Bauwelt

Geometric Taxonomy

Carlos Ferrater & OAB

Text: Amabile, Luigiemanuele, Neapel

Eventteaser Image
  • Social Media Items Social Media Items

  • Social Media Items Social Media Items


Geometric Taxonomy

Carlos Ferrater & OAB

Text: Amabile, Luigiemanuele, Neapel

„Ageometretos medeis eisito“ (Ohne Kenntnis der Geometrie soll keiner eintreten): Dieses Motto scheint über dem Eingang von Platons Akademie geschwebt zu haben. Laut Ignacio Paricio, Architekt und emeritierter Professor für Architektur an der ETSAB in Barcelona, findet sich dieses alte Adagio in zeitgenössischer Form im Büro von Carlos Ferra-ter & OAB wieder. Anknüpfend an Ferrater und seinen Sohn Borja’s „Synchronizing Geometry“ von 2006, liefert Paricios „Geometric Taxonomy“ einen umfassenden Bericht über die komplexe Beziehung zwischen Geometrie und OABs kreativem Prozess. In drei Abschnitte unterteilt – die Taxonomie der Projekte, die Rolle der Geometrie und das Verhältnis von Geometrie und Kompo-sition als Disziplin –, geht seine Analyse auf die Suche nach einer internen Struktur der aus Ferraters Werk ausgewählten realisierten Projekte ein und definiert eine Taxonomie basierend auf den verschiedenen geometrischen Manipulationen. Ist der erste Teil des Buches aufgrund der Neuheit der Analyse auch am interessantesten, gelingt es den zweiten und dritten Teilen doch, einige Aspekte zu erfassen, die Ferraters Architektur charakterisieren.
Für den katalanischen Architekten ist Geometrie ein generatives Werkzeug, das es ihm ermöglicht, Klarheit und Präzision in der Architektur zum Ausdruck zu bringen, Dimensionen und Proportionen zu beherrschen und somit eine Sprache zu definieren, die von allen geteilt wird. Kontraste und Schnittstellen, die Einfügung von Hohlräumen in die Struktur der Architektur, die Zerlegung von Oberflächen und die Verschiebung und Wiederholung von Linien zur Bildung einer geometrischen Matrix – all diese Handlungen dienen dazu, die Form zu definieren. Der Prozess beginnt mit Skizzen, wobei Geometrie als Anregung eingesetzt wird und sich aus Skulptur oder Malerei entwickelt. Sie prägt die organisatorischen und programmatischen Netzwerke der Entwürfe und führt zu raffinierten formalen Lösungen, wie sie in bemerkenswerten Projekten wie dem AA-House, dem Saragossa-Delicias Bahnhof und dem Mediapro-Gebäude zu sehen sind. Hier fungiert Geometrie als Schnittstelle zwischen der Welt und einer Architektur fernab von Willkür: Sie trägt einen sozialen Wert, der mit anderen geteilt werden kann. Selbst wenn sich die Architektur weiterentwickelt, bleibt Geometrie eine immerwährende Kraft, ein universeller Code, der sich in Tragstrukturen manifestiert und die Form eines Gebäudes definiert.
Im gesamten Buch sind die Regeln der Geometrie die bestimmende Kraft hinter den strukturellen Merkmalen der Gebäude, die in den meisten Fällen der endgültigen Form entsprechen: Raum ist Struktur, und ihre Kombination definiert die Form. Diese Erkenntnis stellt Ferraters Werk in eine Reihe spanischer Architekturmeister des 20. Jahrhunderts, darunter Miguel Fisac, Alejandro de la Sota und Francisco Sáenz de Oiza. Ihre kühnen strukturellen Konzepte in Verbindung mit strenger Kontrolle geometrischer Merkmale schufen eine gemeinsame architektonische Sprache. Paricios Identifizierung der Taxonomie der Eingriffe hebt Ferraters Ansatz zur Gestaltung hervor. Anstatt nur modelliert zu werden, kristallisiert sich Architektur durch Geometrie heraus, ein Phänomen, das in Projekten wie der Strandpromenade von Benidorm und den Montjuic Botanischen Gärten in Barcelona deutlich wird. In diesem Prozess fungiert Geometrie als Verbindung zwischen dem Abstrakten und dem Greifbaren, der Idee und dem Entwurf, dem Geist und der Hand.
Wenn „Geometric Taxonomy“ eine fesselnde Erkundung des Zusammenspiels von Geometrie und Architektur in Ferraters Werk bietet, zielt es nicht darauf ab, einen Stil zu identifizieren, sondern die Syntax einer architektonischen Sprache zu bestimmen. Paricios Analyse bietet Einblicke in das Potenzial der Geometrie als Kristallisation architektonischer Form und die anhaltende Bedeutung geometrischer Manipulationen. Als Ressource für Architekturstudierende – wie durch die Anwesenheit von leeren „Notiz“-Seiten am Ende des Buches ersichtlich – zeigt das Buch, wie Geometrie weiterhin ein Hort ist, um architektonische Referenzen zu sammeln, zu ordnen und einen formalen Ansatz zu entwickeln, der Architektur als Synthese von Form und Struktur begreift – geleitet durch die präzise Kontrolle des Architekten.
Fakten
Autor / Herausgeber Ignacio Paricio
Verlag Actar Publishers, 2021
aus Bauwelt 4.2024
Artikel als pdf

0 Kommentare


loading
x
loading

8.2024

Das aktuelle Heft

Bauwelt Newsletter

Das Wichtigste der Woche. Dazu: aktuelle Jobangebote, Auslobungen und Termine. Immer freitags – kostenlos und jederzeit wieder kündbar.