Sprachlosigkeit untereinander

Boris Schade-Bünsow ist besorgt über die Kommunikationsfähigkeit von Architekten und Planern

Text: Schade-Bünsow, Boris, Berlin


Sprachlosigkeit untereinander

Boris Schade-Bünsow ist besorgt über die Kommunikationsfähigkeit von Architekten und Planern

Text: Schade-Bünsow, Boris, Berlin

Eine besondere Eigenschaft von Architekten und Planern ist die Fähigkeit, sich empathisch mit den Problemen ihrer Profession auseinander zu setzen und eindeutige Positionen einzunehmen. Mit größter Sorgfalt werden Argumente formuliert und im Kreise wohlgesonnener Kolleginnen und Kollegen verfeinert. Folgt die Veröffentlichung auf diversen Kanälen, ist die Hoffnung auf Anerkennung groß, bleibt sie aus, ist die Enttäuschung noch viel größer. Folgt gar Kritik schürt dies Empörung und Unverständnis über die vermeintlich ahnungslosen, fehlgeleiteten Kolleginnen und Kollegen.
In den vergangenen Monaten geschah das gleich zweimal. Die Veröffentlichung der „Düsseldorfer Erklärung zum Städtebaurecht“ durch das Deutsche Institut für Stadtbaukunst (Bauwelt 12.2019) erntete zahlreiche Entgegnungen und mündete in den Widerspruch „Gegen die Düsseldorfer Deregulierung!“ (Bauwelt 15.2019). Beide Positionen wurden von rund 50 Unterstützern unterzeichnet – die Lager sind gebildet.
Einen zweiten Lagerkampf entfesselten unsere Kollegen von „Arch+“ mit der Ausgabe „Rechte Räume“. Sofort brachten sich die Protagonisten mit ihren Argumenten in Stellung.
In beiden Fällen ist die Reaktion in den verschiedenen „Lagern“ dieselbe: Sie reicht von Betroffenheit bis zu Bestürzung, der eine oder andere wird sogar zutiefst und für immer beleidigt sein. Oder es wird der jeweils anderen Position sogar die Berechtigung zur Artikulation abgesprochen. Es gelingt keinem einzigen der scheinbar so Wortgewaltigen, das Gespräch mit dem Gegner zu führen, die Positionen auszutauschen und zu diskutieren. Vielmehr bleibt jeder für sich, spricht über den anderen und sucht gleichgesinnte „Schulterklopfer“. Diese Sprachlosigkeit unter Architekten und Planern, sobald die eigene Haltung angegriffen wird, ist verblüffend und leider symptomatisch und bedauerlich. Angesichts der großen Veränderungen, die in Architektur und Städtebau auf uns zukommen werden, ist sie gefährlich. Es braucht eine Diskussion mit offenem Visier, um das Bild der gebauten Umwelt im 21. Jahrhundert mit seinem digitalen und energetischen Wandel zu zeichnen. Denn dafür wird es keine eindeutigen und konsensuellen Antworten geben.

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