New Yorker Ackerbau

Urbane Landwirtschaft

Text: Meyer, Friederike, Berlin

Foto: Raymond Adams

Foto: Raymond Adams


Abbildungen: Aork AC

Abbildungen: Aork AC


New Yorker Ackerbau

Urbane Landwirtschaft

Text: Meyer, Friederike, Berlin

New York gilt als Inbegriff der dichten Stadt, Gärtnern und Ernten scheint hier unmöglich. Im Hof eines Kunstmuseums und im Hof einer Schule beweisen die New Yorker Architekten Amale Andraos und Dan Wood vom Büro Work AC das Gegenteil.
Sous le Pavé: la plage – Unter dem Pflaster liegt der Strand. So lautete ein Schlachtruf der Situationisten, einer Künstler- und Protestbewegung der späten Sechziger. Seit fünf Jahren lassen die Gründer des Büros Work AC, Amale Andraos und Dan Wood, diesen Gedanken in neuer Form wieder aufleben, und zwar im fast flächendeckend versiegelten New York. „Above the pavement – the farm“, über dem Pflaster – die Landwirtschaft, hieß es 2008, als sie den MoMA-Wettbewerb um die temporäre Hofgestaltung des PS1 in Queens gewannen (Bauwelt 15.08). In den Jahren zuvor hatte es dafür meist formvollendete Freiluftmöbel mit Planschbecken gegeben, einen Urban Beach für die Besucher der Sommerfeste. Mit einem aufgeständerten Riesenbeet aus Erde-gefüllten, miteinander vertackerten Pappröhren, in denen fünfzig verschiedene Sorten Obst und Gemüse wachsen, leiteten die Architekten eine programmatische Wende ein. Aus Urban Beach wurde Urban Farm, aus der Kulisse für Tanzparties eine spielerische Kritik an der Abhängigkeit von der globalen Lebensmittelwirtschaft.
Von PS1 zu PS126
Um Beete auf versiegelten Flächen und um Selbstversorgung geht es auch beim Projekt in der öffentlichen Schule PS126 im benachbarten Stadtteil Brooklyn. Hier haben Work AC ei­nen Schulhof zum Schulgarten, zum so genannten Edible School­yard, umgestaltet. Die Geschichte der Edible School­yards begann 2005 im kalifornischen Berkley, wo die inzwischen berühmte Köchin und Restaurantinhaberin Alice Waters eine Stiftung gegründet hat, die das positive Verhältnis von Kindern zu Lebensmitteln fördern will. Bereits in der Schule lernen sie, was es heißt, Obst und Gemüse anzubauen, selbst zu kochen und gemeinsam zu essen. Denn die Zahlen sind alarmierend: Etwa die Hälfte aller Schüler öffentlicher Schulen in den USA ist übergewichtig. Sie gehören zur ersten Generation, deren Lebenserwartung geringer als die ihrer Eltern ist. Der Schulgarten von Work AC ist der erste seiner Art an der Ostküste. In New York ist weniger Platz und das Wetter wechselhafter als in Kalifornien. Diese Probleme wollten die Architekten in ihrem ersten Entwurf mit einem beweglichen Gewächshaus lösen, dessen Konstruktion im Sommer über die Schulküche gefahren werden sollte. Seit der Öffnung des Schulgartens 2010 aber hat sich der Platzbedarf der Schule derart vergrößert, dass nunmehr nur die Fenster beiseite fahren werden. Das Gewächshaus soll Ende 2013 fertig sein.

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