Große Mauer


Kann man für 180.000 Euro eine Krippe für zehn Kleinkinder bauen? Man kann. Mit minimalem Budget haben zwei junge spanische Architekten in der Gemeinde Tuéjar eine Hofstruktur zwischen zwei langgezogene Mauern geklemmt – Mauern, die nötig sind, um sich gegen die diffuse Peripherie zu behaupten. Der kleine Bau verbindet die Tradition des offenen Patio-Wohnens im heißen Klima der Region Valencia mit der Idee eines geschützten Raums für die Kinder


Text: Geipel, Kaye, Berlin


    Zweieinhalb Meter hoch sind die gekrümmten Sichtbetonmauern auf jeder Seite der Krippe. Die Architekten hätten es gern etwas niedriger gehabt.
    Foto: Pablo Vásquez Ortiz

    Zweieinhalb Meter hoch sind die gekrümmten Sichtbetonmauern auf jeder Seite der Krippe. Die Architekten hätten es gern etwas niedriger gehabt.

    Foto: Pablo Vásquez Ortiz

    Blick in Richtung auf den Eingang.
    Foto: Pablo Vásquez Ortiz

    Blick in Richtung auf den Eingang.

    Foto: Pablo Vásquez Ortiz

    Wände und Boden der Krippe sind aus Holz.
    Foto: Pablo Vásquez Ortiz

    Wände und Boden der Krippe sind aus Holz.

    Foto: Pablo Vásquez Ortiz

„Is it a bunker? Or ist it a communist memorial? Why not sink the building in the ground?“ – „A beautiful small building! Kids love having their own private little world.“ Als im Netz erste Bilder der kleinen Krippe für zehn Kinder veröffentlicht wurden, gab es Protest und Zuspruch zugleich. Die einen fanden, der Stahlbetonbau sei ganz und gar unpassend für die Kleinsten, die anderen waren begeistert von der Idee einer schützenden Architektur, die durch die Möbel und die Einrichtung ihre eigene Atmosphäre bekommen würde.
Für die Architekten war der Bau vor allem ein Abenteuer. Sie mussten mit kleinstmöglichem Budget einen Ort schaffen, der die belanglose Umgebung am Rande des kleinen Dorfs vergessen lässt, die aus einem Sammelsurium von verbastelten Reihenhäusern, Gewerbe- und Abstellflächen besteht. Hinzu kam, dass das Grundstück während des Entwurfsprozesses seine Grenzen änderte – bei Grabungen hatte die örtliche Verwaltung eine Wasserader entdeckt. Die Krippe musste viel schmäler und länger werden als zunächst vorgesehen. So entwarfen die Architekten zwei parallele Mauern, die sich an ihren Enden aufrollen. Die östliche Mauer krümmt sich ein wenig den Eingangstoren entgegen, die westliche rollt sich einmal um die eigene Achse und umfasst so zwei kleine Räume – einen für die Büroarbeit, den anderen für den Sanitärbereich.
Zwei Patios, einer auf jeder Seite
Von Valencia aus liegt die Gemeinde Tuéjar 70 Kilometer weit im Landesinneren. Die Sommer sind sehr heiß, eine gute Ventilation ist entscheidend. Der Neubau musste Schutz vor Sonne und Wind bieten. Die Architekten hatten von Anfang an die Idee, einen großen, multifunktionalen Raum zwischen zwei Patios zu legen, um so die Durchlüftung zu gewährleisten. Der nördliche Patio ist groß genug, um ein paar Stühle ins Freie zu stellen. An seiner abschließenden Mauer wird er mit Kletterpflanzen begrünt. Der südliche Hof liegt am Eingang und dient den Kindern als Spielfläche. Über die Höhe der beiden Umfassungsmauern wurde lange gestritten. Die Architekten wollten 2,20 Meter, um auch die Raumhöhe noch genauer auf die kleinen Nutzer abzustimmen. Die Bauordnung verlangte aber mindestens 2,50 Meter, was dann auch umgesetzt wurde. Drei sauber verarbeitete Materialien kamen zum Einsatz: Sichtbeton außen, Glas für die Fassade und Holz für Boden und Wände. Die Möbel stammen teils aus der ehemaligen Krippe, die inzwischen abgerissen wurde, teils wurden sie von den Eltern gespendet.



Fakten
Architekten Durán Fernánez, José; García Dorce, Cristina
Adresse Calle San Juan, 47 46177 Tuéjar, Valencia, Spanien


aus Bauwelt 47.2014

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