Für Auge und Hand
Begreifbare Baukunst
Text: Kasiske, Michael, Berlin
Für Auge und Hand
Begreifbare Baukunst
Text: Kasiske, Michael, Berlin
Kann ein Quadrat gefühlt werden? Fasst sich ein kreisförmiger Querschnitt besser an? Derartige Fragen wirft die vom Hersteller FSB konzipierte Wanderausstellung „Begreifbare Baukunst. Die Bedeutung von Türgriffen in der Architektur“ auf.
45 Türgriffmodelle aus dem 19. bis ins 21. Jahrhundert werden in Bezug zu dem jeweiligen Bauwerk, in dem sie Verwendung fanden, präsentiert – in bequem greifbarer Höhe. So können die Ausstellungsbesucher testen, ob Auge und Hand der gleichen Form zugetan sind.
Seit fast dreißig Jahren, beginnend mit dem Kontakt zum Designer Otl Aicher und einem Workshop mit (damals) führenden Architekten, wird das Programm von FSB in Zusammenarbeit mit Formgebern von außerhalb entwickelt. Zwar kamen der Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung in Ulm und die Protagonisten der Postmoderne seinerzeit nicht zusammen – Aicher polemisierte mit seinem Beitrag „der nicht mehr brauchbare gebrauchsgegenstand“ gar gegen Griffe, die das Praktische der Form unterordneten –, doch er unterstützte FSB konzeptionell, und für Architekten, die für ein Bauwerk eigens entworfene Beschläge wünschten, wurde die Firma zum gefragten Partner.
Ob Behles Jochimsen für das Biomedizinische Forschungszentrum in Gießen, Christoph Ingenhoven für das Lufthansa Aviation Center in Frankfurt, Alessandro Mendini für das Museum in Groningen oder Hild + K für das Hotel Louis in München – ihre Produkte sind als Versuche zu lesen, das architektonische Konzept der Gebäude auf den Gegenstand herunterzubrechen, den der Nutzer beiläufig, doch fortlaufend befasst. Armin Behles und Jasper Jochimsen sowie Christoph Ingenhoven haben schlichte Formen entworfen, die in den komplexen und weitläufigen Gebäuden für Vertrautheit sorgen sollen. Der Türgriff von Mendini ist – wie das Gebäude – ein Relikt der zitierfreudigen 80er Jahre, nämlich eine abgewandelte Version des berühmten Beschlags von Walter Gropius. Der Bauhausdirektor huldigte den geometrischen Grundformen, was in der Ausstellung an einem offensichtlich gebrauchten Original nachvollzogen werden kann. Andreas Hild und Dionys Ottl gingen pragmatisch vor: Die Favoriten der beiden, der massige, sogenannte „Reichsformdrücker“ von Hans Poelzig und der geschwungene FSB-Klassiker 1020 von Johannes Potente, wurden miteinander verschmolzen zu einem unübersehbaren, doch sehr geschmeidigen Griff – passend für ein gediegenes Hotel. Man könnte meinen, sie seien vorgegangen wie einst Wilhelm Wagenfeld, der Produkte vorzugsweise mit verbundenen Augen beurteilte.
Die schnörkellose, aus einem Rundrohr entwickelte Türklinke von Ludwig Wittgenstein ist hingegen eine Nachwirkung seines Maschinenbaustudiums: „Ludwig zeichnete jedes Fenster, jede Tür, jeden Riegel der Fenster, jeden Heizkörper mit einer Genauigkeit, als seien es Präzisionsinstrumente“, erinnerte sich seine Schwester Hermine später. Dagegen weisen die ebenfalls präsentierten Beschläge von Karl Friedrich Schinkel, Josef Maria Olbricht und Peter Behrens eine von künstlerischer Sublimation geprägte Ästhetik auf.
Welche der gezeigten Türdrücker tatsächlich als Handschmeichler empfunden werden, wird der Besucher selbst herausfinden. Laut Otl Aicher benötigt ein Türdrücker vier Eigenschaften um zu funktionieren: Daumenbremse, Zeigefingerkuhle, Ballenstütze und Greifvolumen. Eine Annäherung mit geschlossenen Augen ist zu empfehlen, um sich des formal geprägten Blicks zu entledigen. Oder käme man sonst darauf, dass die grob wirkende Klinke von Alvar Aalto für sein Theater in Essen wegen des um den Griff gewickelten Leders sehr angenehm zu greifen ist?
Seit fast dreißig Jahren, beginnend mit dem Kontakt zum Designer Otl Aicher und einem Workshop mit (damals) führenden Architekten, wird das Programm von FSB in Zusammenarbeit mit Formgebern von außerhalb entwickelt. Zwar kamen der Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung in Ulm und die Protagonisten der Postmoderne seinerzeit nicht zusammen – Aicher polemisierte mit seinem Beitrag „der nicht mehr brauchbare gebrauchsgegenstand“ gar gegen Griffe, die das Praktische der Form unterordneten –, doch er unterstützte FSB konzeptionell, und für Architekten, die für ein Bauwerk eigens entworfene Beschläge wünschten, wurde die Firma zum gefragten Partner.
Ob Behles Jochimsen für das Biomedizinische Forschungszentrum in Gießen, Christoph Ingenhoven für das Lufthansa Aviation Center in Frankfurt, Alessandro Mendini für das Museum in Groningen oder Hild + K für das Hotel Louis in München – ihre Produkte sind als Versuche zu lesen, das architektonische Konzept der Gebäude auf den Gegenstand herunterzubrechen, den der Nutzer beiläufig, doch fortlaufend befasst. Armin Behles und Jasper Jochimsen sowie Christoph Ingenhoven haben schlichte Formen entworfen, die in den komplexen und weitläufigen Gebäuden für Vertrautheit sorgen sollen. Der Türgriff von Mendini ist – wie das Gebäude – ein Relikt der zitierfreudigen 80er Jahre, nämlich eine abgewandelte Version des berühmten Beschlags von Walter Gropius. Der Bauhausdirektor huldigte den geometrischen Grundformen, was in der Ausstellung an einem offensichtlich gebrauchten Original nachvollzogen werden kann. Andreas Hild und Dionys Ottl gingen pragmatisch vor: Die Favoriten der beiden, der massige, sogenannte „Reichsformdrücker“ von Hans Poelzig und der geschwungene FSB-Klassiker 1020 von Johannes Potente, wurden miteinander verschmolzen zu einem unübersehbaren, doch sehr geschmeidigen Griff – passend für ein gediegenes Hotel. Man könnte meinen, sie seien vorgegangen wie einst Wilhelm Wagenfeld, der Produkte vorzugsweise mit verbundenen Augen beurteilte.
Die schnörkellose, aus einem Rundrohr entwickelte Türklinke von Ludwig Wittgenstein ist hingegen eine Nachwirkung seines Maschinenbaustudiums: „Ludwig zeichnete jedes Fenster, jede Tür, jeden Riegel der Fenster, jeden Heizkörper mit einer Genauigkeit, als seien es Präzisionsinstrumente“, erinnerte sich seine Schwester Hermine später. Dagegen weisen die ebenfalls präsentierten Beschläge von Karl Friedrich Schinkel, Josef Maria Olbricht und Peter Behrens eine von künstlerischer Sublimation geprägte Ästhetik auf.
Welche der gezeigten Türdrücker tatsächlich als Handschmeichler empfunden werden, wird der Besucher selbst herausfinden. Laut Otl Aicher benötigt ein Türdrücker vier Eigenschaften um zu funktionieren: Daumenbremse, Zeigefingerkuhle, Ballenstütze und Greifvolumen. Eine Annäherung mit geschlossenen Augen ist zu empfehlen, um sich des formal geprägten Blicks zu entledigen. Oder käme man sonst darauf, dass die grob wirkende Klinke von Alvar Aalto für sein Theater in Essen wegen des um den Griff gewickelten Leders sehr angenehm zu greifen ist?







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