Andreas Meck

1959–2019

Text: Matzig, Katharina, München

Foto: Meck Architekten

Foto: Meck Architekten


Andreas Meck

1959–2019

Text: Matzig, Katharina, München

Als wir vor gut zehn Jahren Andreas Meck fragten, ob er ein Haus für uns planen würde, hat er lange gezögert. Als Bauherren hatten wir zu wenig Geld, ein zu kleines Grundstück - und bei alledem viel zu große Ansprüche. Dass er sich letztendlich entschied, das schmale Haus in München für uns zu bauen, war unser Glück. Die meisten unserer Vorschläge hat er ignoriert. Unsere Zweifel und Unsicherheiten hat er ausgehalten. Wir bekämen, so sagte er bei einem der Termine, ein „Haus mit Haltung“. Er hatte recht. Und unser Haus macht uns seither jeden Tag glücklich.
Andreas Meck war ein Architekt mit Haltung. Ende Juli erst lud sein Büro, das er seit 2011 als Meck Architekten gemeinsam mit Axel Frühauf führte, zum 30-jährigen Jubiläum an den Büro­standort in einem Hinterhof in München-Haidhausen. Gewohnt bescheiden und unprätentiös, nannte Andreas Meck bei seiner Begrüßung ein paar Zahlen: Mitarbeiter, realisierte Projekte, gewonnene Wettbewerbe. Gerade waren zwei hinzugekommen: In Dießen am Ammersee soll das Carl-Orff-Museum entstehen, in München-Pasing das Kulturbürgerhaus. Gezeichnet von seiner Krebserkrankung munterte Andreas Meck seine Gäste auf, mit ihm und dem Büro zu feiern, er habe sich sehr auf diesen Tag gefreut. Die Realisierung der Entwürfe wird er nicht mehr miterleben, am 20. August starb er, mit 59 Jahren.
Auch sein Buch, das anlässlich des Jubiläums herausgeben wird und das seine wichtigsten Bauten versammeln soll, wird er selbst nicht mehr in den Händen halten. „Gestimmte Architektur“ soll es heißen. Die ist ihm tatsächlich gelungen in seiner viel zu kurzen Schaffenszeit: Architektur, die sowohl städtebaulich wie funktional passtund dabei auch und vor allem räumlich-atmos­phärisch wirkt.
Seine Gabe und Begabung, gleichermaßen stimmig wie stimmungsvoll zu gestalten, stellte er vor allem bei zahlreichen Sakralbauten unter Beweis: München verdankt Andreas Meck das kraftvolle Dominikuszentrum im Norden (Bauwelt 45.2008), das Pfarrzentrum St. Nikolaus in Neuried, die Aussegnungshalle in Riem (Bauwelt 3.2001). Für das im letzten Jahr fertiggestellte Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer (Bauwelt 11.2019) in Poing wurde das Büro erst kürzlich mit der „Großen Nike“ geehrt. Deutschlandweit bekannt wurde er 2009 mit dem Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin, bereits vier Jahre vorher war das Bibliotheks- und Hörsaalgebäude der Bauhaus Universität Weimar (Bauwelt 38.2005) fertiggestellt. Eine Handschrift brauchte Andreas Meck nicht: Er schuf Bauten aus Ziegel, aus Sichtbeton, aus schwarzem Holz, aus rotem Putz, aus weißer Keramik. Er fand Lösungen für städtisch-dichtes Wohnen ebenso wie für das Leben auf dem Dorf. Und wer je in einer der von Meck Architekten erbauten Ferienwohnungen im Salzburger Land übernachtet hat, weiß, dass er auch mit und in der Natur bauen konnte.
Seit 1998 lehrte er, der in München und London studierte hatte, als Professor für Entwerfen und Baukonstruktion an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München, die letzten fünf Jahre als Dekan der Architekturfakultät. Architektur ist die öffentlichste aller Künste und die Baukultur ein hohes Gut, für das jedoch geworben werden muss, dessen war Andreas Meck sich bewusst: Die Teilnahme am Tag der Architektur, der in Bayern Architektouren heißt, war für ihn selbstverständlich. Und bat man ihn, eine Schulklasse durch eines seiner Häuser zu führen, machte er das möglich, am liebsten sogar selbst. Andreas Meck war ein Architekt mit Haltung. Er wird fehlen.

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