Wer braucht saudische Stadtvisionen?

Sebastian Redecke schaut auf die geplante 170-Kilometer-Bandstadt „The Line“ des Kronprinzen und erinnert sich an Riad.

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

Sebastian Redecke schaut auf die geplante 170-Kilometer-Bandstadt „The Line“ des Kronprinzen und erinnert sich an Riad.

Sebastian Redecke schaut auf die geplante 170-Kilometer-Bandstadt „The Line“ des Kronprinzen und erinnert sich an Riad.


Wer braucht saudische Stadtvisionen?

Sebastian Redecke schaut auf die geplante 170-Kilometer-Bandstadt „The Line“ des Kronprinzen und erinnert sich an Riad.

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

Ganz Riad wird zerschnitten von breiten Verkehrstrassen, besonders von der 14-spurigen King Fahd Road. Der tosende Verkehr klimatisierter Luxuskarossen bestimmt das Bild – mit Ausnahme von Inseln wie die historischen Festungen einer kleinen Wüstenstadt, die sich hier einmal befand, mit dem Al Masmak Palace Museum und dem King Abdulaziz Historical Center. Von einer Metropole mit Zukunftsambitionen ist trotz eines U-Bahn-Milliardenprogramms nichts zu sehen. Saudi-Arabien will sich aber wie die Emirate am Golf neu ausrichten für die Zeit nach dem Öl. So braucht es eine sehr große Idee und die wurde nun vom Kronprinzen vorgestellt: Eine Stadt, die eine „Revolution des urbanen Lebens“ mit „Null Autos, null Straßen, null CO2-Emissionen“ bietet. Für diese Stadtgründung wählte man ein Stück Wüste und felsiges Bergland aus. Es befindet sich im Nordwesten des Landes nahe der Stadt Tabuk und soll bis zum Ausgang des Golfs von Akaba reichen. Das ist eine lange Strecke, so hat die Stadt für rund 200 Milliarden Dollar auch den Namen „The Line“ bekommen.
In der genau 170 Kilometer langen schnurgeraden Bandstadt soll der gesamte Verkehr unterirdisch erfolgen – und das mit Hochgeschwindigkeit in 20 Minuten von einem Ende zum anderen, gesteuert von künstlicher Intelligenz. Dafür stehen auf einer Transportebene Megatunnels zur Verfügung. Oben ist alles autofrei, man kann sich als Fußgänger bei bis zu 45 Grad im Schatten innerhalb von „City modules“ bewegen. Zu The Line mit einer Million Einwohner gehört noch viel mehr: Neom, eine zukünftige riesige Bebauung entlang des Roten Meeres mit Häfen, Forschungszentren, und weiteren Büro- und Wohnstädten. The Line ist nichts Neues: Stadtvisionen mit der Abtrennung des Verkehrs kamen immer wieder auf, faszinierten vor allem die Stadtplaner der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, damals mit viel Beton oder als modulare Stahlkonstruktionen und gerne auch hoch oben über den Köpfen. Ob die Bandstadt The Line nur so aussieht, damit man die Verkehrs- und Versorgungstunnels immer schön geradeaus bauen kann? Riad war für mich vor sieben Jahren ziemlich abweisend, The Line werde ich nicht mehr erleben.

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