Im Rahmen des (Un)möglichen

Text: Friedrich, Jan, Berlin; Crone, Benedikt, Berlin

Im Rahmen des (Un)möglichen

Text: Friedrich, Jan, Berlin; Crone, Benedikt, Berlin

Bei 18,7 Prozent aller Wohnbauten, die im vergangenen Jahr in Deutschland genehmigt wurden, war Holz der überwiegend verwendete Baustoff. Tendenz seit Jahren leicht, aber stetig steigend. Bei den Nichtwohngebäuden waren es 19,5 Prozent. Regional gibt es große Unterschiede: Spitzenreiter bei den Wohnbauten ist Baden-Württemberg mit 31,9 Prozent, gefolgt von Rheinland-Pfalz (24 Prozent), Bayern (23,2 Prozent), Hessen (22,1 Prozent) und Thüringen (21,8 Prozent). Schlusslichter sind die Stadtstaaten: Ber­lin (8,9 Prozent), Bremen (6,3 Prozent), Hamburg (5,2 Prozent). Bei den Nichtwohngebäuden ergibt sich eine leicht andere Verteilung.
Ohne Sie hier nun weiter mit Prozenten bewerfen zu wollen (im Detail nachzulesen ist das alles im Lagebericht 2020 von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V.), das Bild, das sich ergibt, ist eindeutig: Die Akzeptanz des konstruktiven Holzbaus ist gerade in den Städten nicht besonders groß. Nun werden ja die Städte von vielen als die Orte an­gesehen, in denen sich unsere Zukunft zum (hoffentlich) Besseren entscheidet. Und Holz gilt als die gro­-ße Hoffnung des klimagerechten Bauens, weil es mit ihm als Baustoff gelingen kann, aus unseren Neubauten im großen Stil CO2-Speicher zu machen. Wenn also ausgerechnet die Stadt mit dem Holz derart fremdelt, besteht dringender Handlungsbedarf. Deshalb in dieser Ausgabe einige Beispiel, wie Stadt und Holz auf ganz unterschiedlichen Ebenen zusammenkommen können. Und: fast keine Zahlen mehr, versprochen!

Darf man das?

Auch heute noch? Ein 45 Meter hoher, kantiger Fels wurde in die beschauliche Altstadt von Groningen gehämmert. Keine Rekonstruktion, keine schüchterne, kleinparzellierte Weiterentwicklung des Ortes. Stattdessen setzte die Gemeinde, die als Bauherr des Forums Groningen von NL Architects agierte, auf eine merkwürdig massive Form einer „Kultur-Shoppingmall“. Sie soll mit allerlei Bildungs- und Unterhaltungsangeboten das Zentrum für die Bewohner wieder attraktiver werden lassen. Das Äußere des Gebäudes fände er gar nicht so interessant, sagt Architekt Kamiel Klaasse im Interview (Seite 44). Doch wenn man es betrete, passiere etwas. Glaubt man den Bildern des Fotografen Marcel van der Burg, scheint sich das Gebäude tatsächlich einer Beliebt- und Belebtheit zu erfreuen – in der gegenwärtigen Zeit ein unnormaler Zustand paradiesischer Sorglosigkeit. Ob man sowas darf, ist daher wohl nicht die wesentliche Frage, sondern ob man es auch kann. Nun ja, zumindest die Groninger können es.

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