Bauwelt

Mein Likezig lob ich mir

Text: Landes, Josepha, Berlin

Eventteaser Image
  • Social Media Items Social Media Items

Foto: Mahmoud Dabdoub

  • Social Media Items Social Media Items

Foto: Mahmoud Dabdoub


Mein Likezig lob ich mir

Text: Landes, Josepha, Berlin

Leipzig umweht ein verheißungsvoller Wind. Die Stadt trägt Spitznamen wie Klein-Paris, Better Berlin oder Hypezig. Und ihre Anziehungskraft gründet auf einer Erfahrung, die lange als Makel galt: Schrumpfung.
Auf den Fotografien von Mahmoud Dabdoub, der 1982 aus dem Libanon nach Leipzig zog, erscheint das Vor-Wende-Leipzig in eindrücklichem Schwarzweiß: eine Arbeiterstadt, geprägt vom umgebenden Tagebau und eingesponnen in den Alltag des Realsozialismus. In den Neunzigern folgten die „Baseballschlägerjahre“. Auch in Leipzig wurden die Auseinandersetzungen zwischen rechter Szene und linken Milieus laut und gewalttätig ausgetragen; die Aggression von Neonazis und Hooligans des VfB Leipzig richtete sich dabei vor allem gegen Punks, Skater und linke Jugendliche.
Heute heißt der bekannteste Fußballverein der Stadt RB Leipzig – und die damalige Härte scheint weit entfernt. Auch die Schrumpfung der Nachwendezeit ist einer Phase des Wachstums gewichen. Abwan-derung, Leerstand und Brachen, einst Voraussetzungen für Aneignung und Experiment, sind Verdichtung und Verwertung gewichen. Gerade aus diesen Brüchen aber speist sich der Mythos der Stadt.
Dass Leipzig Freiheit verspricht, wusste schon Goethe. Nicht zufällig ließ er seinen Dr. Faust hier nach Erfüllung suchen. Die Bezeichnung „Klein-Paris“ war dabei weniger schmeichelhaft gemeint, als es heute klingt. Dennoch hält sich das Bild einer Stadt, die Offenheit, Erschwinglichkeit und produktive Reibungen vereint. Es knüpft wohl auch an die Geschich-te Leipzigs als Handelsstadt an, die mit ihren Messen den Glanz der großen weiten Welt spiegelt.
Mit dem neuerlichen Wachstum geht eine andere Form der Schrumpfung einher: die der Freiräume. Der Rosa-Luxemburg-Stiftung zufolge stiegen die Angebotsmieten zwischen 2010 und 2022 um 85 Prozent; weitere deutliche Zuwächse zeichnen sich ab.
Diese Ausgabe erkundet, worauf der Magnetismus Leipzigs fußt – und was von ihm bleibt. Was geschieht auf dem Wohnungsmarkt? Wie verändert sich der Blick auf Gründerzeitquartiere und DDR-Moderne? Wohin entwickeln sich alternative Orte? Daraus entsteht das Bild einer Stadt, die ihre architektonischen Ambitionen selten offensiv ausstellt und dennoch auf ganz eigene Weise Architekturstadt ist.

0 Kommentare


loading
x
loading

12.2026

Das aktuelle Heft

Bauwelt Newsletter

Das Wichtigste der Woche. Dazu: aktuelle Jobangebote, Auslobungen und Termine. Immer freitags – kostenlos und jederzeit wieder kündbar.