Bauwelt

Stadtteiltreff St. Augustin in Ingolstadt


Mit seinen breit gefächerten Angeboten ist der Stadtteiltreff St. Augustin in Ingolstadt ein Anlaufpunkt für alle. Nbundm* Architekten haben mit Sichtbeziehungen dafür gesorgt, dass Menschen ganz unterschiedlichen Alters den Neubau nutzen können, ohne sich aus den Augen zu verlieren.


Text: Rost, Sandra, Nürnberg


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    Zur Stollstraße hin markiert der neun Meter hohe Turm den Haupteingang und kann im Falle einer Aufstockung ein Treppenhaus aufnehmen.
    Foto: Sebastian Schels

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    Zur Stollstraße hin markiert der neun Meter hohe Turm den Haupteingang und kann im Falle einer Aufstockung ein Treppenhaus aufnehmen.

    Foto: Sebastian Schels

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    Der Versammlungsort für die Bewohner des Ingolstädter Augustinviertels findet sich in das Areal einer Grund- und Mittelschule eingefügt.
    Foto: Sebastian Schels

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    Der Versammlungsort für die Bewohner des Ingolstädter Augustinviertels findet sich in das Areal einer Grund- und Mittelschule eingefügt.

    Foto: Sebastian Schels

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    Das Baufeld wurde nahezu vollständig überplant.
    Foto: Sebastian Schels

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    Das Baufeld wurde nahezu vollständig überplant.

    Foto: Sebastian Schels

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    So konnten alle Räume zu ebener Erde arrangiert und mit den Außenräumen verwoben werden.
    Foto: Sebastian Schels

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    So konnten alle Räume zu ebener Erde arrangiert und mit den Außenräumen verwoben werden.

    Foto: Sebastian Schels

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    Um den Patio legen sich Seminar- und Gruppenräume, die das so diverse wie altersgemischte Publikum einander begegnen lassen.
    Foto: Sebastian Schels

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    Um den Patio legen sich Seminar- und Gruppenräume, die das so diverse wie altersgemischte Publikum einander begegnen lassen.

    Foto: Sebastian Schels

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    Die Raumaufteilung übernehmen Holzleichtbauwände mit integrierten Schränken und Regalen.
    Foto: Sebastian Schels

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    Die Raumaufteilung übernehmen Holzleichtbauwände mit integrierten Schränken und Regalen.

    Foto: Sebastian Schels

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    Alle Oberflächen blieben reparaturfähig ...
    Foto: Sebastian Schels

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    Alle Oberflächen blieben reparaturfähig ...

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    ... und frei von Verkleidung, Putz oder Farbe.
    Foto: Sebastian Schels

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    ... und frei von Verkleidung, Putz oder Farbe.

    Foto: Sebastian Schels

Viele Städte machten in den vergangenen Jahren Schlagzeilen, weil ihre Kulturetats drastisch gekürzt wurden. Städte mit monoindustrieller Gewichtung traf es besonders hart – so auch den Automobilschwerpunkt Ingolstadt. Für 2026 wird hier ein Defizit von 60 bis 80 Millionen Euro erwartet, Einsparmaßnahmen im Kultur- und Bildungssektor sind die Folge. Ungeschoren bleiben nicht einmal Institutionen, die just eröffneten, wie der Stadtteiltreff Augustin, gebaut von dem in Ingolstadt und München ansässigen Architekturbüro nbundm*.
Gelegen im Südosten der Stadt, entstand das Augustinviertel Ende der fünfziger Jahre für Beschäftigte der Automobil- und Spinnmaschinenindustrie. Namensgebend war die katholische Kirche St. Augustin des Architekten Hans Zitzels-perger, erbaut 1959 und unlängst von Meck Architekten behutsam saniert. Eingebettet zwischen dieser, einer großen Schule, einem geförderten Wohnungsbau und einer Einfamilienhaussiedlung auf der anderen Straßenseite, findet sich der Stadtteiltreff Augustin somit in guter Nachbarschaft anderer Bildungs-, Kultur- und Sozialbauten.
Der Neubau geht auf ein Vorgängergebäude an anderer Stelle zurück. Mit den Jahren war dieses zu klein geworden, weshalb die Stadt 2015 einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb für einen Neubau auslobte. Das Büro nbundm* belegte damals den dritten Platz. Doch wurde kurz darauf auf dem Grundstück ein Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, sodass dieser Ort nicht mehr als Bauplatz infrage kam. Das Dilemma löste schließlich ein VgV-Verfahren für ein anderes Grundstück in Sichtweite des Altbaus, zu dem die Preisträger des Wettbewerbs erneut eingeladen wurden. Diesmal gewannen nbundm*, und dies, obwohl sich ihr Entwurf der Auslobung deutlich widersetzte. Statt zwei geforderter Geschosse ohne Unterkellerung schlugen sie ein eingeschossiges Gebäude vor, denn eine eigene Heizzentrale war durch den Anschluss an das System der Schule samt PV-Anlage überflüssig, umfangreiche Lüftungsanlagen konnten durch eine genaue Berechnung und Einhaltung der Fensterflächen entfallen, und Lagerräume sind geschickt in Wandelemente integriert. Nach Planung und Bau mitten in der Covidkrise übergab das Architekturbüro den neuen Stadtteiltreff Anfang 2024 schließlich an den Träger, die Stadt Ingolstadt.
Von außen kommt das Haus ein wenig ungewöhnlich daher. Niedrigschwellig, offen und hie-rarchiefrei sollte es wirken, erläutert Neuburger, der mit seinem Team das Projekt bis zur Leistungsphase 8 betreut hat: „Wenn man Ängste, Nöte, Sorgen hat, dann kannst du hier einfach klopfen. Das ist eine wichtige Institution, ein Sonderbau, und so sollte er sich auch darstellen.“ Den Haupteingang markiert ein rechteckiger, neun Meter hoher Turm, von dem das Kaltdach schräg abfällt. Laut Auslobung musste es eine Möglichkeit zur Aufstockung geben, sodass der Turm nun Platzhalter für ein zukünftiges Treppenhaus ist. Neben seiner Signalwirkung bietet er in den warmen Monaten mit seiner zur Straße offenen Loggia, möbliert mit Tisch und Stühlen, einen kleinen Kontaktraum im Freien.
Die extra angefertigte, gekantete Aluminiumfassade in zartem Grün, wie man es inzwischen immer häufiger sieht, sticht in der farblich und materiell unauffälligen Umgebung hervor, ohne sich aufzudrängen. Zusammen mit dem roten Sonnenschutz bedient sich der Bau materiell seiner Umgebung: Die Zementfaserplatten der Eckpfeiler kommen durch den auf der Westseite benachbarten Wohnungsbau ins Projekt, der rote Klinker und das Aliminium von der Schule auf der Ostseite. Alles ist rückbaubar, ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.
Geht man hinein, gliedert der Flur windmühlenförmig das Gebäude. Angegliedert an den Haupteingang befindet sich eine Spange aus Büro- und Sanitärräumen, während sich um einen kleinen Patio auf der anderen Seite eine Werkstatt, zwei mit mobiler Wand getrennte Versammlungsräume, eine Küche mit gastronomischer Ausstattung und ein Bewegungs- und Kinderspielraum mit Spiegelwand verteilen. Mit Sichtbezügen zueinander ermöglicht der kleine Innenhof, dass Eltern zum Kaffeetrinken kommen, während sich die Kinder gegenüber austoben. Beinahe überall zeigt sich die unverkleidete Konstruktion, ein Stahlbetonskelett mit Betonsteinen als Ausfachung. Holzleichtbauwände aus Fichte, gesprenkelt mit Astlöchern, teilen die Räume ein. Mit integrierten Schrankelementen und weiteren Einbauten verteilen sich so die Lagerflächen und die Haustechnik. Getreu dem Low-Tech-Ansatz reduzierte das Architekturbüro eigenmächtig sogar die Anzahl der Steckdosen. Rote Naturkeramikplatten mit roten Fugen in Sanitärräumen und Flur, Terrazzoplatten in den Versammlungsräumen und Büros sowie Linoleum in sanftem Grün im Bewegungsraum ergänzen die Mischung: „Eine weiße Box wollten wir für diesen Zweck auf keinen Fall“, so der Architekt. Auch die Möblierung lag in der Verantwortung des Büros und fügt sich ein in den Rahmen für den Alltag des Stadtteiltreffs. Egal ob für eine „digitale Sprechstunde“ für Seniorinnen und Senioren, den „Café Treff“, den Familienstützpunkt, die „Faschingsgaudi für alle“, das Jugendtheater oder die Sprachkurse: Täglich kommen die Bürgerinnen und Bürger des Augustinviertels vorbei – man kennt sich, man hilft sich. Wie gut das Gebäude angenommen wird, zeigen auch die vielen Plakate und Flyer, die inzwischen an den Wänden hängen sowie der – ästhetisch zugegebenermaßen etwas zweifelhafte – Teppich im Flur, den die Angestellten im Winter auslegen, um den Boden zu schützen. In einem Haus, dessen Zweck das Gemeinwohl ist, ist Aneignung ganz im Sinn der Sache.



Fakten
Architekten nbundm* Architekten, Ingolstadt/München
Adresse Stollstraße 2, 85053 Ingolstadt


aus Bauwelt 6.2026
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