Bauwelt

Alter Hut Neues Gewand

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin; Landes, Josepha, Berlin

Alter Hut Neues Gewand

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin; Landes, Josepha, Berlin

Erneuern, Umnutzen, Wiederbeleben von historischen Gebäuden zieht sich durch die beiden Thementeile dieser Ausgabe, welche sich Theatern und Museen widmen. „Bauen im Bestand“ hieß das früher, heute sprechen wir von Reuse und Nachhaltigkeit. In diesem Zusammenhang sei ein aufmerksamer Blick auf die Grundrisse und Schnitte empfohlen: Die vier Theaterprojekte in Naumburg, Glasgow, Ljubljana und Rom sind alle im Maßstab 1:750 dokumentiert. Warum da-rauf hingewiesen sei? Weil kaum eine andere Darstellungsform so schnell deutlich macht, mit welcher materiellen Substanz Architektinnen und Architekten umzugehen hatten. „Nachhaltiges Bauen“ bedeutet jedenfalls nicht notgedrungen die einige Jahre lang von progressiv gestimmten Planerteams gepflegte Do-it-yourself-Ästhetik aus partizipativ und detailfrei zusammengebasteltem Restmaterial – nachhaltiges Bauen sollte dem Anspruch folgen, für möglichst lange Nutzungszyklen zu bauen. Wir müssen uns frei machen vom Planen für eine Lebensdauer von fünfzig Jahren. Wenn wir heute bauen, dann sollte die dafür aufgewendete Energie auch noch unseren Urenkeln und deren Nachkommen Lebensraum bieten. Um noch einmal auf die Plandarstellungen zu sprechen zu kommen: Das nördliche Seitenschiff der Maxentiusbasilika, die für Veranstaltungen einen Bühneneinbau erhalten hat, steht seit 1700 Jahren auf dem Forum Romanum, und wenn man Grundriss und Schnitt betrachtet, wird auch sofort klar, warum.
Aus den Augen, nicht aus dem Sinn
Die Museenlandschaft wird anspruchsvoller. War es vielleicht in den Fünfzigerjahren noch möglich, mit der Ausweisung als „Heimatmuseum“ Gäste zu locken, ist allein die Bezeichnung heute aus der Mode. Ein bisschen spezifischer sollte ein Museum, insbesondere in kleineren Gemeinden, unbedingt auftreten, um über den Dunstkreis des örtlichen Stammtischs hinaus Publikum zu ziehen. Dass diese Aufgabe nicht einmal schwierig ist, da so gut wie jede Ortsgeschichte Außerordentliches parat hält, beweisen zwei heutzutage eher kleinere Städte: Adorf im Vogtland und Forst in der Niederlausitz. Die jeweils im Bestand verorteten und selbigen erweiternden Museen sind herausragendem Fertigungs-Savoirfaire gewidmet, für das ihre Heimatorte einst standen: Im Vogtland beschloss die emsige Gemeinde, das Kunsthandwerk und die Naturgeschichte rund ums Perlmutt in den Mittelpunkt ihrer Heimatgeschichte zu rücken. Das Museum in der Lausitz fokussiert die Weberei – ein Gewerbe, das mitnichten aus dem Stadtbild verschwunden ist. Bei-de Museen zeigen, dass manches Verborgene nichts an Relevanz verloren hat.

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