Bauwelt

Spuren

Lesarten von Landschaften und Räumen

Text: Drewes, Frank F., Bielefeld

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Spuren

Lesarten von Landschaften und Räumen

Text: Drewes, Frank F., Bielefeld

Architektur, aber auch die Erstellung von Verkehrswegen, Plätzen und Landschaftsräumen, ist immer auch Eingriff in die Natur bzw. einen Kulturraum. So wie Architekten davon ausgehen müssen, Spuren zu hinterlassen, so sollte ihnen bewusst sein, dass sie sich in den Spuren des Kontextes bewegen.
Uta Graff leitet den Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten an der TU München, wo sie einen holistischen Ansatz für die Kernkompetenzen von angehenden Architektinnen verfolgt. Auf den Punkt gebracht heißt das: finden statt erfinden. Graff schickt ihre Studierenden auf Spurensuche, um wesentliche Parameter der komplexen Thematik des Entwerfens vor Ort zu finden.
Die Publikation „Spuren“ dokumentiert diesen Lehransatz anhand der Resultate aus den Projekten des Masterstudiengangs aus drei Semestern. Die Entwurfsaufgaben lagen sämtlich in landschaftlichen Räumen, so dass man sich nichtunmittelbar auf architektonische Kontexte beziehen konnte. Auch die Themen – Akademie für Fliegenfischen, Reservoir der Resilienz und Reservat für tiergestützte Therapie – ließen sich nicht mit Standardwissen bearbeiten und forderten zu Recherche und Analyse auf.
Die Projekte sind in der Regel in drei Phasen aufgeteilt und beginnen mit einer „Fingerübung“, was die Erstellung eines Artefaktes sein kann wie ein Objekt der Zeit, Kunstfliegen für das Fliegenfischen oder Tiere, die eine abstrakte Umsetzung in einem spezifischen Material sind. Erst im zweiten Schritt erfolgt die Auseinandersetzung mit dem Ort im Rahmen einer Exkursion, die in den Bau eines Landschaftsmodells mündet. Als dritter Schritt erfolgt dann der architektonische Entwurf mit einem Schwerpunkt auf Raumbildung und materielle Umsetzung.
Das Buch dokumentiert jedoch nicht die entstandenen Projekte, sondern stellt wesentliche Aspekte und übergeordnete Themen ausschließlich anhand der Fotografien von Modellen in den Fokus. Unabhängig vom chronologischen Aufbau des Buches kann jede Doppelseite im Zusammenhang von Text und Bild für sich gelesen werden oder man kann, geleitet vom anregenden Stichwortverzeichnis am Ende, eine inhaltliche Spurensuche aufnehmen. Anstelle von häufig nur scheinbar komplexen Raumstrukturen, die mit neuester Computersoftware „erdacht“ werden, finden sich hier archaische Raumfolgen und geradezu haptische Räume, deren Atmosphäre dank hautnaher Modellraumfotografien spürbar scheint. Allem unterliegt ein großes Maß an Zeitlosigkeit, man meint, Stimmen von Vitruv über Tessenow bis Zumthor zu vernehmen. Das leicht über DIN A 4 liegende Format von „Spuren“ und die Fadenbindung ohne Rücken unterstreichen den Werkstattcharakter wie den akademischen Anspruch.
Fakten
Autor / Herausgeber Uta Graff, Hannah Rochelt und Jonas Virsik (Hrsg.)
Verlag Edition Detail, München 2024
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aus Bauwelt 9.2026
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