Analyse, Entwurf, Prozessgestaltung

Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen, Martina Baum, Städtebau-Institut, Fakultät Architektur und Stadtplanung, Universität Stuttgart

Text: Baum, Martina, Stuttgart

    Urban Hybrid: aufräumen, verbinden, zeigen


    Abb.: Ananda-Michael Berger, Julian Bollinger

    Urban Hybrid: aufräumen, verbinden, zeigen


    Abb.: Ananda-Michael Berger, Julian Bollinger

    Urban Hybrid: urban lab aderklaaer
    Abb.: Kristin Lazarova, Leonard Higi

    Urban Hybrid: urban lab aderklaaer

    Abb.: Kristin Lazarova, Leonard Higi

Analyse, Entwurf, Prozessgestaltung

Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen, Martina Baum, Städtebau-Institut, Fakultät Architektur und Stadtplanung, Universität Stuttgart

Text: Baum, Martina, Stuttgart

Im Fokus des Lehrstuhls steht die Europäische Stadt: ihre Geschichte, Identität und Gestalt, ihre Lebens- und Arbeitswelten, der Wandel und die sich künftig stellenden Aufgaben. Wie kann die Stadt Lebensqualität bieten und Heimat sein? Was vom Vorhandenen wird erhalten und weiterentwickelt? Welche Orte bedürfen einer neuen Setzung?
Stadtplanung kann und muss in der Diskussion um die Zukunft der Stadt und den daraus resultierenden Aufgaben eine Schlüsselstelle einnehmen und die verschiedenen beteiligten Disziplinen miteinander verknüpfen. Das Programm des Lehrstuhls für Stadtplanung und Entwerfen ist daher nicht nur ein wichtiger Bestandteil des Architekturstudiums, sondern versteht sich als aktiver und kritischer Teil des Diskurses über die Stadt der Zukunft.
Im Studium gilt es die Kompetenzen zu erwerben, um aufbauend auf Kreativität, Wissen und Erfahrung eine starke eigene Haltung zu den Aufgaben der Stadt zu entwickeln. Ziel der Lehre ist es, auch bei Studenten der Architektur das Interesse für Stadt zu wecken, die Komplexität der Planung als Antrieb und Chance zu verstehen und sich nicht zuletzt des Kontextes der Architektur bewusst zu sein.
Für die Planung von Stadt bedarf es einer integrierten Haltung und breiten Perspektive, die räumliche, funktionale und gestalterische Aspekte ebenso berücksichtigt, wie gesellschaftliche, ökonomische und ökologische. Eine strategische Herangehensweise fasst unterschiedliche Interessen zusammen, wägt Belange ab und führt zu städtebaulichen Konzepten, welche Leitlinien festlegen und zugleich Raum für Entwicklung zulassen. Die Planung von Stadt ist ein Aushandlungsprozess, in dem wir Stadtplaner nicht nur in der Phase des Entwurfes eine Rolle einnehmen sollten. Die Rolle des Stadtplaners, die wir lehren, ist die eines Beobachters, der Orte umfassend analysiert, eines Entwerfers, der es vermag, Visionen und Konzepte planerisch und gestalterisch kompetent zu entwickeln und auch die eines Planers und Moderators, der den Prozess begleitet.
Das hier vorgestellte Entwurfsstudio Urban Hybrid entwickelt Szenarien für ein produktives Stadtquartier im 21. Wiener Gemeindebezirk. Die Studierenden suchen im städtebaulichen Entwerfen Strukturkonzepte mit verschiedenen Typologien, Dimensionen und Dichten, die in spannungsreicher Beziehung zu den gewerblichen wie industriellen Einrichtungen stehen. Das Gebiet um den U-Bahnhof Aderklaaer Straße ist von einer produktiven urbanen Landschaft noch weit entfernt. Zwei Wohntürme und ein neues Shoppingcenter östlich des Bahnhofs zeugen von ökonomischer Aufwertung und vom Transformationsdruck entlang der U-Bahntrasse. Der Konflikt zwischen der Geschichte des Gebiets und seiner Erneuerung bildet den Ausgangspunkt für das Entwurfsstudio.

Entwurf
Urban Hybrid: urban lab aderklaaer
Wiss. Mitarbeiter
Thorsten Stelter, Markus Vogl
Studenten
Kristin Lazarova, Leonard Higi
Um Potenziale für eine Entwicklung aufzuspüren, bedarf es einer intensiven und vielschichtigen Analyse der übergeordneten räumlichen Zusammenhänge. Viele Gespräche vor Ort und ein Blick über die Grenzen des Betrachtungsraumes hinaus ließen Kristin Lazarova undLeonard Higi das urban lab aderklaaer entwickeln, in dem sie „strukturelle Planungen mit prozessorientierten, offenen Entwicklungsansätzen kombinieren“ (Klaus Selle). Das urban lab dient als Experimentalraum. Es soll Anwohner und interessierte Bürger für die anstehende Transformation sensibilisieren und dazu motivieren, das Areal um die Brachmühle anders wahrzunehmen und neu zu betrachten. Das urban lab aderklaaer bietet eine vielschichtige Planungsstrategie mit den Phasen Initialisieren, Bewahren, Umdeuten, Aufwerten, Entwickeln, Gedeihen und Prägen lassen. Es weist den Stadtplanern die Rollen von Kuratoren und Koordinatoren zu, die vermitteln, ermöglichen, verknüpfen, entwerfen, blockieren, steuern, organisieren und stimulieren. Mit ihrem „Lab“ vor Ort in einer Automobilwerkstatt schlagen die Studierenden einen Perspektivwechsel vor. Sie verstehen sich als Teile in Projektnetzwerken und Vermittler im Dialog zwischen informellen und formellen Planungstechniken. Der Entwurf ist ein gutes Beispiel für die Vermittlung und Umsetzung eines städtebaulichen Entwurfs durch persönliche und visuelle Kommunikation.
Entwurf
Urban Hybrid: aufräumen, verbinden, zeigen #
Wiss. Mitarbeiter
Thorsten Stelter, Markus Vogl
Studenten
Ananda-Michael Berger, Julian Bollinger
Sozialräumliche, funktionale und ökonomische Zusammenhänge werden in der ersten Phase des Entwurfs kartiert, decodiert und produktiv für die weiteren Entwurfsschritte verwendet. Ananda-Michael Berger und Julian Bollinger agieren wie Ursus Wehrli in „Kunst aufräumen“. Damit eröffnen sie sich ein enormes stadträumliches Potenzial abseits der klassischen städtischen Entwicklungsflächen. Mehrere typologische Adaptierungen ermöglichen ihnen die Verdichtung und Überlagerung vieler extensiv genutzter Gewerbeflächen. So schaffen sie sich die Möglichkeit, städtische Räume an der nördlichen Einfallstraße zu kreieren. Aus der fundierten Kenntnis des Ortes heraus entwickeln die Studierenden ihre Visionen und Konzepte für die Aderklaaer Straße. Dabei bauen sie auf dem Vorhandenen auf, entwickeln das Bestehende weiter und intervenieren mit neuen Setzungen, die die Geschichte des Ortes weiterschreiben können. Der Vorschlag eines zentral gelegenen Platzraums gibt der Wagramer Straße einen klaren Auftakt als Einfallstraße im Wiener Norden. Gleichzeitig bietet er dem gerade eröffneten Wohnund Shoppingcenter citygate das nötige städtische Vorfeld und ergänzt es um mehrere soziale Einrichtungen. Der im Norden anschließende Erholungsraum „Langes Feld“ verschränkt sich am vorgeschlagenen Rautenplatz mit dem linearen Freiraum entlang der Wagramer Straße.

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