Städtebau-Lehre als Verbindung von Stadtplanung und Architektur

Lehrgebiet StadtArchitektur, Hilde Barz-Malfatti, Institut für Europäische Urbanistik IFEU, Fakultät Architektur und Urbanistik, Bauhaus-Universität Weimar

Text: Barz-Malfatti, Hilde, Weimar

    Masterplan Gleisfeld Zürich
    Abb.: Sven Kaden

    Masterplan Gleisfeld Zürich

    Abb.: Sven Kaden

    Hamburg. Richtung Elbe: Groß.Stadt.Räume
    Abb.: Stefan Signer, Albrecht Jentzsch

    Hamburg. Richtung Elbe: Groß.Stadt.Räume

    Abb.: Stefan Signer, Albrecht Jentzsch

Städtebau-Lehre als Verbindung von Stadtplanung und Architektur

Lehrgebiet StadtArchitektur, Hilde Barz-Malfatti, Institut für Europäische Urbanistik IFEU, Fakultät Architektur und Urbanistik, Bauhaus-Universität Weimar

Text: Barz-Malfatti, Hilde, Weimar

Städtebau heute ist, mehr als in vergangen Zeiten, ein prozesshaftes Unterfangen, an dem viele Akteure beteiligt sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass auf den städtebaulichen Entwurf verzichtet werden kann und schon gar nicht, dass er sich automatisch aus dem Zusammenfügen von verschiedenen Aspekten ergibt. Im Gegenteil, die kreative Leistung, vielfältige Ansprüche und schrittweise Entscheidungen zu einer Form oder, vielleicht besser gesagt, zu einer räumlichen Regieanweisung werden zu lassen, erfordert ein enorm komplexes Vorgehen. Städtebau ist Gestaltgebung.
Städtebau in der Lehre ist die Verbindung von Stadtplanung und Architektur. Es geht nicht darum, Stadtplaner zu Architekten bzw. Architekten zu Stadtplanern zu machen. Aber beide Berufsgruppen sollten sich verständigen können und im besten Fall gemeinsam die gebaute Stadt als kollektives Ergebnis ausdiskutierter und ausbalancierter Interessen anstreben. Stadtplaner sollten ebenso über gestalterische Beurteilungskriterien verfügen und sich über die räumlichen Konsequenzen ihrer planerischen Entscheidungen im Klaren sein, wie auch Architekten über ein deutlich komplexeres Verständnis von Stadt und urbanen Entscheidungsprozessen verfügen müssen, als das üblicherweise der Fall ist.
An der Bauhaus-Universität Weimar werden die Studierenden seit einigen Jahren unter dem Dach der Fakultät Architektur und Urbanistik gemeinsam ausgebildet, zwar in getrennten Studiengängen, die aber in vielen Formaten miteinander verwoben sind. Die Studierenden der beiden Fachrichtungen profitieren voneinander. Zum Beispiel im städtebaulichen Entwurfsprojekt des vierten Bachelor-Semesters. Hier arbeiten künftige Architekten und Stadtplaner in gemischten Gruppen zusammen. Dabei werden das Programm und der Entwurf aus dem Kontext der Stadt entwickelt. Experimentelle Übungen in unterschiedlichen Maßstäben, begleitet von Grundlagenvorlesungen, schulen Wahrnehmung, Erkenntnis und Interpretation städtebaulicher Zusammenhänge. In der Wechselwirkung zwischen Analyse und Konzeptfindung erfolgt schrittweise die Annäherung an die Komplexität des städtebaulichen Entwerfens.
Urbane Wohnformen und der öffentliche Raum sind Kernthemen. Neben dem Vermitteln von Entwurfsmethoden geht es auch um Strategien und offene Planungsprozesse, welche heute wesentlich zum Repertoire des Städtebaus gehören. Vorlesungen, Gastvorträge, Seminare und Diskussionen mit städtischen Akteuren, aber auch die Arbeit mit Themen wie Großstadtliteratur und Kunst, liefern den Studierenden breit gefächertes Grundlagenmaterial zur Ideenfindung und Umsetzung im Projekt. Das Training der Darstellung und der Präsentation von Entwurfsinhalten ist integrierter Bestandteil der Entwurfsarbeit.
Entwurf
Masterplan Gleisfeld Zürich
Wiss. Mitarbeiter
Stefan Schwirtz, Janna Hohn, Holger Gladys
Student
Sven Kaden
Seit Jahren wächst die Region Zürich, sie wird immer mehr zersiedelt – ohne Gesamtplan oder Leitbild. Was hier so einfach als Entwurf daherkommt, ist die intensive Auseinandersetzung mit der selbst gewählten, aus Recherchen, Analysen und Prognosen abgeleiteten Aufgabenstellung: Zürich quantitativ wie qualitativ zur Metropole zu entwickeln. Ansatz sind die Überlegungen der Stadt, den Kopfbahnhof zu verändern, Gleise z.T. unter die Erde zu legen oder aufzugeben. Die Studie sucht nach Lösungen, wie die zur Bandstadt gewachsene Region zwischen Zürich und Baden angebunden und das Limmattal mit Fokus auf den Raum Zürich verdichtet werden kann. Sven Kaden schlägt vor, den Wandlungsprozess als Chance aufzugreifen und die zentral liegende Brache räumlich zu verändern, aufzuwerten und strategisch zu nutzen. In Analogie zur kompakten alten Stadt am Wasser entsteht das neue Stadtquartier um einen zentralen Park. Die neuen Quartiere formen Raumkanten zum Park, der das Herzstück der neuen Stadt bildet.

Entwurf
Hamburg. Richtung Elbe: Groß.Stadt.Räume Wiss.
Mitarbeiter
Stefan Schwirtz, Janna Hohn, Holger Gladys
Studenten
Stefan Signer, Albrecht Jentzsch
Aufgabe war, städtebauliche Ideen für die Verbindung der Hamburger Innenstadt mit der HafenCity und deren künftigen Erweiterung zu entwerfen. Ein Schwerpunkt war der südöstliche Innenstadtrand und der östlich davon liegende Ring um die Innenstadt – die Verbindung zwischen Bahnhof und Deichtorhallen –, zurzeit ein undefinierter, vom Verkehr und Baufragmenten bestimmter Bereich. Allen Entwürfen lag die Haltung zugrunde, dass Barrieren überwunden und erlebbare, lesbare Stadträume geschaffen werden müssen, die ein urbanes Milieu – inklusive Wohnen – entstehen lassen. Stefan Signer und Albrecht Jentzsch entwerfen zwei signifikante, intelligent gesetzte Objekte und bauen den vorhandenen Kulturgürtel zwischen dem Hauptbahnhof und dem Deichtorplatz mit neuen Nutzungen aus. Das elegante goldene „Passepartout“ rahmt das Gleisbett und kontrastiert die Infrastruktur. Der konstruktive Aufwand ist verhältnismäßig gering, die Wirkung außerordentlich stark. Das zweite langgestreckte Objekt am Deichtorplatz formt zusammen mit den Deichtorhallen einen neuen Stadtraum. Der Turm macht den Deichtorplatz und den Eingang zur Innenstadt weithin sichtbar und schafft einen Bezug zur HafenCity. Der Steintorwall verbindet die beiden Objekte, er entwickelt sich zu einem Boulevard mit breiten Gehwegen und Baumreihen.
Mit wenigen, aber entschiedenen städtebaulichen Eingriffen verändern die beiden Architekturstudenten die Wirkung der riesigen Stadtbrache und schaffen charakteristische Orte mit großer Ausstrahlung und mit hoher Aufenthaltsqualität.

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