Spart bei Decken und Wänden!

Jan Friedrich weiß jetzt, dass Schallschutz aus Nachbarn Soziopathen macht

Text: Friedrich, Jan, Berlin

Jan Friedrich weiß jetzt, dass Schallschutz aus Nachbarn Soziopathen macht

Jan Friedrich weiß jetzt, dass Schallschutz aus Nachbarn Soziopathen macht


Spart bei Decken und Wänden!

Jan Friedrich weiß jetzt, dass Schallschutz aus Nachbarn Soziopathen macht

Text: Friedrich, Jan, Berlin

Bezahlbaren Wohnraum schaffen. Alle reden davon. Und alle suchen nach Möglichkeiten, wie das gehen könnte. Immer wieder ist zu hören: Unsere viel zu hohen Standards müssten reduziert werden. Denn die machten das Bauen in Deutschland zu teuer. Doch wo genau fängt man an mit der Standardreduktion? Rutschstange statt Fluchttreppenhaus? Schießscharten statt Kinderzimmerfenster? Wollpullover statt Wärmedämmung? Wenn Sie mich fragen: Man sollte den Schallschutz weglassen. Ist der Typ verrückt, werden Sie denken, wieso ausgerechnet den Schallschutz? Ganz einfach: Weil Schallschutz nicht nur teuer ist, sondern weil er die Menschen ihrer Fähigkeit beraubt, entspannt zusammenzuleben. Wie bitte? Doch, doch. Zwei Begegnungen der letzten Woche haben mir diesbezüglich die Augen geöffnet.
Begegnung eins: ein Aushang im Treppenhaus von Freunden, die ich besuchte: „Liebe Nachbarn, am Samstag veranstalten wir von ca. 11 Uhr bis 16 Uhr einen Geburtstagsbrunch. Leichte Lärmbelästigung bitten wir zu entschuldigen und bedanken uns für euer Verständnis. Astrid und Thomas aus der 3. Etage.“ Brunch am Mittag, Verständnis für leichte Lärmbelästigung? Das nämliche Haus ist kaum fünf Jahre alt. Die Wohnungen sind durch alle Tricks, die der zeitgenössische Schallschutz bereithält, derart voneinander abgeschottet, dass man sich – ist die schwere Wohnungstür hinter einem ins Schloss gefallen – der Welt so entrückt fühlt wie in einem Raumschiff. Wie kommt jemand auf die Idee, hier so etwas anzukündigen? Die Freunde klären mich auf: Es gäbe im Haus immer wieder Ärger wegen Gesprächen auf dem Balkon.
Begegnung zwei: Tags darauf bei mir – das Haus Baujahr 1895, Holzbalkendecke, Dielenboden, Trennwände so dünn wie Papier. Die Nachbarin von oben, mir vor allem durch ihren schweren Gang bekannt, kommt mir auf der Treppe entgegen: „Wer spielt denn bei Ihnen seit neustem so engagiert Klavier?“ Gleich wird sie mich über Ruhezeiten belehren und damit drohen, bei Verstößen die Polizei zu rufen, schießt es mir durch den Kopf. „Äh. Das bin ich. Wenn es mal nicht passen sollte...“ „Nein, nein“, unterbricht sie mein Gestammel, „spielen Sie, spielen Sie! Es ist wunderbar, in einem Haus zu wohnen, in dem was los ist.“

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