Innovationszentrum UC Anacleto Angelini in Santiago de Chile


Das neue Innovationszentrum UC Anacleto Angelini von Elemental prägt seit Mitte 2014 den Eingang des Campus San Joaquín in Santiago de Chile. Das Gebäude soll ein Zeichen des Aufbruchs sein


Text: Dransfeld, Agnes, Copiapó (Chile)


    Riesige Einschnitte und ungewöhnliche Proportionen bestimmen den monolithischen Solitär für das Innovationszentrum
    Foto: Cristóbal Palma

    Riesige Einschnitte und ungewöhnliche Proportionen bestimmen den monolithischen Solitär für das Innovationszentrum

    Foto: Cristóbal Palma

    Im Vergleich zu den Einschnitten und Auskragungen, wirkt der Eingang in der massiven Fassade winzig

    Foto: Cristóbal Palma

    Im Vergleich zu den Einschnitten und Auskragungen, wirkt der Eingang in der massiven Fassade winzig

    Foto: Cristóbal Palma

    Foto: Cristóbal Palma

    Foto: Cristóbal Palma

    Die innere Fassade setzt sich aus verglasten Holzrahmen zusammen, hinter denen die Arbeitsräume
    liegen
    Foto: Cristóbal Palma

    Die innere Fassade setzt sich aus verglasten Holzrahmen zusammen, hinter denen die Arbeitsräume
    liegen

    Foto: Cristóbal Palma

    Auch in den Auskragungen sind Arbeitsräume untergebracht
    Foto: Cristóbal Palma

    Auch in den Auskragungen sind Arbeitsräume untergebracht

    Foto: Cristóbal Palma

Der prominente Bauplatz am Eingang des Campus der Pontificia Universidad Católica de Chile war von der Universitätsleitung jahrelang für ein besonderes Gebäude freigehalten worden. Schon seit einiger Zeit bestand die Idee, einen Ort zu schaffen, an dem universitäre Forschung und Wirtschaft zusammentreffen können. In Chile agieren die Wissenschaftler bisher weitgehend unabhängig vom Markt und seinen Anforderungen. Ziel des Innovationszentrums ist es, dies zu ändern und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu steigern. Die Gelder für diesen repräsentativen Bau kamen zu einem guten Teil aus privater Hand, von der Angelini Group. Als eines der größten Unternehmenskonglomerate Südamerikas vereint die Gruppe unter anderen Unternehmen der Branchen Treibstoff, Holz, Energie, Minen und Fischerei, die alle samt in den vergangenen Jahren in Chile aufgrund ihrer Umwelt- und Sozialstrategie in der Kritik standen. So war diese medienwirksame Investition in ein Innovationszentrum in erster Linie wohl eine strategische Entscheidung: Das Gebäude trägt den Namen des Gründers der Gruppe, Anacleto Agelini, und wurde von der Staatspräsidentin Michelle Bachelet persönlich eingeweiht.
Beton, Glas, Holz und Stahl
Der monolithische Neubau des Innovationszentrums lässt die Universitätsgebäude in der Umgebung niedrig und unscheinbar wirken. Mit zehn Stockwerken ist er der höchste Bau auf dem Campus. Die Sichtbetonfassade mit den sich über mehrere Geschosse ziehenden Öffnungen macht einen abweisenden Eindruck. Die zum Eingang führenden, aus Betonkugeln sprudelnden Wasserspiele scheinen dem Besucher Mut machen zu wollen. Wer sich traut, die schweren, dunklen Eingangstüren unter einigem Kraftaufwand zu öffnen, erlebt eine Überraschung. Man betritt ein helles und luftiges Atrium. Zu diesem öffnen sich die verschiedenen Arbeitsbereiche mit großen, holzgerahmten Glasflächen. Die Aufzüge sind als freie Struktur hineingestellt und zeigen unverkleidet ihre Technik. Der Blick gleitet aus dem Foyer automatisch nach oben. Leider endet dieser optische Ausflug an einem erstaunlich einfallslosen und braun-fleckigen Milchglasdach.
Dieses Jahr hat das Londoner Designmuseum seinen Preis „Design of The Year“ in der Katego-rie Architektur an das Innovationszentrum verliehen. Auf seiner Website gibt es dem Zentrum den Untertitel „Ein offenes und umweltfreund-liches Universitätsgebäude“. Umweltfreundlich ist das Gebäude vor allem im Hinblick auf den durchschnittlichen Energieverbrauch von öffentlichen Gebäuden in Chile. Offen ist für Besucher nur das Erdgeschoss, in dem sich die Filiale einer Cafékette befindet. Die Arbeitsbereiche können sie nicht betreten.
Das für das Gebäude verantwortliche Architekturbüro Elemental betont im Bezug auf das Raumkonzept vor allem die Möglichkeit von informellen Treffpunkten im Gebäude als jenen Orten, an denen die wirklich guten Ideen entstehen. Dafür scheinen besonders die dreizehn Terras-sen vor den nach innen versetzten Riesenfenstern gut geeignet.
Elemental präsentiert mit der Form und der Fassade sowie der inneren Organisation des Innovationszentrums einen Gegenentwurf zu den typischen „modernen“ Glastürmen, von denen mittlerweile mehr als genug die Hauptstadt Chiles zieren. Einerseits ging es dem Büro darum, ein energetisch dem mediterranen Klima angepasstes Fassadenkonzept zu entwickeln und andererseits, einen architektonischen Ausdruck für Innovation zu finden, der die Zeit überdauert und sich auch zukünftigen Anforderungen anpassen kann. Klare Linien und das Gefühl von Schwere beim Anblick des Gebäudes sollen ihm Zeitlosigkeit verleihen.
Eine neue Architektur
Ob der Bau mit seinen riesenhaften Proportionen zu einem Klassiker wird, lässt sich nicht voraussehen. Die angewandten Gestaltungsprinzipien, wie die riesigen Einschnitte in der Fassade mit den nach hinten versetzten Fenstern, die direkte Sonneneinstrahlung verhindern und somit den Wärmeeintrag verringern, oder auch die Querlüftung und die Nachtkühlung, die bei der Klimatisierung Energie sparen, sind keine bahnbrechenden neuen Weisheiten. Auch die Aussage der Planer, dass das Gebäude eher nach den Kriterien einer Infrastruktur als nach denen der Architektur entworfen wurde, ist kein revolutionärer Ansatz. Der bauleitende Archi-tekt Juan Cerda erklärt, dass die Entwurfskriterien einfach dem gesunden Menschenverstand folgten.
Im chilenischen Kontext entspricht dies dennoch einer kleinen Revolution: An den meisten Universitäten in Chile und besonders an der Universidad Católica, wo sich das Büro Elemental gründete, wird Architektur hauptsächlich von einem ästhetischen Standpunkt aus gelehrt. Entwerfen bedeutet für viele chilenische Architekten mehr Gestalten als Konstruieren. Raum und Licht sind wichtiger als Fensterdetails und Haustechnik. Funktionalität, Raumklima, Akustik, Statik und baukonstruktive Aspekte müssen sich dem Designkonzept unterordnen und entsprechend anpassen. Insofern hat Elemental mit seinem Innovationszentrum zumindest in Chile ein wegweisendes Stück Architektur geschaffen.



Fakten
Architekten Elemental, Santiago de Chile
Adresse Vicuña Mackenna 4860, Macul, Santiago, Región Metropolitana,Chile


aus Bauwelt 40-41.2015
Artikel als pdf

0 Kommentare


Ihr Kommentar






loading

25.2018

Das aktuelle Heft

Bauwelt Newsletter

Immer Freitags: das Wichtigste der Woche. Dazu: aktuelle Jobangebote, Auslobungen und Termine.