. Preis Karamuk Kuo und Studio Vulkan sehen Nachhaltigkeit im Weiterbauen und bieten eine filigrane Gitterstruktur an, innerhalb der vielfältige, erweiterbare Raumbezüge möglich sind. Auch vermag sie, mühelos Außen und Innen miteinander zu verweben.

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    Als strukturell wie städtebaulich wirksame Anker dienen massive „Erdtürme“, die technische und räumliche Funktionen übernehmen. Als horizontal gelagerte Lernlandschaft zeigt der Entwurf weniger Verwandtschaft mit den DLA-Bauten als mit den benachbarten Schulen.

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    Als strukturell wie städtebaulich wirksame Anker dienen massive „Erdtürme“, die technische und räumliche Funktionen übernehmen. Als horizontal gelagerte Lernlandschaft zeigt der Entwurf weniger Verwandtschaft mit den DLA-Bauten als mit den benachbarten Schulen.

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    3. Preis AFF und Topotek bilden aus drei Bauvolumen – Plateau, Flachbau und Kubus – ein gut lesbares Gefüge. Durch leichte Drehung und das Abrücken des Hochpunkts in die Grundstückstiefe verringert sich der Eingriff in den empfindlichen Straßenraum.

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    3. Preis AFF und Topotek bilden aus drei Bauvolumen – Plateau, Flachbau und Kubus – ein gut lesbares Gefüge. Durch leichte Drehung und das Abrücken des Hochpunkts in die Grundstückstiefe verringert sich der Eingriff in den empfindlichen Straßenraum.

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    Der transluzente Kubus in Holzfachwerkkonstruktion mit einer Bekleidung aus Glasschindeln wirkt als prägnanter Orientierungs- und Anlaufpunkt. Das Ensemble überzeugt durch klare städtebauliche Setzung, räumliche Organisation sowie material- und konstruktionsbewusste Architektur mit hoher Aufenthaltsqualität.

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    Der transluzente Kubus in Holzfachwerkkonstruktion mit einer Bekleidung aus Glasschindeln wirkt als prägnanter Orientierungs- und Anlaufpunkt. Das Ensemble überzeugt durch klare städtebauliche Setzung, räumliche Organisation sowie material- und konstruktionsbewusste Architektur mit hoher Aufenthaltsqualität.

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    Anerkennung Indem der Vorschlag von Bruther und Catherine Mosbach zwischen den tief eingesenkten Archivebenen und den Aushubböschungen einigen Abstand bewahrt, inszeniert er die geologischen Schichten des Baugrunds.

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    Anerkennung Indem der Vorschlag von Bruther und Catherine Mosbach zwischen den tief eingesenkten Archivebenen und den Aushubböschungen einigen Abstand bewahrt, inszeniert er die geologischen Schichten des Baugrunds.

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    Von großer suggestiver Kraft ist der stützenfreie Einraum der Eingangsebene unter dem sanft gekrümmten Dach. Die rundum verglaste, frei bespiel- und einteilbare Fläche wirkt wie ein geschützter Außenraum.

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    Von großer suggestiver Kraft ist der stützenfreie Einraum der Eingangsebene unter dem sanft gekrümmten Dach. Die rundum verglaste, frei bespiel- und einteilbare Fläche wirkt wie ein geschützter Außenraum.

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    Anerkennung In der transparenten Großform eines Dreiecks zeigen Fakt und Muoto eine klimatisch ausgebuffte, klar linear gegliederte Maschine aus kühlen Materialien. Im Innern lässt sich über eine Art Graben hinweg die Arbeit im Archiv nachvollziehen.

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    Anerkennung In der transparenten Großform eines Dreiecks zeigen Fakt und Muoto eine klimatisch ausgebuffte, klar linear gegliederte Maschine aus kühlen Materialien. Im Innern lässt sich über eine Art Graben hinweg die Arbeit im Archiv nachvollziehen.

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    Das vollflächig mit transluzenter Photovoltaik belegte Dach folgt der Hangneigung. Die leichte Anmutung eines Gewächshauses mildert die Höhenentwicklung gegenüber der Nachbarbebauung jedoch kaum.

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    Das vollflächig mit transluzenter Photovoltaik belegte Dach folgt der Hangneigung. Die leichte Anmutung eines Gewächshauses mildert die Höhenentwicklung gegenüber der Nachbarbebauung jedoch kaum.

Nationale Bedeutung, leise Töne

Im Wettbewerb zum neuen Schaudepot des Deutschen Literaturarchivs Marbach tritt die Architektur zugunsten naturnaher Landschaftsgestaltung in den Hintergrund. Betont werden das Lesen und der Austausch darüber.

Text: Geissinger, Achim, Stuttgart

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) hütet literarische und intellektuelle Schätze der Bundesrepublik. Als außeruniversitäre Einrichtung erforscht und sichert es Quellen der Geistesgeschichte von 1750 bis zur Gegenwart. Gerade weil sich das Lesen immer mehr ins Digitale verlagert, setzt das Archiv auf die Erfahrbarkeit materiellen Erbes: Handschriften, Bilder, Objekte, auch digitale Unikate. Fleißig erwirbt und erschließt es diese und wächst um 1300 Regalmeter pro Jahr.
Ein neues Schauarchiv soll die Bestände der Außenlager und die Zugänge der nächsten dreißig Jahre aufnehmen, mindestens. Rund 10.000 Quadratmeter Nutzfläche sind dafür veranschlagt, vorwiegend für Magazine, aber auch für Bestandspflege, Digitalisierung, Verwaltung und öffentliche Bereiche für Ausstellung, Vermittlung und Konferenz.
Eine solche Baumasse lässt sich auf dem bisherigen, über die Jahrzehnte von Wohngebieten umwucherten DLA-Campus nicht sinnvoll unterbringen. In der näheren Nachbarschaft zu den bestehenden Museums- und Archivbauten von 1903 bis 2006 werden deshalb ein Bolzplatz und ein marodes Schwimmbad weichen, um – wie es in der Wettbewerbsauslobung der Deutschen Schillergesellschaft vom Oktober 2025 heißt – ein „Tor zur Literatur“ entstehen zu lassen. Bevor der Planungsauftrag im Sommer vergeben wird, stehen detaillierte Verhandlungen mit den drei Preisträgern an.

Große Aufgaben
Den räumlichen Zusammenhang zwischen Neubau und Bestandsbauten stellt der bestehende Park her, der bis 2033 zum Bestandteil einer „kleinen“ Landesgartenschau umgestaltet wird. Ein grüner Bogen soll dann vom Nachbarort Benningen her über den Neckar hinweg zur Altstadt über den DLA-Campus bis zu den Marbacher Schulen spannen.
Auf all dem lastet ein hoher Erwartungsdruck. Das neue Gebäude für die weltweit größte Spezialsammlung zur neueren deutschen Literatur muss ein gleichermaßen einladender Diskurs- wie auch sicherer Aufbewahrungsort sein. Es soll freilich besonders nachhaltig ausfallen, ökologisch wie sozial, als Teil des örtlichen Stadtlebens. Und muss formal der Bedeutung als Tor zum Literaturcampus gerecht werden, darf dem Bestand aber nicht die Schau stehlen und vor allem die Dürftigkeit der benachbarten Wohnarchitektur nicht allzu sehr spüren lassen. Erwartet wird nicht weniger als ein „Leuchtturmprojekt“, ein Signet, das sich in der öffentlichen Wahrnehmung verankern lässt.
Die zwanzig jurierten Wettbewerbsentwürfe zeigen allerdings, dass die Zeichen der Zeit nicht mehr so sehr auf „Signature Architecture“ stehen. Folgerichtig insofern, als sich das Architekturschaffen zunehmend wegbewegt von der Singularität einzelner Persönlichkeiten hin zu pragmatisch und integrativ agierenden Kollektiven.
In den Beiträgen älterer Büros findet sich bisweilen Massives, Steinernes, Urbanes – der Bedeutung der Institution in Schillers Geburtsstadt sicher angemessen, gegenüber dem kleinstädtischen Duktus ringsum jedoch unsensibel bis maßlos. Die prämierten Arbeiten der vergleichsweise jungen Büros hingegen üben sich in charmanter Zurückhaltung bis hin zur Unscheinbarkeit. Auch das lässt Fragen nach Angemessenheit aufkommen. Der erste Preisträger etwa duckt sich mit zwei schräg aus der Landschaft herausgeklappten Gründächern regelrecht weg, und der Ortsunkundige wird auch weiterhin auf Hinweisschilder oder Navi angewiesen sein, um in die richtigen Straßen einzubiegen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die erstplatzierten Ideen von Gustav Düsing umgesetzt werden, ist aber nicht klein. Denn der poetische Charme der vorgeschlagenen Lösung erschließt sich unmittelbar. Die Jury unter dem Vorsitz von Regine Leibinger konstatiert einstimmig: „Natur und Bauwerk sind keine Gegensätze, sondern prägen und bedingen einander“ und führt weiter aus, dass es durch die gegenläufige Auffaltung der Parklandschaft in „öffentlichere“ und „privatere“ Räume gelänge, zwei wesentliche Erfahrungsqualitäten von Literatur räumlich zu inszenieren: das Konzentrierte, Intime, Zurückgezogene im Akt des Lesens und das Kommunikative, Gemeinschaftsbildende im Austausch über Literatur. Die DLA-Direktorin Sandra Richter schätzt an dem Entwurf die Lässigkeit und erkennt im janusköpfigen Spiel zwischen offen und geschlossen genau ihr eigenes Arbeitsethos wieder: schwellenlosen Zugang zu eröffnen und zugleich das Geheimnis der Literatur zu bewahren.


Nicht offener Planungswettbewerb nach RPW
1. Preis (72.000 Euro) Gustav Düsing Architekt, Berlin, mahl gebhard konzepte, München
2. Preis (45.000 Euro) Karamuk Kuo Architekten, Zürich, Studio Vulkan Landschaftsarchitektur, Zürich
3. Preis (27.000 Euro) AFF Architekten GmbH, Berlin, TOPOTEK GmbH, Berlin
Anerkennung (18.000 Euro) FAKT - Kern Tessarz Tratz Architekten PartGmbB, Berlin, in ARGE mit Studio Muoto SARL, Paris, Bureau B+B urbanism and landscape architecture, Amsterdam
Anerkennung (18.000 Euro) BRUTHER, Paris, Catherine Mosbach Landschaftsarchitektin, Paris
Auslober
Deutsche Schillergesellschaft e.V., Deutsches Literatur-archiv Marbach
Jury
Anne Kaestle, Regine Leibinger, Niklas Maak, Johanna Meyer-Grohbrügge, Birgit Rapp, Thomas Stark, Alfredo Thiermann

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