Bauwelt

Sozialzentrum "El Roser" in Reus


Das Gefängnis El Roser wurde 1979 zum Kindergarten umfunktioniert. Heute dient das Gebäudeensemble in Reus, Tarragona, als Sozialzentrum. Der Umbau von Ferrando und Gallego hält die Geschichte sichtbar.


Text: Aguiriano Aizpurua, Inés, Berlin


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    Das Sozialzentrum „El Roser“ in Reus war ursprünglich ein Gefängnis.
    Foto: Adrià Goula

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    Das Sozialzentrum „El Roser“ in Reus war ursprünglich ein Gefängnis.

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    Das Portal stammt von einem Hotel, das 1979 zeitgleich mit dem Umbau des Gefängnis zum Kindergarten abgerissen wurde.
    Foto: Adrià Goula

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    Das Portal stammt von einem Hotel, das 1979 zeitgleich mit dem Umbau des Gefängnis zum Kindergarten abgerissen wurde.

    Foto: Adrià Goula

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    Der Eingriff öffnet den Baukörper zur Stadt. Die alte Gefängnismauer ersetzen die Architekten durch einen mehrgliedrigen Portikus. Unter dem Dach aus transluszentem Kunststoff be­findet sich ein öffentlicher Speisesaal.
    Foto: Adrià Goula

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    Der Eingriff öffnet den Baukörper zur Stadt. Die alte Gefängnismauer ersetzen die Architekten durch einen mehrgliedrigen Portikus. Unter dem Dach aus transluszentem Kunststoff be­findet sich ein öffentlicher Speisesaal.

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    Neue Elemente touchieren die alten lediglich, so
    bleiben die bauzeitlichen Schichten erkennbar.
    Neben einem Speiselager, Schlafräumen und einer
    Cafeteria gibt es im Haus auch eine Arbeitsver-
    mittlung.
    Foto: Adrià Goula

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    Neue Elemente touchieren die alten lediglich, so
    bleiben die bauzeitlichen Schichten erkennbar.
    Neben einem Speiselager, Schlafräumen und einer
    Cafeteria gibt es im Haus auch eine Arbeitsver-
    mittlung.

    Foto: Adrià Goula

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    Foto: Adrià Goula

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    Nach dem Umbau ist das zuvor mit einem Haupteingang erschlossene Gebäude von verschiedenen Seiten zugänglich.
    Foto: Adrià Goula

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    Nach dem Umbau ist das zuvor mit einem Haupteingang erschlossene Gebäude von verschiedenen Seiten zugänglich.

    Foto: Adrià Goula

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    Eine der Eingangssituationen
    Foto: Adrià Goula

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    Eine der Eingangssituationen

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    Ambivalenz in Material und Wirkung ist omnipräsent.
    Foto: Adrià Goula

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    Ambivalenz in Material und Wirkung ist omnipräsent.

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    Gegensätze koexistieren harmonisch; ...
    Foto: Adrià Goula

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    Gegensätze koexistieren harmonisch; ...

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    ... ein Augenmerk liegt auf dem respektvollen Nebeneinander von Unterschieden.
    Foto: Adrià Goula

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    ... ein Augenmerk liegt auf dem respektvollen Nebeneinander von Unterschieden.

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    Am Verbindungsgang zwischen Alt- und Neubau waren im Kindergarten Gruppenräume angedockt.
    Foto: Adrià Goula

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    Am Verbindungsgang zwischen Alt- und Neubau waren im Kindergarten Gruppenräume angedockt.

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    Heute befinden sich hier temporäre Unterkünfte für 16 Personen ohne feste Bleibe.
    Foto: Adrià Goula

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    Heute befinden sich hier temporäre Unterkünfte für 16 Personen ohne feste Bleibe.

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    Eingriffe wie etwa neue Deckenbinder bleiben filigran und heben sich deutlich vom Bestand ab. Immer wieder ergeben sich Blickbeziehungen zwischen den Teilbereichen.
    Foto: Adrià Goula

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    Eingriffe wie etwa neue Deckenbinder bleiben filigran und heben sich deutlich vom Bestand ab. Immer wieder ergeben sich Blickbeziehungen zwischen den Teilbereichen.

    Foto: Adrià Goula

Das neue Gemeinschaftszentrum „El Roser“ im katalonischen Reus ist Obdachlosenunterkunft, Speisesaal und Gemeinschaftsraum, enthält Büros und einen Nachbarschaftstreff. Sein Name rührt von einer benachbarten Kirche, die heute als Schule dient. Und auch das Gebäude selbst hat Geschichte: 1929 als Untersuchungsgefängnis erbaut, war es fünfzig Jahre später in einen Kindergarten umgewandelt worden. Eine Funktion, die es bis 2013 erfüllte. Heute wird es als „Kulturgut von lokalem Interesse“ geführt (Bien Cultural de Interés Local, BCIL).
Vor vier Jahren schließlich, 2018, gewann das Team aus Josep Ferrando Architecture und Gal­lego Arquitectura einen Wettbewerb, dessen Ziel es war, der Anlage ein drittes Leben zu verleihen. In diesem Januar öffnete das Zentrum. Der Beschluss der Stadtverwaltung, ein denkmal­geschütztes Gebäude umzunutzen, ist bedeutungsschwer: Zum einen wurde ein Neubau vermieden, zum anderen aber erhielt ein Bau Wertschätzung, dem es daran mangelte – ein ehemaliges Gefängnis als Begegnungsstätte aufzuwerten, birgt eine gewisse Herausforderung.
Die Vorgaben für den Wettbewerb sahen nicht viel mehr als ein Facelifting vor. Die Architekten stellten jedoch fest, dass umfassendere Interventionen erforderlich wären. Ihr Entwurf verändert nicht nur den Baukörper selbst, sondern auch dessen Beziehung zur Umgebung. Das Gebäude befindet sich an der Grenze zwischen Zentrum und Rand der mit etwa 100.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Tarragonas. Bereits bei der ersten Annäherung wird die Absicht deut­lich, die Bausubstanz der Jahre sichtbar zu machen. Ursprünglich lag der Haupteingang an der Carretera de Montblanc, der Straße, die von Nordosten in die Stadt führt – sie ist heute stark befahren, die Bürgersteige sind schmal. Nun hat das Sozialzentrum mehrere Eingänge, keiner davon prominenter als der andere, ganz so, als ob es sich um eine kleine Stadt innerhalb einer Umfriedung handelte.
Der Teil, der von außen am meisten auffällt, ist das Volumen aus Methacrylat, durch das man in den Speisesaal gelangt. Der Saal dient gleichzeitig als öffentlich zugängliche Cafeteria und wird bereits von der gegenüberliegenden Sekundarschule genutzt. Die daran anschließende, seitliche Fassade öffneten die Architekten zur Stadt; dafür rissen sie die alte, die Straße flankierende Gefängnismauer ab. Ihren Verlauf bildeten sie mit einem Stahl-Portikus nach, der als Wilkommensgeste zu verstehen ist. Bestimmte Elemente wie ein Brunnen, ein steinernes Portal im Außenbereich oder verschiedene Raster, die die Gebäudeteile differenzieren, geben Hinweise auf die bauzeitlichen Schichten. Wobei das Portal erst während des Umbaus zum Kindergarten an seinen Platz gelangte. Zuvor gehörte es zu einem Hotel im Stadtzentrum, das etwa zeitgleich abgerissen wurde.
Im Inneren ordneten und vereinfachten die Architekten das Vorhandene. Dabei gingen die Ar­chitekten nach eigener Angabe „tangential“ vor – neue Bauteile stehen unaufdringlich neben alten. Elemente, die die Wahrnehmung des ursprüng­lichen Raums und seiner Geometrie stören würden, entfernten sie: Zwischendecken, Putz, Anstriche etc. Alte Mauern aus regionalem Naturstein finden sich um handgefertigte Keramik und einen schlanken Metalldachstuhl mit Ziegeldeckung ergänzt. Die Räume sind über große Durchbrüche verbunden, die Blickbeziehungen schaffen und im Sinne einer „palladianischen“ Strategie darüber hinaus als Verkehrsachsen dienen. Wege von internen und externen Nutzern sind klar von einander getrennt.
Der zeitgenössischen Gebäudeschicht liegt ein System zugrunde, das den Fehler systema­tisiert: Wo die alten, mineralischen Materialien mit manueller Herstellung und Ausführung – wie Keramikziegel und Naturstein – auf die neuen, industriell gefertigten und filigran verwen­deten Elemente aus Stahl und Polycarbonat treffen, kamen konsequent einfache Details zum Einsatz. Anstatt das Vorgefundene zu verändern und anzupassen, bearbeiteten Ferrando und Gallego es respektvoll und tastend. So setzten sie etwa Fensterrahmen aus Metall in die Wän­de ein, die nicht groß auf sich aufmerksam machen; sie verlegten Installationen sichtbar und fügten alle zusätzlichen Bauteile so ein, dass diese nicht in Konkurrenz zum Bestehenden treten. Die Anpassung beruht dabei immer auf dem Material, das eine Verbindung zwischen dem Neu­en und dem Alten, dem handwerklich Gefertigten und dem standardisierten Produkt herstellt. Die Wiederholung von Details und Materialien macht jederzeit deutlich, welche Elemente zu welcher Epoche gehören – eine fast didaktische Übung. Diese Strategie wurde unabhängig von der jeweiligen Nutzung im gesamten Gebäude umgesetzt. Es gibt allerdings zwei Bereiche, in denen die Eingriffe am deutlichsten sichtbar sind: Zentral gelegen befindet sich ein hoher, länglicher Raum, der Zugang zu den Unterkünften bietet; dort ist das Mauerwerk nur als Sockel bis zur der Augenhöhe eines Kindes sichtbar, was auf die die zweite Nutzung des Gebäudes anspielt. Während der Nutzung als Kindergarten befanden sich hier Gruppenräume. Am Ende des Gangs, wo ein Speisesaal und die Küche angeordnet sind, stehen nun nur noch die beiden Außenwände. Das Ganze wird von einem luftigen Gerüst überspannt, das die Bestandsmauern stützt. Von oben fällt Tageslicht ein.
Das Thema Dualität ist in diesem Projekt om­nipräsent: Einerseits legt das denkmalgeschützte Gebäuden mit inhärenter Monumentalität vor, und die Eingriffe tun ihr Übriges. Andererseits handelt es sich um ein Gebäude mit relativ geringer Grundfläche – einen Eingeschosser. Einerseits wurde beschlossen, als Ausdruck von Sparsamkeit und Ehrlichkeit, alle Materialien sichtbar zu lassen. Andererseits lässt sich die repräsentative Wirkung durch die großen Fens­ter, Oberlichter und die Verwendung von für öffentliche Gebäude typischen Materialien wie Stahl und Putz nicht leugnen. Einerseits verleihen die Rohheit der Materialien und viele ungeschliffene Fragmente dem Innenraum einen ruppigen, unpersönlichen Eindruck. Andererseits verliert sich eben dieser Eindruck, da diese Ästhetik jedem vertraut ist. All dies mündet in ei­ner harmonischen Koexistenz von Gegensätzen: Monumentalität und Behaglichkeit, Strenge und Eleganz, Neutralität und Vertrautheit.
Vielleicht ist diese Ambivalenz ein Schlüssel für das Sympathische an diesem Projekt: Sie minimiert den Eindruck, es gehe hier um Rollenzuschreibungen. Der überschaubare Maßstab entspannt zudem die Beziehung der Menschen zur Umgebung. Das Gebäudeensemble versichert die Nutzer eines Platzes in der Welt. Es tut dies mit Präsenz, aber ohne Aufdringlichkeit.
Aus dem Spanischen von Beate Staib



Fakten
Architekten Josep Ferrando Architecture, Barcelona; Gallego Arquitectura, Reus
Adresse Ctra. de Montblanc, 119, 43203 Reus, Tarragona, Spanien


aus Bauwelt 25.2022
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